Das aktuelle Wetter Soest 7°C
Prävention

Er wollte nur mal schnell fahren

27.06.2012 | 19:00 Uhr
Er wollte nur mal schnell fahren
Aufklärung durch erlebte Erfahrungen: Die Polizei war am Mittwoch mit dem Projekt "Crash Kurs NRW" zu Gast im Rüthener Friedrich-Spee-Gymnasium. Werner Bielawa berichtete, wie er als Unfallsachbearbeiter den schweren Unfall erlebte.

Rüthen. Die Zahlen sind alarmierend: Junge Menschen machen gerade einmal acht Prozent der Verkehrsteilnehmer aus – sind aber zu 20 Prozent an Unfällen beteiligt. Und dabei bleibt es oft nicht bei Blechschäden.

Diese Tatsache hat das Land zum Anlass genommen, ein Präventionsprojekt, „Crash Kurs NRW“, zu starten, das ursprünglich aus Großbritannien stammt und den jungen Leuten mehr oder minder unmittelbare Eindrücke verschaffen soll. So auch gestern im Friedrich-Spee-Gymnasium.

Weit über 100 Schüler der Jahrgangsstufen 11 und 12 blickten gespannt in der Alten Aula auf die Bühne. Dort berichtete der Feuerwehrmann, der eine eingeklemmte Person retten muss – und dann doch erfährt, dass seine Bemühungen nicht stets von Erfolg gekrönt sind. Oder der Rettungssanitäter, dem ein Unfallopfer unter seinen Händen stirbt: Dirk Behrens hat – wie die anderen Teilnehmer – Fotos vom jeweiligen Unfall mitgebracht. Er berichtet vom mehrfachen Herz-Kreislauf-Stillstand des Opfers, „der Patient brach immer wieder zusammen“ – und nach zwei Stunden war der Kampf um Leben und Tod verloren: Eine Vierergruppe hatte Spaß und Alkohol getrunken – auch der Fahrer. Es ging mit dem Auto in der späten Nacht nach Hause. Dort war es langweilig, also weiter zum Schützenfest in Lohe. Doch dort war die Feier vorbei – und auf dem Rückweg, 800 Meter vom Ziel, landete das Auto vor einem Baum. Fahrer war der Bruder des Toten; er blieb fast unverletzt.

Der gute Rat folgt auf dem Fuße: „Fahrt nicht betrunken, steigt da nicht ein. Denn diese Bilder will ich nicht mehr sehen“, so Behrens: „Mama und Papa freuen sich, wenn ihr Kind lebend vor der Tür steht“.

Als Ersthelfer engagieren

Rainer Walter, seit 25 Jahren bei der Polizei, schilderte ebenfalls ein Erlebnis – und forderte die Schüler dazu auf, sich bei einem Unfall als Ersthelfer zur Verfügung zu stellen: „Traut Euch, und wenn man den Leuten einfach nur gut zuredet“.

Einen Unfall bei Eikeloh schilderten gleich mehrere Teilnehmer. Stephan Köchling von der Feuerwehr berichtete, wie ihm bei der Alarmierung durch den Kopf geht, wo sich gerade Familie und Freunde befinden könnten. Wie er vor Ort zu einem Wagen gerufen wird, den er zunächst gar nicht gesehen hat. Dort hilft er, zwei Personen zu bergen, für die aber jede Hilfe zu spät kommt. Mit im Auto: Ein Kindersitz – zum Glück ohne Kind.

Opfer bekommen Namen

Heike Gösmann wurde zum selben Unfall gerufen; sie ist Notfallseelsorgerin, muss die entsetzliche Botschaft den Eltern des verunglückten Mädchens überbringen. Gösmann: „Dann bekommen die Opfer Namen.“ Trauer, Tränen, Wutausbrüche – so reagieren die Angehörigen. Und können die Nachricht kaum verarbeiten.

Werner Bielawa war als Unfallsachbearbeiter vor Ort: „Ich habe erst bei Tageslicht geschnallt, was da wirklich passiert ist.“ Und was war’s? Ein junger Mann, der beschlossen hatte: „Ich fahr’ heute mal schnell“, wollte mit 145 Stundenkilometern überholen. Er merkte zu spät, dass es nicht reichen würde.

Manfred Mois schilderte schließlich, wie er es als Vater erlebte, als vor 12 Jahren die Polizei vor dem Haus stand und berichten musste, dass die Tochter einen tödlichen Unfall hatte: „Uns ging ein Schlag durch den Körper.“ Die Folgen: „Es verfolgt einen Tag und Nacht“; er versteht, dass viele Familien anschließend auseinander brechen.

Die Polizei hofft, dass diese Fälle seltener werden, indem Schüler sensibilisiert werden, die richtige Entscheidung zu treffen: Lieber das Taxi nehmen oder die Eltern anrufen.

Manfred Böckmann



Kommentare
Aus dem Ressort
Perspektive für die Schulsozialarbeit
Schule und Soziales
Der Rüthener Schulausschuss empfiehlt dem Rat, Geld für die Weiterfinanzierung der Schulsozialarbeit einzuplanen. Die Bundesmittel reichen bis März 2015.
Handwerkliche Fähigkeiten gefragt
Pfadfinder
Der Berg mit Holz neben dem Diözesanzentrum ist riesig. Corinna lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Stück für Stück Holz legt sie auf den Spaltblock und lässt die Axt darauf sausen. Luana feuert sie dabei an. „Yeah, mach weiter so, du schaffst das.“
Großes Gedränge zur Eröffnung
Herbstmarkt
Tradition verpflichtet: Auch in diesem Jahr eröffnet Bürgermeister Christof Sommer traditionell mit dem Fassbieranstich die Lippstädter Herbstwoche. Dazu strahlte gratis ein weiß-blauer Himmel. Dicht gedrängt verfolgten die Kirmesbesucher vor dem Riesenrad, wie sich die ersten Gläser mit Gerstensaft...
75 Jahre alter Trecker ist ein Stück Kindheit
Hobby
Seit einiger Zeit stehen alte Schlepper, volkstümlich auch Trecker oder Traktoren genannt, hoch im Kurs. Das Interesse Theo Kulkes an seinem alten Schätzchen indes hat mit einer Mode nichts zu tun. Es wurzelt tiefer. Die Geschichte beginnt vor über 50 Jahren auf dem elterlichen Bauernhof in Menzel,...
Gemeinde Ense kooperiert mit RWE - Wertvolle Energie sparen
Wirtschaft
Die Energiewende ist weitaus mehr als die Installation von Windrad- und Photovoltaik-Anlagen. Es geht auch um das Energiesparen im Kleinen, im ganz normalen Ein-Familien-Haus oder in einem kommunalen Kindergarten. Energieversorger RWE hat in das Familienzentrum Lummerland nach Ense eingeladen
Fotos und Videos
Zwei Tote bei Unfall an der A44
Bildgalerie
Unfall
Warsteiner Kneipennacht grandios
Bildgalerie
Livemusik
Paderborner Fans sind erstklassig
Bildgalerie
Bundesliga
Gladbach siegt in Paderborn
Bildgalerie
Bundesliga