Ehrenvorsitz für neuen „freien Mitarbeiter“

Der Heimatverein Suttrop
Der Heimatverein Suttrop
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Was wir bereits wissen
Die Überraschung in der Generalversammlung des Heimatvereins Suttrop lieferte diesmal der Punkt „Verschiedenes“. Es gab da nämlich einen Antrag...

Suttrop..  Der Punkt „Verschiedenes“ auf der Tagesordnung ist bei den meisten Versammlungen schnell abgehandelt – oder sorgt für Überraschungen. So geschehen am Dienstagabend auf der Generalversammlung des Heimatvereins Suttrop. „Ich frage dann immer, ob noch was ist, aber da kommt nie etwas“ – diese Erfahrungen hatte Albert Weber als Vorsitzender bisher mit diesem Tagesordnungspunkt gemacht. Am Dienstag kam aber etwas: „Es ist ein Antrag eingegangen, dich zum Ehrenvorsitzenden und Gisela zum Ehrenmitglied zu ernennen“, informierte Ansgar Knülle seinen Vorgänger, dessen Amt er keine halbe Stunde zuvor übernommen hatte. Was dann folgte, dürfte auch für so manchen im Saal eine Überraschung gewesen sein: Albert Weber war einen Moment lang sprachlos.

Über zwölf Jahre stand der 74-Jährige dem Heimatverein vor, Dienstagabend zog er einen Schlussstrich – aber nur als Vorstandsmitglied, wie er betonte. „Ich bleibe freier Mitarbeiter!“, versprach Weber nach einem wahren Wahlmarathon, der Ansgar Knülle an die Spitze des Vereins brachte. „Mit ihm haben wir einen fähigen Mann, das war mir wichtig“, lobte Weber seinen Nachfolger, der bisher als 2. Vorsitzender an seiner Seite agierte.

Wie wichtig Albert Weber für die Entwicklungen des Heimatvereins ist, das stellte Ortsheimatpfleger Berni Meyer in seiner Laudatio auf den neuen Ehrenvorsitzenden heraus: „Du hast unseren Verein zu einem bedeutenden Verein gemacht und Hervorragendes geleistet. Mittlerweile ist Suttrop auch über seine Ortsgrenzen hinaus bekannt, das ist auch dein Verdienst.“ Meyer ließ es sich nicht nehmen, eine Anekdote aus seinen gemeinsamen Aktivitäten mit Albert Weber zu erzählen: „Als wir die Fliesen für den Kalkofen gesucht haben, hast du erst eine Stunde lang mit dem Geschäftsführer der Firma hart verhandelt und ihm dargestellt, wie arm unser Verein doch sei und er deswegen den Preis für die Fliesen drücken müsse. Dann hast eine weitere Stunde auf ihn eingeredet, um die Steinloren zu bekommen, die wir bei unserer Ankunft auf dem Firmengelände entdeckt haben“, erinnerte sich Berni Meyer, „und das Endergebnis: Der arme Mann sagte irgendwann: ‘Haut ab und nehmt die Loren mit!’“

Für ihn sei diese Begebenheit sinnbildlich für das, was Albert Webers Art ausmache, so Meyer: „Bei dir kann niemand Nein sagen.“ Fröhlicher Applaus der an die 100 Mitglieder im Saal bestätigte dies. Doch Albert Weber wollte so viel Lob nicht auf sich sitzen lassen: „Ich betone es gerne immer wieder: Das, was wir im Heimatverein in den vergangenen Jahren geleistet haben, das geschah immer im Team. Das war ein Gemeinschaftswerk.“

Ideen ohne Ende

Besonders hob Weber hier jene Frau hervor, die an diesem Abend ebenfalls ihr Amt als Schriftführerin und Geschäftsführerin aufgab: Gisela Jütte. „Wir haben zwei Gemeinsamkeiten, die unsere Arbeit immer geprägt haben“, so Weber, „wir haben beide Ideen ohne Ende und wir geben beide nicht schnell auf.“ Gisela Jütte habe die Aktivitäten des Vereins vielfältig bereichert: So habe sie nicht nur die Regionale 2013 zum Kalkofen geholt und tolle Vereinsfahrten organisiert, sondern auch nahezu allen Frauen der Frauengruppe das Kränze binden beigebracht – ein heute nicht mehr wegzudenkender Bestandteil der Rituale rund um den Kalkofen. Die Fahrten wird sie auch künftig organisieren, die nächste ist bereits geplant: Im Juni geht es nach Rheda-Wiedenbrück.

Die scheidende Geschäftsführerin nutzte ihre Dankesworte für ein Plädoyer für das Ehrenamt: „Ich kann nur jedem raten, sich ehrenamtlich zu engagieren. Man profitiert selbst ungemein davon. Es tut gut, auch nach der Rente noch aktiv zu sein und sich für die Gesellschaft einzusetzen.“

Geleistetes weiterführen

Ausdrücklich warb Albert Weber um Vertrauen für den neuen Vorstand: „Gebt ihnen das gleiche Vertrauen, das ich von euch bekommen habe.“ Ansgar Knülle ergriff nach seiner Wahl das Wort: „Jetzt gilt es das, was Albert geleistet hat, weiterzuführen und das mache ich sehr gerne. Es bedurfte keiner Überzeugungsarbeit, mich für dieses Amt zu gewinnen.“ Er freue sich vor allem, dass nun ein „recht junger“ Vorstand zusammen arbeite. Das große Interesse gerade junger Leute für etwas eigentlich „Trockenes“ wie Heimat sei in Suttrop außergewöhnlich. „Ich bin zuversichtlich, dass wir das weiter so positiv voranbringen werden.“

Zumindest mit positiven Überraschungen hat der neue Vorsitzende schon mal ordentlich vorgelegt: Nach der Aufnahme Webers als Ehrenvorsitzenden und Jüttes als Ehrenmitglied ehrten die Mitglieder ihre beiden scheidenden Vorstandsleute mit einem ganz besonderen Abschluss: Bernd Mues hatte in liebevoller Arbeit drei Kurzfilme über deren Wirken zusammengestellt. Naürlich unter „Verschiedenes“.