Engen Sitzreihen endlich ein Ende bereiten

Warstein/Kreis Soest..  Es war Erwin Kochs Premiere als Kreistagsmitglied – und prompt schallte der Feueralarm durch den ehrwürdigen Sitzungssaal im Kreishaus. „Ich habe das real erlebt“, sagt er heute, „das war Chaos hoch drei.“ Die Abgeordneten drängten durch die engen Sitzreihen. Minuten vergingen, bis der Saal komplett geräumt war.

Der Brandschutz ist daher einer der wichtigsten Gründe für die Erneuerung des Sitzungstrakts, die der Kreistag in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause beschlossen hat. Knapp 1,4 Millionen Euro sollen die Arbeiten kosten.

„Hier wird nicht fälschlicherweise Geld rausgeschmissen, sondern es werden erhebliche Mängel beseitigt“, erklärt der SPD-Politiker. So soll das Mobiliar entzerrt werden, um einen Mittelgang zu schaffen. Dafür wird es nötig, die Presseplätze auf die Empore zu verlegen, die durch ein gläsernes Geländer künftig zudem eine bessere Sicht bieten soll. Die veraltete Lüftungstechnik soll in diesem Zug ebenfalls erneuert und umplatziert werden.

Einer der größten Kostenfaktoren ist die energetische Erneuerung der Fenster. „Wir haben die Bewerbung für den European Energy Award auf den Weg gebracht“, sagt Gregor Dolle, stellvertretender Vorsitzender der CDU-Fraktion, „dann müssen wir auch daran arbeiten.“ Die Sanierung habe sich nicht mehr umgehen lassen. „In normalen Gebäuden würde es solche Fenster auf keinen Fall mehr geben.“

Hinzu kommt, dass weder der große Sitzungssaal noch die benachbarten Konferenzräume, die in die Erneuerung einbezogen werden, behindertengerecht sind. „Nach diesen Fakten musste man wirklich sagen: Das geht nicht mehr“, betont Dolle.

Finanzen kritisch hinterfragen

Neben CDU und SPD hat auch die BG-Fraktion den Baumaßnahmen zugestimmt. „Wir haben das Immobilien-Konzept in der Vergangenheit immer kritisch hinterfragt“, sagt Robert Bigge, „aber die Unterhaltungsmaßnahmen sind wirklich notwendig.“

Dass einige Ausbesserungen umgesetzt werden müssen, räumt auch Manfred Weretecki (Die Linke) ein: „So große Ausgaben passen vom Verhältnis her aber nicht in die Zeit.“ Über die Kreisumlage fiele die Summe auf die klammen Kommunen zurück. „Und wenn man sieht, wie der Warsteiner Rat im Feuerwehrgerätehaus an Schulmöbeln tagt“, betont Weretecki, „dann ist der Sitzungssaal beim Kreis heute schon Luxus.“ Die Gründe für die Bauarbeiten hält er für „mehr oder weniger vorgeschoben“.

Bei zehn Gegenstimmen von Grünen, FDP und Linken/SO!-Partei votierte der Kreistag für die Instandsetzung. Nach der Sommerpause sollen nun die genauen Pläne gestaltet werden. „Und was das Finanzielle angeht“, betont Robert Bigge, „so werden wir das ganze Projekt weiter kritisch begleiten.“