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Einkaufszentrum oder Kulturdreieck?

18.10.2007 | 23:38 Uhr

Lippstadt. Bedeutet das geplante Einkaufszentrum am Güterbahnhof in Lippstadt einen "Dolchstoß" für andere Läden, wie Kritiker es fürchten, oder eine Aufwertung als Schaufenster Westfalens, wie die Befürworter hoffen?

Beide Seiten trafen aufeinander. Die Aufmerksamkeit im Sparkassenforum war groß, wo Stadt, Investor HLG und die Bahnflächen-Entwicklungsgesellschaft ihre Pläne vorstellten. Dieses Konzept, bei dem unter anderem "Kaufland" und "Media Markt" in die Innenstadt kämen, verneint vornehmlich eine Bürgerinitiative namens "Lebendiges Lippstadt". Die Initiative möchte die Bürger und die Bedürfnisse der Wirtschaft gleichermaßen berücksichtigt sehen. Ihr Plan ist vom Grundsatz geleitet, erhaltenswerte Stadtsubstanzen nicht zu opfern und die Ansprüche an Gewerbe, Kultur, Soziales Leben und Verkehr bei der weiteren Entwicklung miteinander vereinen.

Den geplanten massiven Eingriff in das Stadtbild erklärte Bürgermeister Christof Sommer als Ergebnis eines Gutachtens, verbunden mit einem Werkstattverfahren. Der herrschenden Stagnation der Wirtschaft, ausgedrückt in Kaufkraftkennziffern, soll das Vorhaben am Güterbahnhof entgegenwirken. Lippstadt soll mit der Baumaßnahme zum "Schaufenster Westfalens" werden. Dafür soll der Bereich Bahnhofstraße, der "unschönste" der Stadt, geopfert werden. Dafür plant Architekt Matthias Pfeifer ein völlig neues Stadtbild mit Neubauten im begehrten Bereich: "Die Menschen wollen in so großen Häusern einkaufen", so Pfeifer. Das riesige Güterbahnhofsgelände, das immer die Rückseite der Stadt war, bietet sich nach seinen Plänen geradezu an. Jetzt gebe es "die historische Chance".

Diese Chance sieht die Bürgerinitiative nicht, auch sie kam zu Wort. Ihr Credo: "Die erhaltenswerte Stadtsubstanz darf nicht geopfert werden." In ihrem Entwurf setzt die Initiative auf Impulse von außen, diesen Bereich zu sanieren. Gemeint ist eine Auslösung von Investitionsbereitschaften. Außerdem, so diese Planer, käme es zu einer erheblichen Aufwertung der Blumenstraße. Die Attraktivitätssteigerung durch das "neue Kulturdreieck" Güterbahnhof werde neu geprägt.

Ihr Projekt sei schonend für die Altstadt, so die Investoren der HLG, weil diese nicht betroffen sei, sondern nur das Gelände am Güterbahnhof bis zum Südertor. 2000 Quadratmeter an neuer Einkaufsfläche würden nicht reichen. Stattdessen empfehle auch das Gutachten 8000 bis 14 000 zusätzliche Quadratmeter. Genau das soll seitens der Stadt realisiert werden: "Die Magneten liegen an der richtigen Stelle."

Doch zumindest ein großer Teil der Zuhörer, möchte den Bereich nicht für die Magneten Media-Markt und Marktkauf opfern. Für sie ist ein Künstlerviertel oder eine Mehrzweckhalle wünschenswerter. Die Bahnflächen-Entwicklungsgesellschaft rechnete allerdings vor, dass dann durch die zweispurige Straßenführung der neuen Bahnhofstraße acht Hochspannungsmasten der Bahn verlegt werden müssten. Kosten etwa zwei Millionen Euro.

Von Friedrich Vorsthoven

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