Ein Hauch von „Savoir-vivre“ in Belecke

Pressesprecher Jörg Malzon-Jessen (links) im Gespräch mit Charles Rimbert-Riviere (rechts.
Pressesprecher Jörg Malzon-Jessen (links) im Gespräch mit Charles Rimbert-Riviere (rechts.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Wenn Charles Rimbert-Riviere gefragt wird, wie es dazu kam, dass er in Belecke arbeitet, dann antwortet der Franzose: „Das liegt an meiner Frau.“ Wer dann die fast schon klassische deutsch-französische Liebesgeschichte erwartet, der liegt falsch.

Belecke.. „Meine Frau ist ebenfalls Französin. Weil sie den Job bei Infineon hatte, bin ich hierhin gezogen“, erklärt der sympathische 28-Jährige. Die beiden sind Teil der „french connection“ bei Infineon; inmitten eines international bunt gemischten Teams haben sich Charles und Elise perfekt eingefunden.

Seit zweieinhalb Jahren arbeitet auch Charles bei Infineon – und dabei oft Seite an Seite mit seiner Frau. „Das habe ich nie erwartet, dass es mal so kommen würde und wir in derselben Firma arbeiten“, erzählt er in perfektem Deutsch. Dass er ins Ausland wollte, das stand jedoch irgendwie schon früh fest. Als erste Fremdsprache lernte der damals zehnjährige Charles Deutsch. „Ich dachte mir, wenn ich mit Deutsch anfange, einer so schwierig zu lernenden Sprache, dann kann das vielleicht später mal den entscheidenden Unterschied machen.“

Das tat es: Noch während des Studiums der Materialwissenschaften in Frankreich zog es ihn nach Berlin, ein weiteres Auslandssemester verbrachte er in Oslo. Gleich danach ging es für ihn nach Schottland, in Edinburgh bekam er seinen ersten Arbeitsvertrag. „Der war jedoch nur befristet“, erzählt Charles, „eine wirkliche Perspektive hatte ich da nicht.“ Seine Frau war in der Zwischenzeit bei Infineon gelandet, schrieb ihre Diplomarbeit in Belecke. „Wir haben uns gesagt: Sobald der Erste von uns eine Arbeitsstelle mit Perspektive gefunden hat, folgt der andere ihm dorthin“; erklärt Charles, wie er nach Belecke kam.

Eben doch der Liebe wegen: „Wir hatten zu dem Zeitpunkt schon so lange eine Fernbeziehung geführt, da wurde es Zeit, dass wir an einem Ort leben.“ Die Wahl fiel auf Soest – weil Charles einen Bahnhof in der Stadt haben wollte, um zur Not schnell nach Hamm oder Dortmund zu gelangen. „Ich wusste ja noch nicht, ob und wo ich einen Job finde.“ Dann fand er ihn ausgerechnet bei Infineon, dem Unternehmen, wo seine Frau mittlerweile fest angestellt war. Als Leiharbeiter in der Entwicklung fing er an, mittlerweile ist er fest angestellt im Team Materialwissenschaft.

Beim Essen ist die Arbeit kein Thema

Und seine Frau? Die arbeitet im Qualitätsmanagement nur ein paar Stockwerke entfernt. „Es gibt immer wieder Berührungspunkte, aber größtenteils arbeitet jeder in seiner Abteilung.“ Beim Abendessen sprechen die beiden nicht über die Arbeit – was wohl auch daran liegt, dass Franzosen das Essen als solches mehr genießen als Deutsche. „Das ist schon so ein kleiner Unterschied, den ich festgestellt habe: Hier in Deutschland ist das Essen funktionell, da muss es schnell gehen, das wird abgehakt genau wie ein Termin oder ein Auftrag. Das merke ich, wenn ich mit deutschen Kollegen in die Kantine gehe. Franzosen hingegen können sich auch nur ein Sandwich nehmen und trotzdem eine Dreiviertelstunde zusammen sitzen.“

Seine Familie lebt größtenteils in Paris, manchmal fragen sie: Wann kommt ihr zurück? Charles lächelt, überlegt: „Irgendwie kann ich mir das im Moment nicht vorstellen, wieder in Frankreich zu arbeiten. Ich glaube, das würde sich komisch anfühlen, nur noch Französisch zu sprechen. Hier muss ich jederzeit zwischen Englisch und Deutsch wechseln, wenn ich mit meinen Kollegen rede. Das fordert mich und das mag ich.“

Und die Ruhe beim Essen, die kann er seinen Kollegen ja noch beibringen.