Ein Lächeln für ganz besondere Gäste

Margret Weber-Laumann (57) aus Suttrop arbeitet mit Demenzkranken in der Tagespflege der Caritas in Belecke.
Margret Weber-Laumann (57) aus Suttrop arbeitet mit Demenzkranken in der Tagespflege der Caritas in Belecke.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Margret Weber-Laumann ist ein fröhlicher Mensch. „Was essen Sie denn gerne zum Nachtisch?“, fragt die 57-Jährige in die Runde. Selbst bei dieser so simplen Frage strahlen ihre Augen, ihr Lächeln ist offen. Und „die Runde“ reagiert sofort: „Pudding“, „Quark“, „Eis“ kommen die Antworten. Die Gäste der Tagespflege „Atempause“ in Belecke kennen und schätzen Margret Weber-Laumann.

Belecke.. Die Suttroperin arbeitet als speziell ausgebildete Demenz-Pflegerin in der Tagespflege. „Es ist eine sehr schöne, kreative Arbeit“, sagt Margret Weber-Laumann über ihren Alltag. Wobei: So etwas wie „Alltag“ gibt es für sie nicht wirklich. Jeden Tag kommen neue Gäste in die Tagespflege; damit wechselt auch die Zusammensetzung der Gruppe immer wieder. Anderthalb Stunden jeden Tag verbringt sie mit „ihren“ Gästen – alles ältere Menschen, die in der Tagespflege Abwechslung vom Alltag finden. Viele von ihnen sind dement. Margret Weber Laumann weiß, wie sie die Senioren begeistern kann: „Da gibt es ganz viel: Bewegungsspiele mit dem Schwungtuch, Sitzgymnastik oder auch Bälle. Sobald Bälle ins Spiel kommen, werden sie wie die Kinder“, erzählt die 57-Jährige.

Doch nicht nur Bewegung steht bei ihr auf dem Programm: Jeder Morgen startet mit einer kleinen Zeitungsrunde, in der Margret Weber-Laumann verschiedene Artikel aus der lokalen Tageszeitung vorliest. „Bei den Frauen kam alles rund um die Queen richtig gut an“, erinnert sich Margret Weber-Laumann schmunzelnd an die Nachrichten über den Besuch der englischen Königin.

Wenn es um Sprache geht, hat sie etwas Interessantes beobachtet: „Sprichwörter können demente Menschen bis zuletzt behalten.“ Mühelos ergänzen die Gäste klassische Bauernregeln, die sie einst als Kinder lernten. Nur wenige Minuten später kann es jedoch sein, dass einer von ihnen den Weg zum Gruppenraum, den er nur eine halbe Stunde zuvor ging, wieder vergessen hat. „Das ist typisch für Demenz-Erkrankte“, weiß Margret Weber-Laumann, „Sprichwörter und Lieder aus der Kindheit sind im Gehirn verankert.“ Aus genau diesem Grund stehen in ihrem Raum auch eine alte Brotschneidemaschine, eine Kaffeemühle und ein alter Fotoapparat.

Kindheitserinnerungen bleiben

„Die Gäste kennen diese Gegenstände aus ihrer Jugend, das ist schön zu sehen, wenn sie sich erinnern.“ Wie die alte Dame, die beim Zubereiten des Kartoffelsalats für die Grillparty unvermittelt zum Hümmelken griff und anfing, Kartoffeln sorgfältig in kleine Stückchen zu schneiden – obwohl sie sonst in sich selbst verschlossen zu sein scheint. Es sind diese Momente, die Margret Weber-Laumann schätzt, die für sie ihre Arbeit mehr zu einer Berufung als zu einem Beruf machen. „Viele sagen, dass sie so etwas nicht könnten, mit alten und dementen Menschen zu arbeiten. Natürlich muss es einem liegen, das stimmt. Ich zumindest bereue es überhaupt nicht, mich für diesen Weg entschieden zu haben“, meint die Suttroperin.

Auf Umwegen zur Pflegerin

Eigentlich war ihr Weg erst ein ganz anderer: Als Ernährungswissenschaftlerin arbeitete sie zwar fünf Jahre in einem Seniorenheim, ließ sich dann aber zur Augenoptikerin ausbilden. Bis sie eines Tages eher zufällig im Internet auf die Möglichkeit zur Ausbildung als Demenz-Pflegerin stieß. „Das klang für mich richtig gut“, erinnert sie sich, „und dann ging es ganz schnell: Der nächste Kursus fing schon in drei Wochen an.“ Margret Weber Laumann organisierte sich ein Praktikum, informierte ihr Umfeld – und schon ging es los. In einem Seniorenheim in Völlinghausen arbeitete sie anschließend zunächst in der Einzelbetreuung; seit November 2014 ist sie im Team der Tagespflege in Belecke aktiv. Und hat schon weitere Pläne: „Ich habe mich als Klangexpertin Demenz weitergebildet, das möchte ich gerne mit meinen Gästen mal ausprobieren.“ Wer Margret Weber-Laumann davon erzählen hört, der dürfte sicher sein: Das wird eine fröhliche Angelegenheit.