Er fand in Warstein sein zweites Pietrapaola

Schon oft wurde über die Städtepartnerschaft zwischen Warstein und Pietrapaola berichtet, für die Franco Capalbo sich seit vielen Jahren engagiert. Die Artikel hebt er sorgsam zu Hause auf.
Schon oft wurde über die Städtepartnerschaft zwischen Warstein und Pietrapaola berichtet, für die Franco Capalbo sich seit vielen Jahren engagiert. Die Artikel hebt er sorgsam zu Hause auf.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
In jungen Jahren kam Franco Capalbo nach Deutschland, um zu arbeiten. Bewusst entschied der Italiener sich, zu bleiben. Bereut hat er es bis heute nicht.

Warstein/Pietrapaola..  Franco Capalbo war elf Jahre alt, als er vom italienischen Pietrapaola aus nach Deutschland kam – am 24. Juli 1964 war das, er weiß es noch ganz genau. Vater, Bruder und Schwester waren schon da.

Er kam mit seiner Mutter nach. Warstein sollte fortan sein neues Zuhause sein und bis heute lebt der 62-Jährige noch gerne hier, er hat in der Wästerstadt und rund herum Freunde und Verwandte. Trotzdem betrachtet er sich nicht als deutsch. Franco Capalbo ist Italiener.

„Das mit der Sprache war schwierig am Anfang“, erinnert er sich. „In der Schule bin ich dann besser zurecht gekommen.“ Als Kind lerne man schnell. In der Schule heißt in Belecke. Seine Schwester hatte sich Bücher zum Übersetzen besorgt. Mit denen lernte er auch zu Hause Deutsch. „Für mich war hier alles fremd“, weiß er heute noch. „Freunde hatte ich keine.“ Die ließen aber nicht lange auf sich warten. „Ich hatte schnell Kontakt zu anderen Kindern in der Schule oder der Nachbarschaft“, verrät Capalbo.

Sein Vater kam nach Deutschland, um hier zu arbeiten. Zunächst in Stuttgart, später dann bei Siepmann in Warstein. Wenn er Weihnachten zu Hause war, erzählte er von der neuen Heimat. „Arbeitsmäßig war es damals schwierig in der Region Pietrapaola“, weiß Capalbo. „In Deutschland gab es Arbeit und pünktlich Lohn.“ Sein Vater habe dann entschieden, dauerhaft dort zu bleiben – die Familie kam nach. Erst als er 1967 Rentner wurde, ging es zurück nach Italien. Der damals 16-jährige Franco reiste ein Jahr später aber wieder nach Deutschland. „Hier war man der Zeit einfach voraus“, schwärmt er. „Kinos oder Diskotheken gab es bei uns in Pietrapaola nicht, höchstens weiter außerhalb.“ Nur das Essen hier sei ganz anders gewesen. Die italienische Küche fehlte ihm, ebenso das gute Wetter und das Meer.

Die Pünktlichkeit im Blut

Er fing an in Rüthen zu arbeiten, war im Laufe der Zeit bei vielen Unternehmen beschäftigt – besonders in Warstein. Auch eine eigene Pizzeria hatte er. 1970 lernte er in Belecke seine Frau kennen, eine Italienerin. Heute haben sie vier Kinder, elf Enkel und sogar einen Urenkel. Seit fast zwei Jahren ist Franco Capalbo selbst in Rente. Zurück will er deshalb nicht. Familie und Freunde halten ihn hier.

Trotz seines italienischen Passes ist er in mancher Hinsicht sogar recht deutsch. „Weil ich hier aufgewachsen bin, habe ich Pünktlichkeit im Blut“, sagt er und muss grinsen. In dieser Hinsicht könnten seine Landsleute etwas von den Deutschen lernen, findet er. „Die Italiener nehmen die Dinge nicht so ernst.“ Die Deutschen könnten hingegen etwas entspannter sein. Da drängt sich natürlich die Fußballfrage auf: „Wenn Italien gegen Deutschland spielt, bin ich für Italien.“ Er lacht.

Im Freundeskreis Pietrapaola und bei den Warsteiner Europafreunden setzt Capalbo sich schon lange für die Freundschaft zwischen den beiden Städten ein. 2010 wurde daraus eine offizielle Partnerschaft. Für sein altes Zuhause ist er sogar politisch aktiv und unterstützt den dortigen Bürgermeister Luciano Pugliese. Deshalb ist er hier der offizielle Ansprechpartner für die Menschen aus Pietrapaola, wenn sie etwas zu regeln haben – egal ob von hier oder woanders. „Gut 400 Pietrapaolesen leben derzeit in Warstein“, schätzt Capalbo. Früher seien es noch mehr gewesen. „Heute ist es hier schwieriger, an Arbeit zu kommen, als noch früher“, erklärt er. Es gebe in Italien nicht mehr so ein großes Bedürfnis nach Deutschland zu kommen.

Urlaub in der Heimat

Er selbst macht regelmäßig Urlaub in Italien. Letztes Jahr war er sieben Mal da, 2015 auch schon ein Mal. „Meine Heimat ist immer noch Pietrapaola“, betont Capalbo. Trotzdem kommt er immer wieder gerne nach Deutschland zurück – und das hat einen ganz bestimmten Grund: „Warstein ist mein zweites Pietrapaola.“

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