Flüchtlinge protestieren mit Hungerstreik gegen Unterkunft in Rüthen

Asylbewerberunterkunft am Heidberg bei Rüthen, seit 20 Jahren genutzt.
Asylbewerberunterkunft am Heidberg bei Rüthen, seit 20 Jahren genutzt.
Foto: Armin Obalski
Was wir bereits wissen
Einige Flüchtlinge im Asylbewerberheim Rüthen-Heidberg sind in einen Hungerstreik getreten. Das Heim liege zu abgeschieden, kritisieren sie.

Rüthen.. Im Asylbewerberheim in Rüthen-Heidberg sind mehrere Bewohner in einen Hungerstreik getreten. „Wir fühlen uns sehr einsam. Das ist hier ein schlechter Ort, hier sind doch überall nur Bäume“, erklärt einer der Asylbewerber, die aus Pakistan, Bangladesh, Ägypten und dem Irak kommen.

Tatsächlich liegt das Heim auf dem Gelände eines ehemaligen Nato-Tanklagers, acht Kilometer von Rüthen entfernt. Ein Ferienwohngebiet liegt in einigen hundert Metern Reichweite.

Fahrräder und Mofas gespendet

Rüthens Bürgermeister Peter Weiken weiß sehr wohl um die ungünstige Abgeschiedenheit der Anlage, die schon seit mehr als 20 Jahren für Asylbewerber genutzt wird. „Wir haben die Situation inzwischen aber sehr deutlich entschärft“, erklärt er und verweist darauf, dass es morgens und abends einen Pendelbus gibt, dass durch Spendenaktionen in der Bevölkerung zum Beispiel Fahrräder zur Verfügung gestellt worden sind: „Und wer von den Asylbewerbern einen 1-Euro-Job etwa in unserem Bauhof übernommen hat, bekam zudem ein Mofa gestellt.“

Flüchtlinge Ohnehin seien von den 22 derzeit gemeldeten Flüchtlingen kaum mehr als fünf vor Ort anzutreffen. Weiken: „Die Wenigsten sind da, die Meisten sind längst irgendwo untergetaucht, bei Bekannten und Angehörigen in der Region untergekommen. Die kommen lediglich nach Heidberg zurück, wenn es Geld für sie gibt. Aber das ist uns auch egal.“ Rüthens Bürgermeister empfindet den angekündigten Hungerstreik durchaus als eine Art Erpressung: „Die Leute wollen einfach nichts tun, fordern dafür aber immer mehr.“

"Stark traumatisierte Menschen einfach im Wald ausgesetzt"

Ganz anders sieht das Karl Spiekermann. Der Warsteiner ist seit 1996 in der Asylarbeit ehrenamtlich tätig und kennt auch die Situation in Rüthen-Heidberg sehr gut: „Hier hat man einfach stark traumatisierte Menschen mitten im Wald ausgesetzt“, beklagt er. Man täte den Asylanten einfach bitter Unrecht, kümmere sich viel zu wenig um sie: „Das wirkt doch auf die Betroffenen alles wie eine Extrabestrafung.“

Es herrsche seitens der Stadt ein Mangel am Mitleid und Feingefühl. Die Unterbringung sei ja durchaus akzeptabel, so Spiekermann, nur die isolierte Lage wäre eben völlig ungeeignet: „Man muss vor allem nicht über, sondern mit den Menschen sprechen, das wäre wirklich sinnvoll.“

Und wie verhält es sich nun mit dem aktuellen Hungerstreik? Karl Spiekermann hat mit den Asylanten gesprochen und erfahren, dass einige von ihnen bereits mit Selbstmordgedanken in Heidberg angekommen sind: „Das ist jetzt ihr eigener Entschluss, sie sind wirklich verzweifelt. Dennoch habe ich ihnen dringend geraten, nur so lange nichts zu essen, dass sie keinen Schaden nehmen. Auch ein Arzt kümmert sich um sie.“

Eigeninitiative ist gefordert

Bürgermeister Peter Weiken formuliert seine Sicht: „Meine Tür steht jederzeit für jeden offen. Es sollte aber auch eine gewisse Eigeninitiative von den Asylbewerbern eingefordert werden. Und ich meine auch, wenn man als Flüchtling dem Tod von der Schippe gesprungen ist, sollte man auf Heidberg nicht verhungern wollen.“