Ein „Haus voller sprechender Hinweise und Geheimnisse“

Wurde 125 Jahre alt: Die Kreuzbergkapelle.
Wurde 125 Jahre alt: Die Kreuzbergkapelle.
Foto: Elisa Sobkowiak
Was wir bereits wissen
Zum 125-jährigen Jubiläum der Kreuzbergkapelle kamen zahlreiche Gläubige. Sie feierten - erst Gottesdienst, dann in großer Runde.

Sichtigvor..  Ein einmaliges Fleckchen Erde – das ist es wirklich, der Kalvarienberg mitsamt der Kreuzbergkapelle, die im Jahr 1890 erbaut wurde. „Im Zeitraffer sind es wir Menschen, die diesen Ort im Laufe der Jahrzehnte immer lebendiger gemacht haben“, verdeutlichte auch Pastor Josef Sauerwald in seiner Messe anlässlich des Jubiläums.

So beispielsweise an Feiertagen: ob Pfingsten, Dreifaltigkeit oder Fronleichnam - machten sich die Sichtigvorer in diesem Jahr auf zum Loermund, wurden sie bisher stets von Sonnenschein begleitet, so der Pastor. Wie konnte es also am Samstag Nachmittag auch anders sein, als sich das amtierende Königspaar Markus und Nathalie Cramer, das Tambourkorps Sichtigvor unter Leitung von Tambourmajor Denis Scheffler, der Musikverein Sichtigvor unter Leitung von Harald Thranberend, der MGV Cäcilia Allagen mitsamt Chorleiter Martin Krömer und selbstredend die Schützenbruderschaft St. Georg auf den Weg von Haus Teiplaß hoch auf den Kalvarienberg machten. Doch nicht nur durch Feiertage bleibe die Kreuzbergkapelle lebendig, auch durch Gottesdienste aller Größenordnungen, wie etwa Schüler- oder Hochzeitsgottesdienste und durch die stetig anfallenden Reparaturen, wie erst im vergangenen Jahr die dringend erforderliche Erneuerung der Fugen.

Gottesdienst in der Natur

Ein Großteil der Umzugsteilnehmer konnte in diesem Zuge auch den Kreuzweg gehen, dessen Bestehen sich mit dem der Kreuzbergkapelle jährt – vor nun 150 Jahren wurde dieser angelegt. An einzelnen Stationen zeige dieser Bilder, die an die Grausamkeiten erinnern, die Menschen ihren Mitmenschen antun, erinnere aber auch an diejenigen, die sich für andere einsetzen, lud der Pastor ein, sich einmal näher mit den Bildern zu beschäftigen. 170 Jahre dagegen besteht der Kalvarienberg.

Open-air konnten die Sichtigvorer, nachdem sie den Loermund erklommen hatten, auf dem Vorplatz der Kapelle inmitten der Natur den Gottesdienst verfolgen, der von Musikverein und Männerchor musikalisch untermalt wurde. „Ein Dank geht an alle, die dem Glauben durch diesen Ort ein Gesicht gegeben haben“, hob Pastor Sauerwald vor allem die Kapellenkommission und die vielen fleißigen Hände hervor, die etwa durch Spenden persönliche Opfer gebracht haben, um die Kreuzbergkapelle in gutem Zustand zu halten und zu bewahren. Und auch dem Architekten und den Bauarbeitern sei es zu verdanken, dass die Kapelle von besonderen Details ausgezeichnet sei, wie etwa dem Bild über der Eingangstür, das Jesus als Hirten, der über seine Schafe wacht, darstellt.

Als einen Ort, der „Himmel und Erde vereint“, beschrieb Sauerwald weiter die Besonderheiten des Kalvarienberges samt der Kapelle und schwelgte in Erinnerungen, als er als neu ernannter Pfarrer vor 25 Jahren, anlässlich des 100-jährigen Kapellenjubiläums, erstmalig den Berg erklomm – öfters solle man sich die Zeit nehmen, um hier herauf zu kommen, den Ausblick auf das Möhnetal genießen und das „Haus voller sprechender Hinweise und Geheimnisse“ bewundern.

Am Fuße des Berges setzten sich die Jubiläumsfeierlichkeiten auf dem ehemaligen Betriebshof fort: Markus Quente, Vorsitzender der Kapellenkommission, begrüßte die Sichtigvorer zu einem ausgelassen Fest, bei dem eine Ausstellung den Mittelpunkt bildete: Zeitungsaussschnitte, Bilder, alles, was in 125 Jahren Kreuzbergkapelle an und um das kleine Gotteshaus geschah, war zu einer Art Collage zusammengetragen worden – wie viel Arbeit und Einsatz in dem beeindruckenden Bauwerk auf dem Loermund steckt, wurde somit erst recht deutlich.

Bereits zahlreiche Reparaturen

Lang war auch die verlesene Liste, auf der aufgeführt wurde, wie viele Reparaturen bereits geleistet wurden – dass sich die finanziellen Mittel dafür nicht von alleine beschaffen lassen, dürfte klar sein: „Ohne die großzügige Spendenbereitschaft, ohne unsere „Kapellenfreunde“, wäre das alles nicht möglich gewesen und die Kapelle wäre heute nicht in diesem vorzeigbaren Zustand“, dankte Quente auch den Sichtigvorern für ihre Unterstützung gegenüber der Kapellenkommission.

Zum Preis von vier Euro konnten die Gäste außerdem die 50-seitige Festschrift, in der Ortsheimatpfleger Wilhelm Hecker alles zur Geschichte der Kreuzbergkapelle erarbeitet hat, erwerben. Dieser ließ es sich nicht nehmen, die Jubiläumsschrift vorzustellen und einen kleinen Eindruck zu vermitteln, wie beschwerlich alleine der Bau der Kapelle war. „Auch die Arbeit der Kommission habe ich in dem Heft gebührend festgehalten“, wusste auch Hecker die ehrenamtliche Arbeit zu schätzen. Warum es nach Anlage des Kreuzweges noch 25 Jahre dauerte, bis die Kapelle errichtet werden konnte, und wie das Material auf den Berg geschafft wurde, erklärte Hecker den Jubiläumsgästen.

Gemütlich ließen die Sichtigvorer die Festlichkeiten bei Begegnungen im Festzelt, kühlen Getränken und Würstchen ausklingen – dass die Kapelle in Gemeinschaftsarbeit der Bürger entstanden und dies noch lange im Bewusstsein der Menschen geblieben ist, wurde an der ausgelassenen Stimmung auf dem Festplatz deutlich.