Flüchtlingszelt statt gemütlichem Stall?

Gemeindereferentin Bernadette Kauf und Marion Hilwerling vor der traditionellen Krippendarstellung in St. Pankratius Warstein. Sie regen an, eine aktuelle Darstellung zu wählen.
Gemeindereferentin Bernadette Kauf und Marion Hilwerling vor der traditionellen Krippendarstellung in St. Pankratius Warstein. Sie regen an, eine aktuelle Darstellung zu wählen.
Foto: Manfred Böckmann / WP
Was wir bereits wissen
Fest mit dem Weihnachtsfest verbunden sind die wunderschönen Krippendarstellungen in den Kirchen. Doch einige fragen sich, ob die traditionellen Krippen noch zeitgemäß sind.

Warstein..  Auch in der Pankratius-Kirche am Markt wartet die Krippe auf ihre Besucher, die sicher sowohl während der Festtage als auch in der weiteren Weihnachtszeit viele Kinderaugen strahlen ließ und weiter lässt. Die großformatige Darstellung der Menschwerdung Jesu in Holz wurde von Paul Mendelin, Stefan Hagedorn, Manfred Severin, Heinz Gerke, Elmar Mestermann und Dieter Nölke auf der Seite neben dem Hochaltar aufgebaut, die Gestaltung übernahmen Anja Thiel und Margret Oberstadt. Weihnachtsstimmung überall.

Wirklich? Gemeindereferentin Bernadette Kauf hätte sich gewünscht, dass mal eine aktuelle Darstellung gewählt würde. „Ist das eine zeitgemäße Darstellung?“, fragt sie. „Ich hätte in diesem Jahr eine mit einem Flüchtlingszelt gewählt“, pflichtet ihr Marion Hilwerling bei, die sich unter anderem als Lektorin engagiert. Warum, so fragen die Frauen, muss immer nur die verklärte, heile Welt gezeigt werden? „Jesus ist auch nicht in eine heile Welt geboren“, so Hilwerling.

Entspricht nicht der Realität

Zumal Bernadette Kauf weiß, dass die „übliche“ Darstellung mit der Geburt Jesu in einem Hirtenstall aus Holz unmöglich der Realität entsprechen kann: „Das Bild stammt aus dem 19. Jahrhundert. Die Darstellung wurde in der Schweiz von Krippenbauern entwickelt auf Basis der Gedanken des Heiligen Franziskus.“ Man habe damals wohl diese bildliche Darstellung genutzt, weil viele Menschen nicht lesen konnten. Kauf: „Maria und Josef sind ja nicht in einem so gemütlichen Stall untergekommen.“ Stattdessen sei Jesus womöglich in einer Höhle zur Welt gekommen.

Und außerdem habe die Heilige Familie später fliehen müssen. Damit ist der Bogen zur Jetzt-Zeit geschlagen: „Es gibt auch heute viele Flüchtlinge, die eine Herberge suchen.“ Gar nicht weit, in Rüthen ist eine zentrale Unterkunft. „Würden wir Maria und Josef auch Unterkunft gewähren?“, fragt folglich die Gemeindereferentin. Krieg, reich und arm – das gab es früher wie heute: „Es wiederholt sich vieles in der Geschichte“. Eine andere Darstellung könne daher „ein Gedanken-Anreiz“ sein, argumentiert Marion Hilwerling.

Blumen als Zeichen des Aufbruchs?

Auch die Blumen, die in Warstein zur Krippendarstellung in der Pankratiuskirche gehört, finden nicht die ungeteilte Zustimmung der Gemeindereferentin, „auch wenn man das natürlich als Aufbruch zum Leben verstehen könnte.“ Ob es tatsächlich mal eine alternative, aktuelle Darstellung der Geburtsszene in der Warsteiner Pfarrkirche geben wird? Kauf: „Es wäre auf jeden Fall eine Irritation.“

Obwohl, etwa in Werl, auch ganz andere Krippendarstellungen präsentiert werden. Marion Hilwerling („So ein Anstoß kann uns der Sache näher bringen“) ist da ebenso wie die Gemeindereferentin („eine Idealisierung ist menschlich, aber nicht wahrheitsgemäß“) eher skeptisch: Vermutlich würden zu viele Warsteiner Sturm laufen. Und das möchte man ja dann wohl in der harmoniegewohnten Weihnachtszeit eher vermeiden.