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Ermittlungsverfahren gegen Cannabis-Arzt eingestellt

18.02.2010 | 07:59 Uhr
Ermittlungsverfahren gegen Cannabis-Arzt eingestellt

Rüthen. Im April hatte die Polizei Wohnung und Büroräume des Rüthener Arztes Dr. Franjo Grotenhermen durchsucht. Der Verdacht: Abgabe oder Besitz von Betäubungsmitteln. Seit Jahren kämpft der Mediziner für die Legalisierung von Cannabis als Medizin. Nun wurde das Verfahren eingestellt.

Die Staatsanwaltschaft Hamburg hat das Ermittlungsverfahren gegen den Rüthener Arzt Dr. Franjo Grotenhermen eingestellt. Dies wurde seinem Rechtsanwalt jetzt mitgeteilt.

Grotenhermens Wohnung und Büro waren im vergangenen April von der Polizei durchsucht worden. Der Rüthener Mediziner ist Vorsitzender der bundesweiten Arbeitsgemeinschaft „Cannabis als Medizin” (ACM). Die Mitglieder setzen sich für die Anerkennung und Freigabe von Cannabis als Medikament ein. Die Polizei beschlagnahmte Aktenordner der ACM, fertigten eine Kopie der Festplatte seines Computers an und notierten die Kontodaten der Vereins- und privaten Konten. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft lautete auf „Handel mit oder Herstellen oder Abgabe/Besitz von einer nicht geringen Menge Betäubungsmittel”.

Hanfapotheke im Internet

Auf Grotenhermen war die Staatsanwaltschaft Hamburg durch andere Ermittlungen gegen die so genannte „Hanfapotheke” im Internet aufmerksam geworden. Der Rüthener unterstützte diese als Beiratsmitglied. Die „Hanfapotheke” brachte - anonym -Patienten und Spender zusammen. Die schwerkranken Patienten hatten den Nachweis zu erbringen, dass ein Bedarf für eine Cannabis-Behandlung bestand. Ärzte prüften diesen Nachweis dann.

Die „Hanfapotheke” ist im Internet inzwischen nicht mehr erreichbar. Grotenhermen vermutet, dass dies im Zusammenhang mit Ausnahmegenehmigungen durch die Bundesopiumstelle in Bonn (die zum Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte gehört) stehen könnte. Diese hatte, nachdem sie zuvor jahrelang Anträge pauschal abgelehnt hatte, im vergangenen Jahr erstmals Anträge zur Nutzung von Cannabis erlaubt. Sie folgte damit einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes, wonach auch die Gesundheit von Einzelnen im öffentlichen Interesse liege.

Krampflösende Wirkung

So durfte eine 51-jährige Patientin, die an Multipler Sklerose leidet, als Erste das krampflösende Cannabis aus der Apotheke beziehen. Inzwischen waren 21 Patienten mit ihrem Antrag in Bonn erfolgreich.

Dort gibt es derzeit 45 offene Anträge. Die generelle Situation, so Grotenhermen, sei aber „dramatisch”. Ihn erreichten jede Woche viele Anrufe von Patienten, die um Hilfe bitten - und die er nicht erfüllen kann. Diese Patienten, vermutet er, würden wohl in den illegalen Markt abgedrängt. Er würde sich wünschen, dass die Hürden zur Genehmigung herabgesetzt und Ärzte über die Nutzung entscheiden dürften. In Frage kommen für Cannabis etwa chronische Schmerzpatienten, Menschen mit MS oder dem Tourette-Syndrom.

Jürgen Kortmann



Kommentare
10.03.2010
19:43
Ermittlungsverfahren gegen Cannabis-Arzt eingestellt
von DrSmart | #10

War es in der Natur jemals illegal? Wer gibt uns das Recht, etwas davon zu verbieten?
Durch legalen Eigenanbau ist die Möglichkeit gegeben, sich von Drogenkriegen enthalten zu
können!
Das Anbieten von Cannabis Produkten in Supermärkten, Apotheken sowie Reform- und Bioläden
ist ein zeitgerechter und moderner Umgang damit.

Der Gang zu therapeutisch- oder medizinisch- notwendigen Hilfen muss für ALLE
so niedrigschwellig wie möglich gehalten werden!

Paranoide Psychosen werden nicht mehr durch eine unnahbare und misanthropische Gesetzeslage
verursacht.
Mit ner Knarre in den KRIEG und für nen JOint in den Knast!?

Gehören dann Maler und Lackierer nicht auch verurteilt!?

Anwendungen mit LSD sind sehr meditativ und richten den Focus der Aufmerksamkeit auf das
Selbst -Bewusstsein und gehört sicherlich richtig dosiert in das ein oder andere therapeutische
und medizinsche Anwendungsgebiet der Psychologie.

20.02.2010
11:13
Ermittlungsverfahren gegen Cannabis-Arzt eingestellt
von Karsten Kreiß | #9

Wie die ganzen Posts hier klar und deutlich zeigen, ist es höchste Zeit, die ganze Cannabis-Thematik im Licht der Medien öffentlich zu diskutieren!
Es kann nicht angehen, dass verantwortungsvolle Ärzte diffamiert und kriminalisiert werden, wenn sie ihren Patienten lediglich Produkte vermitteln, die das jeweilige Krankheitsbild nachweislich verbessern.

Die Prohibition ist gescheitert, das BtMG bedarf dringend einer gründlichen Revision.

