Die neue Lust am Pilgern - Am 1. Mai startet die Wallfahrt in Werl

Wallfahrtsleiter Pater Ralf Preker begrüßte in den vergangenen Jahren in Werl rund 100.000 Pilger pro Saison.
Wallfahrtsleiter Pater Ralf Preker begrüßte in den vergangenen Jahren in Werl rund 100.000 Pilger pro Saison.
Foto: Volker Hartmann
Was wir bereits wissen
Pater Ralf Preker, Leiter der Wallfahrt in Werl, sieht ein neues Interesse am Pilgern. Und das in Zeiten massenhafter Kirchenaustritte.

Werl.. Der Mai ist der Marienmonat. Entsprechend beginnt am 1. Mai die traditionsreiche Wallfahrt zur Muttergottes nach Werl. Doch was bedeutet Pilgern eigentlich im Zeitalter der massenhaften Kirchenaustritte? „Das ist mehr als eine religiös getarnte Kaffeefahrt“, betont Wallfahrtsleiter Pater Ralf Preker im Interview.

Pilgern ist wieder im Trend. Betrifft das auch die Wallfahrt nach Werl?

Pater Ralf: In Teilen, ja. Einerseits ist die Mehrzahl der Pilgerinnen und Pilger älter und kommt aus Tradition. Andererseits gibt es gerade bei den Fußwallfahrten eine Tendenz zu mehr jüngeren Leuten, die sich aus unterschiedlichen Gründen auf den Weg machen. Und wie eine Pilgergruppe unterwegs und vor Ort ihre Wallfahrt konkret gestaltet, hängt immer von den Gruppen selbst ab - ob traditionell oder mit neuen Akzenten. Wallfahrt ist immer auch ein Spiegelbild der Herkunftsgemeinde.

Kirche Der angekündigte Rückzug der Franziskaner ab 2019 von der Wallfahrt in Werl war für viele Pilger ein Schock.

Pater Ralf: Deshalb ist es umso wichtiger, noch einmal zu unterstreichen: Das Gnadenbild der „Trösterin der Betrübten“ ist noch da, und es bleibt in Werl. Derzeit laufen Überlegungen im Erzbistum, wie es nach 2019 weitergeht, da ist jedoch noch nichts spruchreif, außer: Die Wallfahrt wird weitergehen.

Mit wie vielen Pilgern rechnen Sie 2015?

Pater Ralf: Wir haben in den vergangenen Jahren rund 100. 000 Pilger pro Saison gehabt. Aber ich schaue nicht so auf die Zahlen, wir machen Seelsorge, keine Zählsorge. Wenn es um Zahlen geht, erliegt manch einer der Versuchung des „Frisierens“ – so auch an Wallfahrtsorten. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin dankbar, dass so viele kommen und dass auch Jüngere kommen, doch ich leite davon nicht sofort einen neuen Trend ab.

Es gibt doch Veränderungen, oder?

Pater Ralf: Werl ist ein über die Jahrhunderte gewachsenes Pilgerziel. Jetzt kommen zunehmend Einzelpilger oder Gruppen vorbei, die auf dem Jakobsweg sind. Die halten ein kurzes Gebet, holen sich ihren Stempel an der Pforte, sind teilweise ökumenisch zusammen gesetzt. Das ergibt sich spontan, oft ohne Anmeldung. Wir sind dafür offen.

Woher kommen die traditionellen Wallfahrer-Gemeinschaften?

Pater Ralf: Für den Mai haben sich schon über 40 Gruppen angemeldet, natürlich aus dem Erzbistum Paderborn, aber auch aus den Bistümern Münster, Essen, Osnabrück und Köln. Oft sind das Gruppen, die jedes Jahr anreisen, und dann gibt es auch immer wieder neue. Die Portugiesen und Italiener kommen und auch die Ermländer und Schlesier. Die Altersstruktur ist gemischt. Bei den Fußwallfahrten sind viele Jüngere dabei.

Pastoralverbund Fröndenberg Entspricht Pilgern einer neuen Sehnsucht nach mehr Achtsamkeit und Spiritualität im Alltag?

Pater Ralf: Der Pilgercharakter nimmt wieder deutlich zu, das Bewusstsein, dass es sich lohnt, sich auf den Weg zu machen, dass man beim Gehen zu sich selber kommt. Viele Gruppen von weiter her stoppen ein paar Kilometer vor Werl und gehen dann bewusst das letzte Stück zu Fuß. Aber die Gehbehinderten und Senioren können ja nicht mehr so weit laufen. Es gibt also alles nebeneinander. Ich möchte da keine Wertung hineinbringen. Jeder und jede, ob Fußpilger, Radpilger oder Buspilger, bringt etwas mit, was er oder sie auf dem Herzen hat und der Fürsprache der Muttergottes anvertraut.

Es gibt auch eine Motorradwallfahrt am 14. Juni. An die Vorstellung, wie bärtige Biker vor der Muttergottes knien, muss man sich erst einmal gewöhnen.

Pater Ralf: Ja, dabei kann man dann auch gleich seine Vorurteile überprüfen. Die Motorradwallfahrt haben wir 2011 begründet. Und zwar als ökumenische Wallfahrt. Sie erfreut sich großer Beliebtheit.

Ist das Pilgern weiblich?

Pater Ralf: Wenn die Frauen nicht kämen, wäre es mau. Gerade die vielen KFD-Gruppen (Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands) sind Stabilitätsfaktoren. Das ist genauso wie in den Gemeinden. Nehmen Sie da die Frauen weg, was dann?

Mehr Infos zur Wallfahrt in Werl finden sich unter: www.wallfahrt-werl.de