Einmaligen Blick ins Möhnetal genutzt

Das auffallende Objekt an der Grenze zwischen Allagen und Niederbergheim kann am Samstag besichtigt werden.
Das auffallende Objekt an der Grenze zwischen Allagen und Niederbergheim kann am Samstag besichtigt werden.
Foto: Manfred Böckmann
Was wir bereits wissen
Außergewöhnliche Architektur gibt es beim gleichnamigen Tag an diesem Wochenende besichtigt werden. Ein Objekt steht im Stadtgebiet.

Niederbergheim..  Zum Tag der Architektur, der in diesem Jahr zum 20. Mal stattfindet, brauchen an modernen Wohnformen Interessierte nicht bis in die Metropolen fahren – auch im Möhnetal wird innovativ gebaut. Die Bauherrin wünschte sich „was Modernes“ – und suchte sich den passenden Architekten, um das „Traumhaus“ am Höhenweg in die Realität umzusetzen. Bei dem Soester Architekten Bernd Grüttner wurde sie fündig.

2011 wurde mit der Planung und der Umsetzung begonnen, erinnert sich Architekt Bernd Grüttner, im vergangenen Jahr war das Zwei-Familien-Wohnhaus mit einer gesamten Wohnfläche von rund 400 Quadratmetern bezugsfertig – und jetzt sind Interessierte willkommen, die architektonische Leistung von innen und außen zu betrachten.

Keine 08/15-Bauten

Zum Tag der Architektur, der jährlich stattfindet, können sich Architekten mit ihren Bauten bewerben. Einzige Einschränkung: Die Häuser dürfen nicht älter als fünf Jahre sein. Eine Auswahlkommission bei der Architektenkammer sichtet dann die Einsendungen. „08/15-Bauten werden dabei rausgenommen“, weiß der Soester Architekt. Schließlich wolle man mit der Aktion das Interesse an der Architektur stärken und zeigen, was es Neues in dem Bereich gibt. Grüttner: „Das geht natürlich nur mit Einverständnis des Bauherren“ – und der muss sich (und sein Haus) auch für die Aktion zur Verfügung stellen.

So sind am Tag der Architektur am 27. und 28. Juni in ganz NRW insgesamt 375 Gebäude zu besichtigen – nicht an beiden Tagen und dann auch nicht beliebig: In Niederbergheim, an der Grenze zu Allagen, können sich Interessierte am Samstag, 27. Juni, von 14 bis 16 Uhr umschauen. Der Soester Architekt ist nicht das erste Mal dabei und weiß aus Erfahrung: „Da kommen dann so 20 bis 30 Leute, die sich für die Architektur interessieren. Die machen dann quasi eine Sightseeing-Tour“. Und das sind nicht unbedingt nur Neugierige aus der unmittelbaren Umgebung. Immerhin werden die ausgewählten Objekte sowohl in einem informativen Buch als auch in einer speziellen App vorgestellt.

Auch der Balkon passt sich dem gesamten Haus an. Foto: Manfred Böckmann Zeitgemäß und modern

Das Soester Architekturbüro freut sich stets über die nicht alltäglichen Bauwünsche. Grüttner: „Wir bemühen uns immer, zeitgemäß und modern zu bauen.“ In Niederbergheim ist das ganz besonders gut gelungen – schließlich müssen auch die Vorgaben seitens der Kommune berücksichtigt und eingehalten werden. Doch „die sind in der Regel nur allgemein gefasst“, freute sich der Experte, die Wünsche der Bauherren größtmöglich umsetzen zu können.

Herausforderung im Fall im Möhnetal sei gewesen, dass es sich um ein Hanggrundstück handelt. Auf der einen Seite gibt es einen tollen Blick ins Möhnetal, den die Bauherren natürlich nutzen wollten. So musste das Haus nach Norden – und nicht wie üblich nach Süden ausgerichtet werden. Oder mit den beschreibenden Worten des Entwurfs-Experten: „Das Grundstück liegt auf einem kleinen Bergrücken mit einem hervorragenden Nordblick in die Landschaft und einer Südlage zur Straße und der bestehenden Bebauung. Die Konzeption der Grundrisse mit den großzügigen Terrassen machen beide Aspekte, Blick in die Landschaft und Besonnung, zum Mittelpunkt des Wohnens an diesem Ort.“

Ein paar Befreiungen

Die behördliche Vorgabe sei gewesen, dass der Neubau „der Umgebung mehr oder weniger angepasst“ sein solle, man habe „ein paar Befreiungen“ benötigt, damit die Wünsche der Bauherren dann auch in Stein gebaute Realität wurden.

Und das ist in der Tat gelungen, wobei das Haus nicht allein aus architektonischer Sicht ein absoluter Hingucker ist, bei dem viel moderne Technik verwendet wurde. So wird das Haus mit Erdwärme beheizt – sechs Bohrlöcher wurden in 94 Meter Tiefe gebohrt, von wo das Wasser mit genau 12 Grad nach oben transportiert wird. Die zentrale Be- und Entlüftung wurde mit Wärmerückgewinnung ausgestattet. Dass eine Photovoltaikanlage installiert wurde, versteht sich da (fast) schon von allein. Jetzt fehlt nur noch der Batteriespeicher, damit ein Großteil des produzierten Stroms auch selbst genutzt werden kann. Genauso wie das Regenwasser, das gesammelt wird und nicht nur beim Rasensprengen im Sommer gute Dienste leisten wird.