Franziskaner-Abschied von Werler Wallfahrtsseelsorge

Pater Ralf Preker vor der Wallfahrtsbasilika in Werl. Die Franziskaner ziehen sich wegen Personalmangels 2019 aus der Wallfahrtsseelsorge zurück.
Pater Ralf Preker vor der Wallfahrtsbasilika in Werl. Die Franziskaner ziehen sich wegen Personalmangels 2019 aus der Wallfahrtsseelsorge zurück.
Foto: Volker Hartmann
Was wir bereits wissen
Loslassen ist Bestandteil franziskanischer Lebenskultur. Der Abschied von der Werler Wallfahrt tut trotzdem weh, ist aber wegen der Personalnot unvermeidlich.

Werl.. Das Gnadenbild bleibt in Werl, die Franziskaner nicht. Zehn Brüder leben noch in dem großen Klostergebäude neben der Basilika. Guardian und Wallfahrtsleiter Pater Ralf Preker ist mit 67 Jahren der zweitjüngste. Einen Mitbruder Küster hat man nicht mehr, die Aufgabe musste einem Angestellten übertragen werden.

„Die Personalentwicklung ist besorgniserregend“, beschreibt Pater Ralf die Gründe, warum der Orden nur noch bis 2019 in Werl tätig sein wird. „Es handelt sich um einen seit Jahrzehnten zu beobachtenden Rückgang, der alle geistlichen Berufe betrifft, nicht nur die Orden. Woran das liegt? Es sind weniger Kinder da, und die Säkularisierung schreitet fort.“

Der größte Wallfahrtsort im Erzbistum Paderborn

Hatten die Familien früher sechs oder mehr Sprösslinge, war es üblich, dass ein Sohn Priester wurde. Und wenn die Eltern ihm kein Studium finanzieren konnten, trat er in einen Orden ein. Pater Ralf: „Wenn sich heute ein junger Mann für den geistlichen Weg entscheidet, muss er entschieden sein. Im Kontext von Kirche ist Häme bestimmender geworden, auch durch eigenes Verschulden.“

Werl ist der größte Wallfahrtsort im Erzbistum Paderborn und nach Altötting (Bayern) und Kevelaer (Niederrhein) der drittgrößte in Deutschland. Erzbischof Hans-Josef Becker muss nun überlegen, wer die Wallfahrtsseelsorge künftig übernimmt. „Denkmodelle, wie es weitergehen kann, sind jetzt der Sorge des Erzbistums übergeben.“

Vor dem Werler kommt der Franziskaner

Pater Ralf ist gebürtiger Werler. Doch eine lokalpatriotische Brille auf die Veränderungen im Orden lehnt er ab. Denn vor dem Werler kommt der Franziskaner. „Wenn man in den Benediktinerorden eintritt, bleibt man lebenslang in einem Haus. Aber wir Franziskaner sind Pilger und Fremdlinge. Es gehört zum Orden, eine abschiedliche Lebenskultur zu entwickeln und nicht zu krallen und festzuhalten. Das Loslassen von Häusern ist etwas, das aus der franziskanischen Lebenswelt erwächst.“

Der Geistliche weiß, wie es ist, ein Kloster zu schließen. Er war der Obere der Franziskaner-Gemeinschaft in Bad Tölz, als dieses Haus aufgegeben wurde. 2008 kam er nach 50 Jahren zurück nach Werl. „Früher, als wir noch mehr waren, wäre das undenkbar gewesen, da hat man es vermieden, dass ein Ordensmann am Ort seiner Geburt eingesetzt wird.“

Zwei Drittel der Mönche älter als 70 Jahre

Der Strukturwandel lässt sich in Zahlen fassen. Vor 30 Jahren gab es vier Ordensprovinzen der Franziskaner in Deutschland, die jede gut 300 Mönche umfasste. Heute gibt es nur noch eine Ordensprovinz mit insgesamt rund 350 Brüdern. Dass sich die Gemeinschaft von Niederlassungen und Aufgaben trennt, scheint unausweichlich.

Schönes NRW Die älteren Werler Mönche gehen früh zur Nachtruhe. Dann ist Pater Ralf oft allein noch wach in dem stillen Riesenkasten und erinnert sich an die Zeiten, in denen das dreistöckige Gebäude bequem bis zu 50 Ordensleute beherbergte. „Das Haus ist sehr geräumig für zehn Brüder“, sagt der Guardian. „Das ist ja auch ein Grund, warum Werl in den Fokus der Überlegungen gerückt ist. Wir können das Haus unmöglich auf Dauer unterhalten.“

Museum genießt einen hervorragenden Ruf

Während das Kloster nur eine steinerne Hülle ist, geht es beim Forum der Völker um Herzblut. Unter der Leitung von Pater Reinhard Kellerhoff hat das Museum einen hervorragenden Ruf erlangt. Aber Pater Reinhard feierte jüngst seinen 80. Geburtstag. „Das Museum ist ein eigener Themenkomplex. Hier laufen schon Gespräche mit Organisationen und Universitäten. Das Museum gehört uns, aber wir werden es nicht in eigener Regie weiterführen können.“

Und wenn die Franziskaner Mönche aus anderen Niederlassungen abziehen, um Werl zu verstärken? „Zwei Drittel der deutschen Mitbrüder sind über 70 Jahre alt“, antwortet Pater Ralf. „Es führt kein Weg daran vorbei, unsere Personaldecke ist zu dünn.“ Der Nachwuchsmangel hat übrigens keinesfalls zur Folge, dass Anwärter auf das Ordensleben einen Freifahrtschein ins Kloster erhalten. „Wir haben immer wieder junge Leute, die bei uns anklopfen. Wir haben viele wieder weggeschickt. Wir wollen den Menschen das Evangelium bringen, da muss man schon kritisch hingucken.“

"Wir nehmen die Muttergottes ja nicht mit“

Die Wallfahrtsseelsorge ist ein Spiegel franziskanischer Gastfreundschaft. Pilger zu Fuß, im Bus, auf dem Trecker, mit dem Rad oder sogar per Motorrad („Moto Maria“), sie alle werden herzlich empfangen. Die Schausteller- und Zirkusseelsorge kommt ebenso zur Trösterin der Betrübten wie die Portugiesen, die Spanier und die Italienische Mission. Die Marienwallfahrt kennt keine Grenzen. „Wir versuchen immer, uns nach den Wünschen der Gruppen zu richten, so dass ihr Besuch einen geistlichen Gewinn bringt.“

Vier Jahre noch. Pater Ralf: „Wenn es dann dran ist, bloß nicht zuviel Lamento machen. Wir nehmen die Muttergottes ja nicht mit.“