Die Maße der Bühne kennt er auswendig

Beste Stimmung herrschte in der Sauerlandhalle: Die Kappensitzung präsentierten die GWK-Akteure ein spritziges Programm aus Tänzen, Büttenreden und Sketchen.
Beste Stimmung herrschte in der Sauerlandhalle: Die Kappensitzung präsentierten die GWK-Akteure ein spritziges Programm aus Tänzen, Büttenreden und Sketchen.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Wenn er über den Karneval spricht, kennt dieser Mann die erste Person Singular nicht. Er spricht fast nur von „wir“ und „man“. „Wir müssen alle für das selbe Ziel arbeiten“, sagt Karl-Heinz Stammberger, im Verein von allen „Kalla“ genannt.

Warstein.. Das gemeinsame Ziel formuliert er so: „Den anderen Leuten Spaß an der Freud zu bringen.“ Darum geht’s ihm nun schon seit 32 Jahren. Oder auch karnevalistisch ausgedrückt – er ist mitten in seiner 32. Session für die GWK Warstein.

Damit auch die gelingt, richtet er mit seinen Vereinskollegen im Moment abends die Sauerlandhalle her. „Kalla“, ruft plötzlich jemand, „hast du noch was für die Deko?“ Nein, Deko ist nicht sein Spezialgebiet, dafür aber der Aufbau der Bühne. Er hat einen Zollstock zum Abmessen dabei. Eigentlich braucht er den gar nicht, denn die Maße für die Bühne kennt er schon auswendig. Auf- und Abbau, das Herrichten der Stuhl- und Tischreihen – „Kalla“ packt an, wo es Arbeit gibt. Wie damals auch, als alles anfing.

„Ach wenn du mal keinen mehr hast, kannst du dich melden“, hatte er einst zu einem Freund gesagt, der auch im Karnevalsverein aktiv war. Der war Zeremonienmeister, eine Funktion, die es heute so gar nicht mehr gibt. 1983 hat dieser Freund dann nochmal angefragt bei Kalla, weil er eben keinen mehr fand, der diesen Job übernehmen wollte. Und Kalla stand zu seinem Wort: „Ich hab’s dir gesagt. Ich mach das.“ Damit fing seine Karnevalsgeschichte an, 21 Jahre alt war er damals.

Koordination ist „sein Ding“

Als Zeremonienmeister gehörte er damals schon mit zum Elferrat und war für die Koordination des Programms während der Show verantwortlich. Musik, Akustik, Akteure – alles musste aufeinander abgestimmt und kommuniziert werden. Wenn zum Beispiel ein Programmpunkt ausfiel oder sich nach hinten verschob, wurde umgeplant. Büttenrede kann schließlich nicht auf Büttenrede folgen.

Heute gibt es diesen Zeremonienmeister nicht mehr, im Elferrat ist Karl-Heinz Stammberger aber geblieben. Das bedeutet, dass er während der Show mit auf der Bühne ist. Allerdings „ohne Sitzplatzanspruch“ wie er sagt. Denn die Elferräte müssen immer aufstehen, klatschen und mitschunkeln. Ganz besonders bei den einheimischen Akteuren. Auch beim Rosenmontagszug ziehen sie als erster Wagen vorne weg. Fünf Jubiläen der GWK hat Kalla schon mitgemacht, die Karnevalisten wissen eben auch die unrunden Geburtstage zu feiern. Ob es ein Höhepunkt gab in all den Jahren? Ein Erlebnis, an das er sich immer erinnern wird? Schwierig. „Es ist so viel“, sagt er. Ganz besonders gefällt ihm immer Weiberfastnacht, wenn die Elferräte morgens in die Kindergärten ziehen und mit den Kleinsten Wettspielchen machen. Das macht für ihn Karneval aus, dass für jeden etwas dabei ist: „Vom Säugling bis zum Greis, ob Männlein oder Weiblein. Karneval ist etwas für alle.“

Auf Spannungskurve kommt es an

Und zufrieden ist er erst, wenn die Kappensitzung auch wirklich erfolgreich war. Er zeichnet mit den Händen die ideale Spannungskurve nach und erklärt: „Wichtig ist es immer, dass es bei einer Sitzung kontinuierlich nach oben geht, es keinen Break gibt. Und die Leute am Ende hellauf begeistert sind.“

Von seiner Position aus dem Elferrat kann er das dann auch genau beobachten und in den Gesichtern sehen, ob er sein Ziel erreicht hat. Eben den Leuten Spaß an der Freud gebracht zu haben.