Drewers ältestes Haus ist gerettet

Vor der Deelentür von Drewers ältestem Haus: Ortsvorsteher Bernd Cordes, Elmar Kämper, Florian Teubert und der vormalige Eigentümer, Nachbar und letzte Bewohner Josef Köhne (von links).
Vor der Deelentür von Drewers ältestem Haus: Ortsvorsteher Bernd Cordes, Elmar Kämper, Florian Teubert und der vormalige Eigentümer, Nachbar und letzte Bewohner Josef Köhne (von links).
Foto: WP

Drewer..  Gerettet ist Drewers ältestes Haus, das nach bisherigen Erkenntnissen auch das zweitälteste in der Gesamtstadt nach Haus Buuck (erbaut 1609) ist. Florian Teubert hat die anspruchsvolle Aufgabe übernommen, das aus dem Jahr 1630 stammende bäuerliche Anwesen, gelegen Am Knapp, zu restaurieren. Damit möchte der 41-Jährige nicht nur ein Heim mit besonderem Flair für seine kleine Familie schaffen, sondern auch andere ermutigen, zum Erhalt historischer Baukultur in den Dörfern beizutragen.

„Erbaut 1630“, so steht es am Balken über dem Deelentor. Auch wenn dieser erkennbar nicht mehr zur originalen Bausubstanz gehört, so wird das hohe Alter des Hauses unter anderem von dem Sichtigvorer Heimatforscher Helmut Fröhlich bestätigt. Dies geht aus einem Artikel hervor, den er 1987 zum 250-jährigen Bestehen der Pfarrvikarie Drewer verfasste.

Letzter Bewohner

Josef Köhne war einer der letzten Bewohner und letzter Eigentümer vor Florian Teubert. 14 Jahre war der heute 71-Jährige alt, als seine Familie 1958 in den benachbarten Neubau umzog. Seither stand das alte Fachwerkhaus leer. War dieser lange Leerstand Fluch oder Segen? Für Florian Teubert eher Letzteres. „Der Vorteil ist, dass der Zustand noch weitgehend original ist; sonst wäre vieles kaputt gebaut worden“, glaubt er. Dem kann Elmar Kämper nur zustimmen. Er ist seit 25 Jahren selbstständig mit seiner Zimmerei in der Denkmalpflege. Er ist der Fachmann, der Florian Teubert, von Beruf Lehrer, bei der Restaurierung seines Hauses zur Hand geht.

Teubert wurde in Bielefeld geboren, lebte lange im mit Denkmalen gespickten Bamberg, unterrichtet am Abendgymnasium in Lippstadt und wohnt mit Frau und Baby in Effeln. Seine Eltern besitzen eine alte Wassermühle, die sie selbst restauriert haben. Dies zur Biografie, die teils sein Faible für Bauwerke mit Geschichte erklärt. Ein solches Gebäude suchte er als Wohnsitz und das erste, auf das er stieß, als er nach erfolgloser Suche im Internet „einfach die Gegend abgefahren“ ist, war das Haus Am Knapp in Drewer.

Im Januar 2014 war dies, im März begannen die Bauarbeiten an dem Bauernhaus, das Florian Teubert auf eigene Initiative unter Denkmalschutz stellen ließ. Ob es mit der erhofften Förderung durch NRW-Bank und Kreditanstalt für Wiederaufbau klappt und in welcher Höhe, ist offen. Entmutigen lässt sich der Bauherr dadurch nicht. Mit Kosten von 300 000 Euro rechnet er. „Es ist immer etwas mehr geworden“, sagt er, obwohl die ganz bösen Überraschungen ausgeblieben sind. Und: „Ein Neubau kostet auch nicht weniger.“ Nur ist sein Ziel das moderne Wohnen in alter Substanz. „Wir wollen nichts zerstören, sondern möglichst viel erhalten“, lautet die Devise. Die Eichenbalken werden, wo erforderlich, stückweise ersetzt – besonders an der früher mit Erde aufgefüllten Westseite – die dafür aus den Gefachen entfernten Ziegel werden wieder verbaut.

Am besten erhalten, meint Kämper, sei das Dach. Die Konstruktion stamme aus der Erbauungszeit, ein Teil der Eindeckung von 1859, als das Haus ausweislich der Torinschrift restauriert wurde. Es ist noch viel zu tun, doch das Ziel ist klar: Im Dezember, am liebsten am Nikolaustag, will Familie Teubert in ihrem neuen, geschichtsträchtigen Zuhause wohnen. „So ein Haus hat Seele“, betont Bernd Cordes. Der Ortsvorsteher bewohnt ebenfalls eines der ältesten Häuser Drewers.