Ein Gestalter mit Blick nach vorne

Warstein..  Als Stadtdirektor lenkte Clemens Werner mehrere Jahre lang die Geschicke Warsteins. Mittlerweile arbeitet der 73-jährige als Anwalt. Ursprünglich war er nämlich Jurist. Wie er von da aus seinen Weg in die Politik fand und wie sich sein Leben danach verändert hat, erzählt er im Interview mit der WP.

Herr Werner, werden Sie öfter gefragt, ob Sie nicht noch mal als Bürgermeister antreten wollen?

Clemens Werner: Es kommt schon mal vor, dass Menschen fragen, ob man das von damals nicht wiederholen könne. Wenn ich den Menschen helfen kann, tu’ ich es gerne. Aber man muss es auch mal gut sein lassen.

Wie kam es, dass Sie damals Stadtdirektor wurden und nicht direkt Anwalt?

Es hat mich schon immer interessiert, zu gestalten. Früher war ich Richter am Verwaltungsgericht in Arnsberg. Aber als Richter können Sie keine Welten bewegen. Deshalb wollte ich in die Verwaltung. In Lüdenscheid war ich zum Beispiel für die Stadtsanierung zuständig und konnte am Stadtbild mitwirken. Später wurde eine Stelle als Stadtdirektor in Warstein frei.

Da haben Sie nicht lang gezögert.

Warstein war damals im Aufbruch und wollte ein zukunftsorientiertes Gemeinbild schaffen, ohne dabei die Vielfalt der einzelnen Ortschaften zu zerstören. Ich denke, das ist uns gelungen – und es war hochinteressant, die Dinge gestalten zu können.

Ihre Expertise als Jurist war Ihnen dabei sicher hilfreich.

Die Arbeit einer Verwaltung geht nach dem Gesetz. Rechtliche Kenntnis ist da unabdingbar, gerade in Führungspositionen. Das ist der Schlüssel zum Erfolg. Heute braucht man als Bürgermeister keine juristischen Kenntnisse mehr. Das halte ich für unglücklich.

Welche Eigenschaften eines Stadtdirektors nützen Ihnen denn bei ihrer heutigen Tätigkeit?

Als Stadtdirektor hat man Sachkenntnis und weiß, worüber man redet. Man weiß, wer was regelt und wen man ansprechen muss. Das kann ich auch heute noch gut einbringen.

1999 gaben Sie das Amt ab und erhielten ihre Zulassung als Anwalt. Wie hat sich ihr Leben danach verändert? Ist es entspannter geworden?

Ja, man ist nicht mehr so termingebunden. Heute habe ich das Wochenende zur Verfügung und kann meine Arbeitszeit selbst einteilen. Der Freiraum ist einfach größer.

Gibt es Dinge, die Sie damals vermisst haben?

Als Anwalt oder Richter haben sie keine Gestaltungsmöglichkeiten und sind quasi Einzelkämpfer. Da haben Sie keinen Staat wie als Stadtdirektor.

Was haben Sie denn nicht vermisst?

Das war ja der Witz. Ich war gerne Stadtdirektor. Damals in der Schule fragte mich der Schulleiter, was ich später mal werden wolle. Stadtdirektor, hab’ ich geantwortet. Da war ich 19.

Aber kandidieren wollen Sie ja nicht mehr. Was steht denn in Zukunft noch an?

Ich will ein bisschen die Alterszeit genießen und mit meiner Familie erleben. Ich koche zum Beispiel gerne. Das werde ich in Zukunft öfter machen.