Ein Ort mit Vergangenheit, aber Zweifeln an der Zukunft

Den besten Blick über das Stadtgebiet und darüber hinaus gibt es von der Alten Kirche aus. Für Hans Bräker immer einen Spaziergang wert.
Den besten Blick über das Stadtgebiet und darüber hinaus gibt es von der Alten Kirche aus. Für Hans Bräker immer einen Spaziergang wert.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Historisch hat der Stadtkern eine ganze Menge zu bieten. Geht es ums Einkaufen, zieht es die Menschen aber doch woanders hin.

Warstein..  Der Ortskern war schon immer Warstein und freute sich vor 40 Jahren, bei der kommunalen Neugliederung, über einen Sprung in der Bevölkerungsentwicklung: Von einem Tag auf den anderen hatte sich die Anzahl der zur Stadt Warstein gehörigen Menschen verzweieinhalbfacht.

Dem Hauptort kommt aber in seiner Funktion als Zentrum der Macht in vielen Aspekten eine Sonderrolle zu. Da es schon vor hunderten von Jahren hier die meisten Menschen gab – im Vergleich mit den anderen Ortsteilen – kann besonders viel Historisches besichtigt werden. Das Kulturerbe des Ortsteils ist umfangreich. Gut also, wenn man jemanden dabei hat, der sich bestens auskennt und der einiges über die Historie zu berichten weiß.

In diesem Falle ist Hans Bräker ein vortrefflicher Ansprechpartner. Der 75-jährige gebürtige Warsteiner ist seit 2002 als Stadtführer im Ortsteil Warstein aktiv und zeigt Touristen vor allem die historisch relevantesten Punkte des Stadtkerns. Früher, als die Stadtführer noch zu fünft waren, gab es viel mehr Touren durch den Hauptort. Heutzutage führt Hans Bräker nur noch auf Nachfrage – etwa fünf Mal pro Jahr käme das vor.

Riesiges Bauwerk

Bräkers Interessens-Schwerpunkte sind geschichtsträchtige Orte, vor allem Kirchen. „Mein Vater sagte früher immer: Du wist mal Pastor“, erzählt Bräker. Er war sich aber immer sicher, dass es nur bei dem Hobby bleibt. Und so zeigt er zwei sehr unterschiedliche Gotteshäuser, die ihm in Warstein besonders wichtig sind. Da wäre zum einen die neugotische Pankratius-Kirche direkt am Marktplatz, die Mitte des 19. Jahrhunderts erbaut wurde. „Damals lebten in etwa 2500 Menschen in Warstein. Das muss man in Relation setzen mit diesem riesigen Bauwerk“, erklärt er sichtlich beeindruckt.

Vor dem Riesen-Bauwerk steht der Marktbrunnen auf dessen Wappen die Ortsteile in Form von eingemeißelten Punkten in den Stein geschlagen sind. Acht Punkte, einer für jeden Ortsteil. Das ist kein Fehler, denn „Niederbergheim kam erst später durch die Trennung von Allagen dazu“, klärt er auf.

Dann geht es weiter zum wortwörtlichen Höhepunkt der Ortsteilführung. Denn ein gutes Stück kleiner, dafür äußerst prominent hoch oben auf dem Stadtberg thronend steht die sogenannte „Alte Kirche“. Es ist einer der Lieblingsorte von Hans Bräker. „Von hier hat man einen fantastischen Rundblick und zudem ist es ein sehr geschichtsträchtiger Ort“, weiß er den Bau aus dem 13. Jahrhundert zu schätzen.

Da er selbst nicht weit entfernt wohnt, ist der Weg zur Alten Kirche immer ein schöner Abendspaziergang. Eine interessante Anekdote zu diesem Plätzchen: Früher hat auch das alte Rathaus auf dem Stadtberg gestanden. „Würde man hier graben, dann würde man bestimmt noch Überreste davon finden“, weckt er den Hobby-Archäologen im Zuhörer.

Selbstständigkeit verloren

Bräker war 35 Jahre alt, als die Ortsteile 1975 bei der kommunalen Neugliederung zu einer Stadt zusammengefasst wurden. Doch der Zusammenschluss spielte keine große Rolle für ihn: „Auf mich persönlich hatte die Neugliederung keinen Einfluss“, erinnert er sich.

Allerdings kann er nachvollziehen, dass der Einfluss auf die anderen Ortsteile wesentlich größer gewesen sein muss. „Ich kann mir schon vorstellen, dass die Neugliederung nicht jedem gefallen hat. Schließlich verloren die Ortsteile dadurch etwas von ihrer Selbstständigkeit.“ Auch, dass Warstein immer ein wenig bevorzugt wird, ist nicht an ihm vorbeigegangen: „Die eigenständigen Orte hatten alles. Nach der Neugliederung wurde einiges geschlossen. Da ist eine gewisse Unzufriedenheit bei der Bevölkerung verständlich.“

Eine Generationensache

Bräker selbst hat sein ganzes Leben in Warstein verbracht. Wegziehen ist für den Ur-Warsteiner nie eine Option gewesen – die Gründe dafür sind vielschichtig. „Das mit dem Wegziehen ist eine Generationensache. Früher haben wir noch nicht einmal darüber nachgedacht“, erläutert er die Gegebenheiten. Doch bei aller Treue gibt der Kernwarsteiner ein paar Bierfremdgänge zu: „Andere können auch Bier brauen.“

Auch wenn er gerne in Warstein lebt und mehr an den geschichtlichen als an den politischen Belangen interessiert ist, gehen offenkundige Mängel natürlich nicht an ihm vorüber. „Es geht hier manchmal nicht richtig vorwärts“, beklagt Bräker und findet vor allem Lob für die anderen: „Da ist uns der eine oder andere Ortsteil ein Stück voraus.“

Eine Sache, die ihm an Warstein gar nicht zusagt ist der Stadtkern mit seinem limitierten Ambiente: „Der Innenstadt fehlt es einfach an Flair. Zum Einkaufen fährt man dann doch in eine andere Stadt.“

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