Eindringlicher Hilferuf der Helfer

Blutspende Rüthen, Blutspenderehrung.
Blutspende Rüthen, Blutspenderehrung.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
„Die Überzeugung zu helfen“ war für Michael Dusny (53) aus Rüthen Auslöser, mit 18 Jahren das erste Mal Blut zu spenden. Am Dienstagabend wurde er für seine 100. Spende geehrt.

Rüthen..  „Die Überzeugung zu helfen“ war für Michael Dusny (53) aus Rüthen Auslöser, mit 18 Jahren das erste Mal Blut zu spenden. Am Dienstagabend wurde er für seine 100. Spende geehrt. Gäbe es mehr wie ihn, die schon in jungen Jahren dieser gute Sache dienen, hätte Olaf Karger, 2. Vorsitzender des DRK-Ortsvereins Rüthen und zuständig für die Blutspendetermine, eine große Sorge weniger.

„Wir wissen uns nicht mehr zu helfen“, sagt Karger. Nur 194 Frauen und Männer waren dem Aufruf zum ersten Blutspendetermin des Jahres in die Stadthalle gefolgt. Hatte er zunächst gehofft, dass wenigstens die 200er-Marke gerissen würde, zerschlug sich diese Hoffnung am Ende. Zum Vergleich: Vor einem Jahr kamen noch 215 Blutspender. 2013 wurden noch 230, 2012 sogar 286 Blut-


spender gezählt. Galt sonst das Erreichen von 2000 Blutspenden bei allen Terminen in der Gesamtstadt als gutes Ergebnis, sei dies heute nicht mehr zu schaffen. 2013 wurden 1888 Spender registriert. Für 2014 liegt noch keine Zahl vor.

„Nicht mehr die Jüngsten“

Woran der Rückgang genau liegt, kann er sich nicht erklären, und dass die Bereitschaft zur Blutspende nicht nur in Rüthen und den Ortsteilen, sondern generell rückläufig ist, kann für ihn kein Trost sein. Es fehlt an Nachwuchs. „Viele unserer treuen Spender sind nicht mehr die Jüngsten“, bedauert Olaf Karger. Mit Erreichen des 73. Lebensjahres ist definitiv Schluss. Der demografische Wandel schlägt sich auch bei den Blutspenden nieder. Außerdem gibt es nicht mehr in früherem Ausmaß das Blutspenden als Familientradition.

„Wir sind bemüht, junge Leute zu bekommen“, sagt Olaf Karger trotzdem. Dass allerdings nur vier Erstspender Dienstag kamen, stimmt nicht unbedingt zuversichtlich. Von Werbeaktionen verspricht er sich aus Erfahrung wenig. „Die beste Werbung für einen neuen Spender ist ein alter Spender.“ Dass Menschen einfach so zu den Terminen kämen, sei eher selten.

Negativ ausgewirkt hat sich auf Spendenaufkommen und Bereitschaft Blut zu spenden das 2014 wirksam gewordene Zusammenstreichen von Terminen und Orten durch den zuständigen DRK-Blutspendedienst. Von zuvor 20 sind stadtweit noch 14 Termine übrig geblieben. Drewer (früher vier) entfiel ganz, in Rüthen wurden zwei Termine im Rotkreuzhaus gestrichen. Somit verbleiben sechs Spendegelegenheiten in Rüthen (vier Mal Stadthalle, zwei Mal Rotkreuzhaus) sowie je vier in Kallenhardt und Oestereiden.

Einige Spender äußerten am Dienstag auch ihren Unmut über lange Wartezeiten. Statt früher drei reisen nur noch zwei Teams an, was besonders beim Arztgespräch zu Warteschlangen führte. Dies war allerdings nur während der Stoßzeit am frühen Abend der Fall. Olaf Karger und DRK-Ortsvereinsvorsitzender Rolf Gockel baten dafür um Verständnis. „Unser Ziel sind zufriedene Blutspender“, so Karger. Sollte es dennoch Beschwerden geben, sollte diese über die kostenlose Hotline 0800-11 949 11 direkt an den Blutspendedienst gerichtet werden, riet Karger.

Umso mehr galt der Dank Gockels am Dienstagabend den Treusten der Treuen. Er ehrte neun Frauen und Männer, die es zusammen auf 675 Spenden bringen. „Sie haben sich unentgeltlich zur Verfügung gestellt für die, die es brauchen“, lobte Gockel. „Durch einen Unfall brauchte ich selbst Blut, danach habe ich angefangen zu spenden“, berichtete Hans-Hermann Marx. Der 68-jährige Rüthener ist einer von drei ausgezeichneten Hundertern. „Man muss bedenken, dass man irgendwann in die Situation kommen kann, dass man selbst Blut braucht“, erklärt der dritte Hunderter, Johannes Plate (52) aus Meiste.

Durchschnittsalter fast bei 80

Doch das DRK in Rüthen braucht nicht nur neue Blutspender, es braucht auch Helfer, die diese anschließend als kleines Dankeschön bewirten. Sie decken die Tische ein, schänken Kaffee aus, sind Ansprechpartner. „Davon bräuchten wir mehr, auch wenn es nur für zwei, drei Einsätze im Jahr wäre“, wünscht sich Olaf Karger. Das derzeitige Team werde schließlich nicht jünger. „Das Durchschnittsalter geht auf die 80 zu!“