Ergriffen von Orten tausendfachen Todes

Gedenkstätte ehemaliges Konzentrationslager Buchenwald: Frontansicht des Eingangstores mit dem berühmten Spruch „Jedem das Seine".
Gedenkstätte ehemaliges Konzentrationslager Buchenwald: Frontansicht des Eingangstores mit dem berühmten Spruch „Jedem das Seine".
Foto: WP
Was wir bereits wissen
„Es ist uns noch einmal bewusst geworden, wie unmenschlich und furchtbar diese Zeit war“, fasste Leonard Simon die Studienfahrt der Stufe 10 des Gymnasiums Warstein in das Konzentrationslager Buchenwald zusammen.

Warstein/Buchenwald..  „Es ist uns noch einmal bewusst geworden, wie unmenschlich und furchtbar diese Zeit war“, fasste Leonard Simon die Studienfahrt der Stufe 10 des Gymnasiums Warstein in das Konzentrationslager Buchenwald zusammen. Für drei Tage ging es für alle interessierten Schüler und drei Lehrer in der vergangenen Woche zu der Gedenkstätte in der Nähe von Weimar.

In Buchenwald ließen in der Zeit zwischen der Gründung im Juli 1937 und der Befreiung durch die US-Armee im April 1945 etwa 56 000 Menschen ihr Leben. Darunter unzählige Juden, aber auch viele politische Häftlinge und andere ethnische Gruppen, die nicht in das Bild der „deutschen Rasse“ des NS-Regimes passten.

Zunächst wurde die Stufe in zwei Gruppen aufgeteilt, um die sich dann jeweils ein Betreuer oder eine Betreuerin kümmerte. Schon am ersten Tag begannen die Gruppen das Gelände des KZ zu erkunden. Die Schüler lernten hierbei sehr viele Daten und Fakten über die Geschichte und die einzelnen Gebäude des Lagers. Alle Bauten stehen natürlich nicht mehr. Nur das Lagertor, das Krematorium, der Arrestzellenbau und die ehemaligen SS-Kasernen stehen noch.

Nähe zur Geschichte

Heute sind die Kasernen zu einer modernen Jugendherberge umgebaut worden. Somit schliefen die Teilnehmer dort auch, was die Nähe zur Geschichte noch einmal verstärkte. Die Betreuer konnten viele Fakten zu den einzelnen Gebäuden nennen und auch individuelle Biografien und Lebensgeschichten einzelner Häftlinge erzählen.

Besonders das Krematorium und der Arrestzellenbau waren für die Schüler und Lehrer sehr ergreifend. Dort zu stehen, wo früher die vielen Leichen verbrannt wurden, nahm einige doch sehr mit. Und die Zellen der zu Einzelhaft verurteilten Insassen zu sehen, war ebenfalls sehr überwältigend.

Auch der Appellplatz mit dem berühmten Spruch „Jedem das Seine“ löste bei vielen eine nachdenkliche Stimmung aus. Wo heute nur vereinzelt Touristen und Gruppen Fotos machen, mussten früher alle Häftlinge stundenlang morgens und abends zum Appell stehen – für viele ein befremdliches Bild, was aber zum Nachdenken anregte.

Am Abend schauten die Schüler den Film „Nackt unter Wölfen“, der von einem Jungen im Konzentrationslager Buchenwald handelt. Teile davon waren sogar an Original-Schauplätzen gedreht worden. „Den Film zu sehen und am nächsten Morgen selber an diesen Schauplätzen zu stehen, ist sehr bewegend“, berichtete Zehntklässlerin Constanze Cramer.

Am Nachmittag konnten alle Schülerinnen und Schüler ihre Erlebnisse selber verarbeiten und ihre Eindrücke auf verschiedene Weise darstellen. Dies konnte zum Beispiel ein Bild oder eine Skulptur sein, aber auch ein Text oder ein Plakat. Themen für diese Arbeiten waren auch frei wählbar: eine Biografie, ein spezielles Gebäude oder einfach die persönlichen Eindrücke konnten hier zum Ausdruck gebracht werden. Diese Methode war sehr erfolgreich, weil sich jeder Schüler auf seine eigene Art und Weise mit dem KZ Buchenwald und der NS-Zeit auseinandersetzen konnte.

Aschegräber und Gedenktafeln

Am nächsten Morgen wurde das Mahnmal besucht, das etwas außerhalb des Geländes steht. Hier findet man Gedenktafeln, einige Aschegräber und einen sehr großen Obelisken. An diesem Ort konnten die Schüler noch einmal einige Eindrücke sammeln. Nach diesem Besuch war die Gedenkstättenfahrt beendet und die Stufe machte sich auf den Heimweg.

Insgesamt konnten die Schüler und Lehrer des Gymnasiums Warstein viele Erfahrungen mit nach Hause nehmen. „Außerdem haben wir dort unglaublich viel gelernt; auch wenn es nur ein sehr kurzer Besuch war“, fügte Constanze Cramer hinzu. Somit hat jeder Beteiligte mehr Wissen über die Zeit erlangt. Des Weiteren verließ jeder die Gedenkstätte Buchenwald mit vielen neuen Erkenntnissen und persönlichen Gedanken.