Eigener Hund als Vorbild für „Herr Lupus“

Hat ein Buch geschrieben und sich dabei von Hund Söckchen inspirieren lassen: Hundepsychologin Jutta Neuschäfer.
Hat ein Buch geschrieben und sich dabei von Hund Söckchen inspirieren lassen: Hundepsychologin Jutta Neuschäfer.
Foto: WP

Sichtigvor..  Vertrauensvoll schmiegt sich Söckchen an sein Frauchen Jutta Neuschäfer, legt vorsichtig seinen Kopf auf ihr Knie und schaut sie mit treuem Blick an. Ein Blick, aus dem Liebe spricht. Aber auch ein Blick, der inspiriert. Die Hundepsychologin hat nämlich ein Kinderbuch geschrieben, in dessen Mittelpunkt ein kleiner Hund aus Griechenland steht: „Herr Lupus – Vom großen Glück eines kleinen Straßenhundes“. Vorbild für die Figur des Herrn Lupus war Söckchen.

Den Impuls zum Schreiben eines Kinderbuches über „treue Freunde mit Fell und Gefühlen“ gab ein Projekt im Kindergarten Lippkamp, bei dem die Hundepsychologin einer Gruppe Kinder vermittelte, wie man mit einem Hund umgeht, den man nicht kennt. Mit zwei Handpuppen, Wolf und Hund, besuchte sie die Kinder mehrfach. „Ich habe bei diesem Projekt festgestellt, wie interessiert die Kinder sind, wenn man von Hunden erzählt.“

Von eigenen Ideen erstaunt

Aus diesen Erfahrungen und ihrer Mitarbeit in einer Projektgruppe ihres Berufsverbandes wurde die Idee zum Kinderbuch geboren. „Mir kam die Idee eine Geschichte zu schreiben, in der man die Anleitungen, wie man mit einem Hund umgeht integriert – also, dass man ihn nicht anstarren soll, dass jeder Hund anders ist und somit anders reagiert und dass man möglichst nicht ohne Aufsicht mit Hunden spielen sollte.“ Selbst ein Buch zu schreiben, traute sie sich zunächst nicht zu, fragte daher erst bei ihrer Nachbarin Andrea Hundsdorfer an, die sie animierte, das kreative Schreiben einfach zu versuchen.

„Also habe ich mich hingesetzt und hatte sofort Ideen, ich war selbst überrascht.“ Im Mai hatte sie angefangen zu schreiben, im September war sie fertig. „Immer, wenn mir ein Gedanke kam, habe ich ihn schnell auf einen Zettel geschrieben, damit ich ihn nicht vergesse. Das Gerüst waren dabei die Umgangsformeln.“

Aus der Sicht von Herrn Lupus, dem Hund, hat Jutta Neuschäfer eine Geschichte für Fünf- bis Achtjährige gebastelt über den respektvollen und gewaltfreien Umgang mit Hunden und die Gefühle und Ängste, die Hunde durchaus haben können. Herr Lupus, ein zweijähriger Straßenhund aus Griechenland, kommt in eine deutsche Familie und lernt hier einiges Neues kennen, wie eine Leine oder ein Brustgeschirr. Miss Möppy, seine große Ziehschwester, erklärt ihm einiges, wenn Herr Lupus mal wieder Fragezeichen in den Augen hat. „Sie ist die Oberschlaue und er orientiert sich an ihr, weil sie über alles Bescheid weiß“, erläutert Jutta Neuschäfer.

„Ich hatte die Idee, aus Sicht des Hundes zu schreiben, weil sich Kinder eher darauf einlassen können“, erklärt die Hundepsychologin. „Wenn sie so erfahren, dass sich auch ein Hund bedroht fühlt und Ängste hat, können sie sich besser in das Tier hinein versetzen und verstehen besser, warum man manche Dinge nicht tun sollte – beispielsweise vor Hunden weglaufen.“

Nicht vor Hunden weglaufen

So gibt es eine Szene im Buch, bei der die Kinder beim Kindergeburtstag mit Seifenblasen spielen. Miss Möppy will die Seifenblasen fangen, doch ein Kind denkt, der Hund wolle hinter ihr herlaufen und rennt los. „Viele Hunde verstehen das als Spielaufforderung oder der Jagdtrieb wird geweckt“, erläutert die Sichtigvorerin. In einem weiteren Kapitel lernen die kleinen Leser, dass man nie dazwischen gehen sollte, wenn Hunde raufen, „weil ein Hund selbst sein Herrchen beißen könnte. Das ist eben gefährlich.“

Nicht nur um Regeln und Umgangsformen geht es bei „Herr Lupus“, schließlich wollte sie nicht mit erhobenem Zeigefinger Wissen vermitteln, sondern Kindern zeigen, sich sensibel in einen Hund einzufühlen. Es ist auch ein bisschen Abenteuer dabei und die Geschichte über den Straßenhund selbst, der etwa lernt, seine Angst vor Wasser zu überwinden. „So lernen auch die Kinder, dass es gar nicht so schlimm ist, gegen seine Ängste anzukämpfen.“

Glossar mit Begriffserklärungen

Neben der Geschichte hat Jutta Neuschäfer Rezepte für Hunde-Leckerlis und ein Glossar mit Begriffserklärungen, wie etwa Lefzen, Fiepen und Markieren, angehängt. Entstanden ist so ein sensibel geschriebenes Buch, das auch durch liebevolle Zeichnungen besticht.

Die stammen allerdings nicht von Jutta Neuschäfer. „Da ich nicht so gut zeichnen kann, war guter Rat teuer. Wo kriegt man jemanden her, der entsprechende Zeichnungen macht?“ Zwar gibt es viele professionelle Kinderbuch-Illustratoren, doch suchte die Sichtigvorerin jemanden, der selbst Hunde hat und sich daher mit der Körpersprache des Tieres auskennt. Im Internet wurde sie bei Caterina Schell fündig, schickte ihr das Manuskript, sprach mit ihr ab, welche Szenen bildlich dargestellt werden sollten.

Vielleicht wird sie mit der Illustratorin ja auch bei ihrem zweiten Buch zusammenarbeiten, denn mit diesem hat Jutta Neuschäfer begonnen, kaum dass das erste Buch fertig war. „Das habe ich auch schon fast fertig. Dabei geht es allerdings nicht so sehr um die Regeln im Umgang mit Hunden, sondern das Leben in der Familie, wenn die Hunde erwachsener werden.“ So hat sie Tipps für Lern- und Schnüffelspiele. „Ich habe schon festgestellt, dass es noch so unglaublich viel gibt, was ich schreiben könnte.“