Familienvater wegen Nötigung verurteilt

Die «Justitia», Göttin der Justiz und der Gerechtigkeit,  mit Waage und Schwert in Händen.
Die «Justitia», Göttin der Justiz und der Gerechtigkeit, mit Waage und Schwert in Händen.
Foto: Daniel Reinhardt
  • Autofahrer (50) soll Nachbarsjungen auf Fahrrad abgedrängt haben
  • Junge sagt unter Tränen vor Gericht aus
  • Geldstrafe und Fahrverbot für den Angeklagten

Warstein..  „Was Sie da gemacht haben, geht überhaupt gar nicht!“ Richterin Schmidt-Wegener fand am Dienstag deutliche Worte in ihrer Urteilsbegründung. Ein 50-jähriger Mann aus Belecke wurde wegen Nötigung zu 40 Tagessätzen á 45 Euro verurteilt; zudem erhielt er zwei Monate Fahrverbot. Die Verhandlung war keine gewöhnliche: Als Zeuge sagte ein zehnjähriger Junge aus, der sichtlich Angst vor dem Angeklagten hatte.

Was war passiert? Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft lautete auf Nötigung: Der 50-jährige Familienvater soll im Sommer dieses Jahres dem zehnjährigen Jungen mit seinem Auto den Weg versperrt haben, als dieser mit dem Fahrrad durch das Wohngebiet fuhr. Der Angeklagte bestritt dies. Vielmehr sei ihm der Fahrradfahrer, der mit einem Helm und einer verspiegelten Schutzbrille unterwegs gewesen sei, entgegen gekommen und plötzlich von links nach rechts auf die Straße gefahren.

Erkannt habe er den Jungen nicht, meinte der Angeklagte. Dabei kennen sich der 50-Jährige und der zehnjährige Junge: Sie sind Nachbarn. Das Verhältnis in der Nachbarschaft scheint massiv zerrüttet; dies wurde im Laufe der Verhandlung mehr als deutlich. „Es wird schlecht über mich gesprochen“, sagte der Angeklagte auf Nachfrage der Richterin zu dem Verhältnis zu den Eltern des Jungen.

Zerrüttetes Verhältnis

Noch deutlicher wurde dies, als zunächst die Mutter des Jungen in den Zeugenstand gerufen wurde. Sie schilderte, wie sie an dem Sommerabend im Garten ihre Blumen goss und dann sah, wie ihr Sohn und der Angeklagte die Straße hinunterkamen. „Er hat ihn gejagt wie ein wildes Tier“, sagte die sichtlich aufgebrachte Mutter. Es sei bereits häufiger der Fall gewesen, dass der Angeklagte ihren Sohn bedrängt habe. „Das ist immer eine Verfolgungsjagd, wenn mein Sohn zur Bushaltestelle geht.“ Teilweise verstecke ihr Sohn sich zwischen geparkten Autos, um von dem Angeklagten nicht gesehen zu werden.

Auch sie würde von dem Angeklagten regelmäßig beschimpft, sagte die Mutter aus. „Du hast ja keinen Respekt vor Frauen und Kindern“, wandte sie sich einmal direkt an den Angeklagten. Wo der Grund für diese ständigen Auseinandersetzungen liege, wisse sie selbst nicht.

Umso deutlicher wurde in der anschließenden Vernehmung ihres zehnjährigen Sohnes, dass dieser große Angst vor dem Angeklagten hat. Als er den Vorfall schilderte, brach er in Tränen aus. „Als er mir entgegen kam, hatte ich schon Angst, das ist immer so“, sagte der Schüler mit zitternder Stimme. Seiner Schilderung nach hatte ihm der Angeklagte mit seinem Wagen den Weg abgeschnitten, so dass er nur „so gerade“ noch an dem Auto vorbeikam.

Junge weint bei Vernehmung

Die Staatsanwaltschaft hielt die Aussage des Jungen, die gegenüber seiner Mutter, dem Polizeibeamten und der Richterin stets den gleichen Inhalt hatte, für glaubwürdig. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich ein zehnjähriger Junge so etwas ausdenkt“, so die Staatsanwältin. Sie plädierte auf eine Verurteilung zu 40 Tagessätzen á 50 Euro wegen Nötigung und eines Fahrverbotes von bis zu zwei Monaten. Der Verteidiger schätze den Vorfall anders ein: „Die Aussagen der beiden Beteiligten unterscheiden sich deutlich. Es steht keinesfalls fest, dass mein Mandant bewusst auf den Jungen zugefahren ist.“

Es sei allerdings offensichtlich, dass der Junge Angst vor seinem Mandanten habe. „Möglicherweise resultiert dies aus dem Streit zwischen seinen Eltern und meinem Mandanten.“ Er sah keinen Tatbestand der Nötigung gegeben und plädierte daher auf Freispruch.

Dies wies Richterin Schmidt-Wegener deutlich zurück. „Nach der Aussage des Jungen bin ich felsenfest davon überzeugt, dass Sie bewusst auf den Jungen zugefahren sind“, sagte sie in ihrer Urteilsbegründung, „es ist hier heute sehr deutlich geworden, dass der Junge wirklich Angst hatte und noch immer hat.“

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