Fasziniert von der Weite des Horizonts

Warstein..  „Dem Kulturleben in Warstein Impulse, der bildenden Kunst mit all ihren Facetten einen Raum geben“ – am Mittwoch Abend ging die Ausstellungsreihe „Musik und Kunst – Kunst und Musik“ der Musikschule im nun zehnten Jahr in die 28. Runde.

„Horizonte“, so der Name der Ausstellung, brachte die gebürtige Warsteinerin Susanne Beringer, die inzwischen in Dortmund wohnt, mit über 30 Bildern von abstrahierten Landschaften nach Warstein.

Mit einem stimmungsvollen, musikalischen Auftakt läuteten die drei Musikschüler Simon Platte, Marwin Strunk und Peter Göke mit Unterstützung von Musiklehrer Massimo Grasso die Vernissage mit rockigen Klängen ein. Kaum war der letzte Ton ihres Stückes „Kanon-Rock“ verklungen, ertönte auch schon vom anderen Ende des Flures Pavel Staneks „Romanze für Tenorhorn“, vorgestellt von David Schulte am Tenorhorn in Begleitung von Musikschulleiter Michael Baronowsky am Klavier.

Ebenso spürbare Gegensätze wie sie in den musikalischen Präsentationen bereits in den ersten zehn Minuten der Vernissage zum Vorschein kamen, spiegelten sich diese auch in den Kunstwerken Susanne Beringers wider: Gegensätze wie Ruhe und Bewegung, Spannung und Entspannung, Charakter und Rhythmus von lauter und stiller Energie sind hinter den Gemälden verborgen.

Genau durchdachte Kompositionen

„Sie sehen Bilder von zunächst sehr einfach erscheinender Komposition und von intensiver, stimmungsvoller Farbigkeit“, richtete Organisatorin Antje Prager-Andresen das Wort an die zahlreichen Kunstinteressierten, die zur Vernissage gekommen waren. „Die Bilder lassen das ganze profane Schulgebäude richtig edel wirken.“

Doch nichts in der Kunst von Susanne Beringer sei in Wahrheit oberflächig und einfach: „Jede Bildkomposition ist sehr genau durchdacht, jede Farbkombination lange auf ihre Ausgewogenheit und emotionale Wirkung hin geprüft.“ In einem langsamen, geduldigen Prozess würden die „atmosphärisch dichten Landschaftsabstraktionen von besonderer Tiefe, Transparenz, meditativer Stille und emotionaler Harmonie“ entstehen.

In einem kurzweiligen Vortrag stellte Organisatorin Antje Prager-Andresen die Künstlerin der ausgestellten Werke weiter vor. Beringer liebe es, verschiedene Techniken, wie etwa Zeichnungen, Radierungen, Malerei mit Öl oder Acryl, auszuprobieren; nicht nur das wurde anhand der ausgestellten Bilder deutlich, auch erhalte Susanne Beringer mit ihrer Kunst den sozialen Blick bei: „Ein Blick hinter die Kulissen, in die Tiefe, auch in menschliche Abgründe und soziale Zusammenhänge“, beschrieb Prager-Andresen.

Erinnerungen aufleben lassen

Dennoch sei der Betrachter der Bilder keineswegs gebunden, vielmehr sei er frei, eigene Erinnerungen aufleben zu lassen und die Gegenständlichkeit aufzusuchen - dem gingen die Gäste in einem Rundgang mit anschließendem Umtrunk im Kammermusiksaal nach.

Beringer sieht Faszination in der Weite des Horizonts, provoziert gewollt eine räumliche Vorstellung, die für sie ein Symbol der Freiheit ist – deshalb auch der Titel der Ausstellung „Horizonte“.

Doch ist sie auch immer frei in ihrer Kunst? „Mein Dozent an der Uni hat immer gesagt: Kunst kommt von Können, nicht von Wunst wie Wollen“, so Beringer. Auch sei sie teilweise, steht etwa eine bestimmte Ausstellung an, in ihrer Freiheit eingeschränkt. „Doch wichtig ist allein, dass das Bild funktioniert – es mir gefällt und die Betrachter etwas darin sehen.“