Einmal in Israel in einem Kloster mithelfen

Abschied des Jahres: Wolfgang Heppekausen
Abschied des Jahres: Wolfgang Heppekausen
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Was wir bereits wissen
Die Pensionierung war ein Abschied auf Raten. Offiziell Schluss war für Wolfgang Heppekausen Ende Juli. Aber da er noch den vollständigen Urlaub der vergangenen zwei Jahre und etliche Überstunden abzufeiern hatte, war Osterdienstag sein letzter Arbeitstag. Theoretisch.

Warstein..  Wolfgang Heppekausen wirft einen Blick in seinen Kalender für 2015. Nicht in seinen Computer, sondern in einen ganz klassischen Terminplaner in Buchform. Viele Termine haben sich hier schon wieder angesammelt – obwohl Heppekausen inzwischen im Ruhestand ist. „Jahrzehntelang habe ich meinen Kalender im Dienst geführt, habe auch private Termine auf meinen Computer im Dienstzimmer eingetragen. Das geht jetzt nicht mehr.“ Daher habe er auf den Buchkalender umgestellt. „Ich bin kein Typ, der jeden Morgen in seinen Computer guckt.“

Beruflich blieb ihm allerdings nichts anderes übrig, als jeden Morgen den Rechner hochzufahren – bis zu seiner Pensionierung, die ein Abschied auf Raten war. Offiziell Schluss war für ihn Ende Juli, in dem Monat, in dem er 65 Jahre alt geworden ist. Aber da er noch den vollständigen Urlaub der vergangenen zwei Jahre und etliche Überstunden abzufeiern hatte, war Osterdienstag sein letzter Arbeitstag. Theoretisch.

Noch kein Nachfolger

Praktisch kam er bis August noch ein, zwei Mal wöchentlich in der Dienststelle vorbei, galt es doch zusammen mit den Warsteiner Europafreunden das Städtepartnerschafts-Jubiläum zu koordinieren. „Und meine lieben Kolleginnen haben mir immer noch Arbeiten hingelegt, die gerade anfielen. Die habe ich mit abgearbeitet.“ Schließlich sei es nicht einfach, wenn man den Staffelstab nicht nahtlos an einen Nachfolger übergeben kann.

Auch daheim kann Heppekausen seinen Ruhestand nicht ungetrübt genießen. Immer wieder klingelt das Telefon, kommen Anfragen von Unternehmen oder aus dem Rathaus zu konzeptionellen Dingen. „Mein Job war ja sehr vielfältig, daher habe viele Kontakte – und das wissen die Leute und sprechen mich nach wie vor an. Ich verweigere mich nicht und bringe mich gern ein – aber ich mische nicht im Hintergrund mit.“

So hat er auch Vereinen und Verbänden, aber auch dem Kreis Soest und mehreren Unternehmen, die ihn um seine Mitarbeit ersucht haben, bisher einen Korb gegeben. „Ich möchte einfach erst einmal ein Jahr Abstand haben und nicht sofort irgendwelche Funktionen übernehmen. Eine Ausnahme sind die Warsteiner Europafreunde, wo ich weiter mitarbeite. Das macht einfach Spaß.“

Ebenfalls weiterhin als Moderator zu hören sein wird der ehemalige Stadtmarketing-Mann bei Brauertaufe und Brauerumzug. „Rüdiger Lopsien hat mich da vor 20 Jahren reingebracht, das hat inzwischen Tradition. Auch Catharina Cramer hat mich mehrfach gefragt, also mache ich hier weiter.“ Wie lange er dieser Veranstaltung noch seine Stimme leiht, hält Heppekausen offen. „Irgendwann ist die Stimme verbraucht, dann wollen einen die Leute nicht mehr hören. So etwas muss man merken.“

Wo er ansonsten noch tätig wird, möchte sich Heppekausen anschließend in Ruhe aussuchen. „Ich habe fast drei Jahrzehnte lang alle städtischen Großveranstaltungen gemanagt, so möchte ich nicht mehr unter Termindruck stehen“, betont Heppekausen. „Wenn ich zurückblicke, habe ich an keinem verlängerten Wochenende zusammenhängend frei gehabt. Ich möchte meine Zeit auch einmal genießen.“

Mehr den Hobbys widmen

Schon allein, weil Enkelkind Frieda den Opa ganz schön auf Trab hält. „Derzeit bin ich beweglich, auch mal nach Bochum zu meiner Familie zu fahren“, schwärmt Heppekausen mit glänzenden Augen. „Es ist einfach schön, die Kleine heranwachsen zu sehen.“

Aber auch seinen privaten Interessen will sich der Warsteiner mehr widmen. So haben mehrere Gäste seiner Abschiedsfeier eine schriftliche Ausführung seiner Rede erbeten, in der er seine Zeit in Warstein Revue passieren lässt. „Darin geht es auch um die großen Veranstaltungen der 80er und 90er Jahre – das waren die besten Jahre, die wir in Warstein hatten.“

Auch dem Fotografieren will sich Heppekausen weiter widmen – und dem Digitalisieren von Familienurlauben, die er damals auf Dias gebannt hat. Ebenfalls noch ordentlich Arbeit machen wird ihm seine Briefmarken-Sammlung, die derzeit noch in Kartons verpackt ist. „Und ich bin angefragt worden, ob ich noch mal einen Bildband über die Stadt Warstein machen würde. Die Zeit wäre wieder reif, aber da müsste die Stadt mit im Boot sein.“

Ebenfalls Zeit nehmen will sich Heppekausen für Reisen. „Ich bin gerne bei Freunden und Verwandten zu Gast, vor allem Potsdam hat es mir angetan.“ Heppekausen kommt ins Schwärmen. „Die große weite Welt brauche ich nicht mehr, aber die Partnerstädte spielen nach wie vor eine Rolle.“ Ebenfalls fasziniert ist Heppekausen von Israel. „Ich könnte mir gut vorstellen, als Volunteer in einem Kloster in Jerusalem so sechs Wochen im Jahr mitzuhelfen. Ich möchte da auf jeden Fall noch mal hin – Israel hat es mir einfach angetan.“