Evangelische Gemeinde bringt „edleren Geist“

Grab vom evangelischen Pastor Geck
Grab vom evangelischen Pastor Geck
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Nach dem Vortrag über die Anfänge der evangelischen Gemeinde in Warstein sind noch Fragen offen, die einer Klärung bedürfen.

Warstein.. Es geht vor allem um den Familiennamen des ersten Gemeindepfarrers und des Kirchenchronisten. Während Referent Dietmar Lange ihn als Pfarrer Karl Seck vorstellte, wird er in einer Kirchenschrift der evangelischen Gemeinde 1978 mit „Pfarrer Geck“ benannt, ebenso auf seinem Grabmal auf dem evangelischen Friedhof. Da angeregt wurde, den Platz vor der Martin-Luther-Kirche nach ihm zu benennen, müsste diese Frage zunächst geklärt werden.

In der Chronik des Pfarrers aus dem 19. Jahrhundert ist zu lesen: „Der selige Consistorial-Rath Bäumer zu Arnsberg äußerte zu mir, dass voraussichtlich in demselben Maße, in dem die Gemeinde Meschede abnehme, die hiesige zunehmen werde,“ was darauf hindeutet, dass die Männer aus ihren engen Tälern des Sauerlandes in das weite flache Land über die Haar gezogen sind – oft dahin, wo sie ihr Brotauskommen fanden, was wohl in Warstein durch die Industrialisierung der Fall war. Denn die Warsteiner zeigten auch nach außen hin ihren Wohlstand, in dem sie sich die mächtige Pankratiuskirche bauten.

Kirchenbau von Stadt mitfinanziert

Auch der Bau der evangelischen Kirche wurde von der Kommune mitfinanziert; denn man musste beide Religionsgemeinschaften gleich behandeln. Da liest man: „Diese Tausend Thaler waren von der Stadt Warstein an die hiesige evangelische Gemeinde als Entschädigungssumme zum Kirchenbau bewilligt, da die kath. Kirche auch aus städtischen Mitteln erbaut worden war, woran selbstredend die hiesigen Evangelischen participiren. Unterm 26. Sept. bewilligte die Stadt Warstein noch einmal 500 Thaler.“

Amüsant zu lesen, wie der Gemeindepfarrer die Sauerländer sah: „Solange dieses Gebirgsland zum Kurfürstentum Köln gehörte und sich der sanften Herrschaft des Krummstabs erfreute, wurde es in steter und gewünschter Abgeschlossenheit von seinen Nachbarn erhalten, welches um so leichter wegen seines rauhen Klimas und des gänzlichen Mangels jedweden fahrbaren Weges gelingen mußte. Das ,kölnische Sauerland’ war deshalb in seinem Innern fast ebenso unbekannt wie das Innere Afrikas.“

„Verdumpfung des Volkes“

Ferner hält er für die Nachwelt fest: „Die Bewohner des Sauerlandes lebten vom Ackerbau und von der Schweinezucht, ließen in ihren großen Wäldern das Holz verfaulen oder verbrannten es zu Pottasche und erfuhren von der Außenwelt nur so viel, als sie nach dem väterlich bevormundeten Ermessen der Priester fahren sollten. Daher ist wohl zum großen Teil die Verdumpfung des Volkes, besonders der niederen Schichten desselben, der große in’s Unglaubliche gehende Aberglaube, kurz die beschränkteste Lebensanschauung zu erklären.“

Nachdem sich dort zwölf evangelische Gemeinden gebildet hatten und viele Kunststraßen gebaut worden waren, sei auch „ein etwas besserer, edlerer Geist gedrungen, allein den vereinten und sorgfältigsten Bemühungen des katholischen Klerus ist es doch bisher gelungen, dass der Flügelschlag einer besseren kommenden Zeit nur sehr leise noch vernommen wird.“