Flüchtlinge in Rüthen als Bereicherung entdecken lernen

Projekttag zum Thema Flucht und Migration an der Nikolausschule in Rüthen. Felix Becker zeigt den Schülern, dass bunt besser ist.
Projekttag zum Thema Flucht und Migration an der Nikolausschule in Rüthen. Felix Becker zeigt den Schülern, dass bunt besser ist.
Foto: Armin Obalski
Die Vielfalt ist der wahre Schatz – das ist die Botschaft, die Felix Becker vermitteln will. Für das vierte Schuljahr der Nikolausschule veranstaltete er einen Projekttag zum Thema „Menschen, Migration und Miteinander.

Rüthen.. Die Vielfalt ist der wahre Schatz – das ist die Botschaft, die Felix Becker vermitteln will. Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 4a der Nikolausschule verstehen sie spätestens dann, als sie nach einem Spiel den Schatz erreicht haben und dieser zunächst nur aus Eukalyptusbonbons besteht. „Ganz schön langweilig“, fragt Becker. Ein vielstimmiges lautes „Ja“ ist die Antwort. Doch zum Glück gibt es in der Schatzkiste auch noch Fruchtbonbons aus Deutschland, Schokolade aus Russland und Zimtbonbons aus der Türkei. Das Spiel gehörte zum Projekttag „Menschen, Migration und Miteinander“, den Felix Becker für alle vierten Klassen der Nikolausschule veranstaltete.

Flüchtlinge Jeder Mensch, aber auch wirklich jeder, ist anders, und das ist sein gutes Recht. Egal wie er aussieht, egal wie er spricht, egal woher er kommt, er ist ein Mensch und hat das Recht als Individuum gesehen zu werden. Das will Becker vermitteln und tut dies bei den Viertklässlern ganz altersgerecht. „Ich kann ja auch nicht sagen, die 4a ist doof“, spricht er sich gegen jede Verallgemeinerung aus. Ihm geht es darum, dem Rassismus, den jeder in sich trage, entgegenzutreten.

Felix Becker ist in Rüthen geboren und hier lebt er jetzt nach seinem Studium auch wieder. „Gerade in Rüthen ist es mir wichtig, die Leute zu sensibilisieren, was Flucht und Asyl bedeutet“, sagt der 26-Jährige im Gespräch am Rande und verweist auf die besondere Situation wegen der Flüchtlingsunterkunft. „Es wird viel über, aber wenig mit den Asylsuchenden gesprochen“, meint er. Der Kontakt zu ihnen werde kaum gesucht. „Das aber versuche ich zu fördern“, sagt Becker, der sich auch im Arbeitskreis Asyl engagiert. Sein Rat: „Jeder sollte sich fragen, wie es wäre, wenn er in der Situation der Flüchtlinge wäre.“

Spenden abgegeben

Diese Frage erörtert er auch mit dem Grundschülern. Zwei Filme helfen dabei den Unterschied zwischen Migration und Flucht herauszuarbeiten, auch wenn an beiden Beispielen deutlich wird, dass niemand gerne sein Zuhause verlässt. Wobei zuvor jedes Kind beim Malen eines Bildes zunächst für sich festgehalten hat, was Zuhause ganz persönlich bedeutet. Familie, Freunde, Nachbarn gehören etwa dazu. „Das ist schon komisch, wir können zur Schule gehen und haben ein Zuhause, das alles haben die Flüchtlinge nicht“, sagt Judy. Wenn sie sich etwas wünschen könnte, sagt Valerie, sei es Geld, um für die Flüchtlingskinder Spielzeug zu kaufen. Einige aus der Klasse haben bereits selbst Spielzeug und Kleidung gespendet und mit ihren Eltern in der Notunterkunft abgegeben.

Positive, aber auch negative Erfahrungen haben einige aus der Klasse schon mit Asylbewerbern gemacht. Ein Mädchen berichtet davon, dass diese ihr immer am Zebrastreifen zuwinken würden. Ein Junge dagegen beklagt, beim Fußballspielen weggeschubst worden zu sein.

Insgesamt, weiß Felix Becker, der solche Projekttage schon seit vier Jahren anbietet, aus seiner Erfahrung zu berichten, seien in der Grundschule die Kinder sehr offen für die Flüchtlingsthematik. „Sie sind wenig geprägt von Vorurteilen und beweisen großes Einfühlungsvermögen.“ So findet es Judy etwa „blöd, dass andere Menschen nur wegen ihrer Hautfarbe geärgert werden“. Und Linus wünscht sich, dass die Kinder zur Schule gehen können, „damit sie Freunde finden“.