Durcheinander um Uni-Standort
16.06.2009 | 18:12 Uhr 2009-06-16T18:12:00+0200Drei von vier Jury-Mitglieder wollen mit neuer Fachuni ans "Himmelreich"
Lippstadt. Eine Jury wird jetzt noch einmal darüber entscheiden, ob die neue Fachhochschule in Lippstadt am „Himmelreich” an der B 55 oder auf dem ehemaligen Uniongelände gebaut wird. Sicher ist: Drei der vier Jury-Mitglieder sind bereits fürs „Himmelreich”.
Am Montagmorgen hatte Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart dem Hochschulpräsidenten Prof. Dr. Klaus Zeppenfeld mitgeteilt, dass in allen sechs neuen Hochschulstädten in NRW die Standortfragen jetzt per Jury-Entscheid gelöst würden. Zuvor hatte sich das Ministerium noch die Entscheidung vorbehalten. In Lippstadt war, wie berichtet, kritisiert worden, dass die Kommunalpolitik gar nicht gehört würde. Jetzt wird dies bis zur Entscheidung im August noch in aller Eile nachgeholt.
Am Montagabend ließ Zeppenfeld im Lippstädter Hauptausschuss allerdings keinen Zweifel daran, dass die neue Uni ans „Himmelreich” gehöre: Mit dem Ministerium, dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes sowie der Hochschulleitung sind drei der vier Jury-Mitglieder schon dafür — „auf Arbeitsebene”, so Zeppenfeld. Denn auch bei einer erneuten Überprüfung der beiden möglichen Standorte sei das „K.o.-Kriterium” die direkt angrenzende Bahnlinie am ehemaligen Uniongelände: „Man baut keine Hochschule an eine Bahnlinie”, sagte Zeppenfeld. Ein Hightech-Studiengang wie Mechatronik brauche die entsprechenden Voraussetzungen: Lärm, Erschütterungen und Elektrosmog direkt an der Bahn sprächen gegen eine Hochschule dort. Dazu kämen „nicht abschließend zu kalkulierende Risiken” durch Altlasten auf dem Uniongelände. Zudem sei die Fläche mit 54 000 Quadratmeter kleiner als die 69 000 Quadratmeter am „Himmelreich” und gleichzeitig „um mehrere Millionen Euro teurer”.
Zeppenfeld warnte vor einem Verzug im Zeitplan: Beide Hochschul-Standorte in Hamm und Lippstadt müssten parallel entwickelt werden, sie dürften — angesichts von 2013 wieder zu erwartenden, sinkenden Studentenzahlen — „unterschiedliche Reifegrade aufweisen”.
Viertes Jurymitglied ist jetzt, neu, die Stadt geworden. In ihren Bewerbungsunterlagen mussten zuvor alle Städte, die an einer Fachuni interessiert waren, einen möglichen Standort angeben: Lippstadt gab dafür auch das „Himmelreich” an — aber nur „als Platzhalter” für weitere potenzielle Standorte, so Bürgermeister Christof Sommer im Hauptausschuss. Er nannte das Verfahren „sehr unglücklich”. Auch Hannelore Bartmann-Salmen (CDU) kritisierte das Standort-Verfahren, bei dem Lippstadt außen vor gewesen sei: „Wir hätten gerne mitgewirkt.” Düsseldorf hätte sich mit den Lippstädter Behörden abstimmen sollen: Schließlich müsse man hier vor Ort nun den Bürgern gegenüber begründen, warum das große, zentralere Uniongelände nicht genommen werde. Erst jetzt sei das Verfahren transparent geworden. Auch Hans-Joachim Kayser (SPD) mahnte diese Transparenz an: Man unterhalte sich über Öffnungszeiten von Kompostierungsanlagen — aber bei so zentralen Fragen wie einem Uni-Standort „da fragt uns keiner”.
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