18.02.2010
19:18
Ermittlungsverfahren gegen Cannabis-Arzt eingestellt
von aXXLJu | #8

Nach peinlicher Hausdurchsuchung, unhaltbaren Vorwürfen, Beschlagnahme von Patientendaten und immensen ausgestandenen Ängsten auf Betroffenenseite nur ein dürres Wort:
Eingestellt!.
Kein Entschuldigung, kein Tut uns leid, kein Sorry für den ganzen Ärger und Aufwand.
Aber das wäre vermutlich auch zuviel verlangt von einem Strafverfolgungssystem, welches die medizinischen Cannabis-Erfolge immer noch als eine Art verdeckten Rauschgifthandel zu ahnden sich müht, nachdem es zuvor bereits seit Jahrzehnten seine vollkommene Hilf- und Machtlosigkeit in Bezug auf simple Cannabis-Genusskonsumenten an den Tag legt.

Das SCM (Selbsthilfenetzwerk Cannabis als Medizin) müht sich auf seit Jahren diese erniedrigende und absolut nicht hinnehmbare Situation für Patienten, die von Cannabis, Cannabisextrakt oder Dronabinol profitieren, zu ändern...z.B.:
Die Wucherpreise für Apotheken-Cannabis, die doppelt bis dreifach so hoch sind wie auf dem Schwarzmarkt.
Die halsstarrige Haltung der Krankenkassen, die Kosten für Dronabinol oder Cannabis nicht zu erstatten.
Die über Gebühr zeitaufwändige Bearbeitungsdauer von Ausnahme-Erlaubnissen bei der Bundesopiumstelle (BfArM).
Die mangelhafte Bereitschaft der Ärzte, ihre Patienten bei der Antragstellung zu unterstützen.

Ein kurzer Blick in 14 Bundesstatten der USA zeigt, dass dort die Cannabis-Vergabe an chronisch oder schwer Erkrankte prima funktioniert. Hier in Deutschland steckt man derzeit allenfalls in der Hoffnungsphase eines Rückgangs staatsanwaltlicher Profilneurosen.

18.02.2010
12:53
Ermittlungsverfahren gegen Cannabis-Arzt eingestellt
von jessisrevenge | #7

also mein Freund leidet seit Jahren unter MS, und das einizge was gegen das Kribbeln in den Beinen und Armen, Händen und Füßen ist der Stoff THC. Ich finde auch zumindestens das die Schwerkranken es doch legal beziehen sollten. Es gibt übrigens in Deutschland eine Studie dazu, an der mein Freund teilnimmt, er bekommt das THC in Tropfenform vom Krankenhaus. Allerdings ist es schwer darein zu kommen..

18.02.2010
11:07
Ermittlungsverfahren gegen Cannabis-Arzt eingestellt
von F. | #6

Ja das Thema Cannabis wird sowohl in der Politik als auch in den Medien (medizinisch oder zum kiffen) komplett tot geschwiegen. Wo hat man schon was gelesen, wie sich die Gesetze in Tschechien zum Jahreswechsel geändert haben?

Ist das hier wirklich so ein Tabuthema oder einfach nur Beweis, dass die Lobbys in Dtl. bestens funktionieren?

18.02.2010
10:56
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #5

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

18.02.2010
10:46
Ermittlungsverfahren gegen Cannabis-Arzt eingestellt
von kaputtesGelsenkirchen | #4

In unzähligen Medikamenten befindet sich Alkohol, in vielen Opiate. Nur beim Thema Cannabis in Arzeneien tut man sich unendlich schwer, wobei es in diesem Fall nicht ums Kiffen geht, sondern um den medizinisch kontrollierten Einsatz, wie er in vielen europäischen Ländern praktiziert wird. Nur halt in Deutschland nicht, weil Juristen und Politiker bei uns immer noch meinen, sie wären die besseren Mediziner. Bei Cannabis scheiden sich die Geister in unserer Gesellschaft. Bis auf die CDU hat übrigens schon jede Partei irgendwann mal in Deutschland versprochen, den Umgang mit Cannabis vernünftiger als bisher zu regeln. Aktuell sind es die Linken, aber auch SPD, FDP und vor allem die Grünen haben dieses Thema immer wieder gerne genutzt, um sich bei jungen Menschen nochmal eben die eine oder andere Wählerstimme zu besorgen. Definitiv geändert hat sich allerdings nichts, denn wie der Fall des Arztes aus Rüthen zeigt, versuchen Staatsanwälte mit Profilneurose heutzutage immer noch Mediziner, die sich für die Verwendung von Cannabis einsetzen, als Drogendealer in Weiss in der Öffentlichkeit zu brandmarken.

18.02.2010
09:53
Ermittlungsverfahren gegen Cannabis-Arzt eingestellt
von Prost an die Säufer | #3

Das ist halt der lange Arm der Pharma-Lobby. Die gibt es nicht erst seit gestern.

18.02.2010
09:52
Ermittlungsverfahren gegen Cannabis-Arzt eingestellt
von Widerrede | #2

Ich weiß aus dem Krankeheitsbild eines nahen Verwandten der unter Spastiken leidet, dass gerade Cannabisprodukte die wenigsten Nebenwirkungen aufweisen und somit wesentlich schonender dem Patienten helfen. Da meine Verwandten über 60 Jahre alt sind können und werden sie sich für den Bedürftigen wohl kaum auf die Straße stellen und illegale Produkte kaufen die dazu noch geraucht werden müssten.

Verrückte Welt wenn man bedenkt das am letzten Wochenende sich Millionen Deutsche legal betäubt haben, viele bis zur Besinnungslosigkeit und sogar Kinder.

18.02.2010
09:03
Ermittlungsverfahren gegen Cannabis-Arzt eingestellt
von Name. | #1

Die Verschreibung von Cannabis sollte in der Tat im Ermessen der Ärzte liegen. Es kann nicht sein, dass Menschen eine Medizin vorenthalten wird, nur weil die Pflanze angeblich illegal sein muss. Genau das gleiche sollte für die Behandlung von Psychiatriepatienten bspw. durch LSD gelten.

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