Die Karneval-Allrounderin der „Wispelten“

Kappensitzung der Wispelten Niederbergheim: die "Hühner" von links Michaela Koch, Kerstin Schröder, Christiane Löckener, Ines Möller.
Kappensitzung der Wispelten Niederbergheim: die "Hühner" von links Michaela Koch, Kerstin Schröder, Christiane Löckener, Ines Möller.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Es dauert nicht lange, da hat Michaela Koch sie gefunden: die CD von ihrem ersten Auftritt mit dem Gesangsverein „Die Hühner“. Sechs Jahre ist das jetzt her. Sie lauscht der Aufnahme und scheint ein bisschen in Erinnerungen zu schwelgen. Dabei steht der nächste Auftritt schon bald wieder vor der Tür.

Niederbergheim.. Ganz genau achtet sie darauf, dass sie bloß nichts aus dem aktuellen Programm preisgibt. Damit alles eine große Überraschung bleibt für ihre „Wispelten“, ihren Karnevalsverein. „Köln hat die Höhner, Niederbergheim hat die Hühner“, erklärt sie ihre große Leidenschaft, das Singen mit ihrer Gesangstruppe. „Die Hühner“ - das sind vier Damen, die genau zuhören , wenn ihnen wieder eine Geschichte aus dem Dorf erzählt wird, die sie dann musikalisch umsetzen können. Mit ihren „nicht so brillianten Stimmen“ wie Michaela Koch sagt. „Aber auch dafür ist der Karneval da: dass nicht alles perfekt ist“.

Genau das ist ihr wichtig: „Wir wollen keine Profis haben“. Dabei geht es ihr nicht einmal nur um die finanziellen Faktoren. Träten Profis auf, dann würden sich die Amateure nur vergleichen. „Und dann möchten die nicht mehr,“ befürchtet sie. Ihre Idealvorstellung: Karneval in Niederbergheim sollte auch nur von Niederbergheimern gemacht werden - so wie es noch bis vor einigen Jahren der Fall war.

Angefangen in der Kindergarde

Und Michaela Koch weiß es ganz genau, denn die vergangenen Jahre hat sie alle miterlebt. Angefangen hat das in der Kindergarde als junges Mädchen mit sieben Jahren. Mittlerweile ist sie quasi ein Karneval-Allrounder: Vom Tanz, über Büttenreden und Gesang, bis hin zur Moderation. Nicht zu vergessen: die Vorstandsarbeit. Bis 2014 war sie Schriftführerin, nun ist sie sogar zweite Vorsitzende des Vereins.

„Ich glaube man kann das nicht lernen. Für Karneval muss man geboren sein, weil man es sonst nicht durchhält“, befindet sie, und spricht damit wohl vielen Nicht-Karneval-Fans aus der Seele. Ihren drei Schwestern zum Beispiel, die damit nichts zu tun haben. Für Michaela Koch unvorstellbar, ihr würde etwas fehlen: „Was sollte ich von November bis Februar oder Ende März machen?“

Die Karnevalstage, Weiberfastnacht bis Aschermittwoch, sind bei ihr fest eingeplanter Urlaub, auch wenn ihre Kollegen aus Soest das nicht verstehen können.

Nie in Köln oder Düsseldorf

Es ist aber auch kein Wunder, denn dort wird Karneval längst nicht so gefeiert wie in Warstein. Einmal wollte Michaela Koch mit einer Kollegin den Soester Karneval erkunden und wurde enttäuscht. Die Leute haben komisch geguckt und einer hat gefragt: „Was willst du dann hier in Soest? In Warstein geht’s doch ab.“ Also blieb sie beim Karneval in Niederbergheim. Auch Jecken-Paradiese wie die Städte Köln und Düsseldorf hatten bei ihr keine Chance: „Das ist mir zu groß, das ist mir zu laut, das ist mir zu professionell“, meint sie. Klein, heimelig und persönlich soll es stattdessen sein: „Beim Karneval gibt’s kein Sie, sondern nur das Du.“

„Du Keksi“ - so lautet seit Jahren ihr Spitzname im Niederbergheimer Karneval - wird es dann wohl in der heißen Vorbereitungsphase vor dem diesjährigen Karneval noch oft lauten. Denn als Vize-Präsidentin ist Michaela Koch Ansprechpartner für alles. Erstmals durfte sie nun in dieser Funktion das Prinzenpaar mit auswählen. Und das war etwas ganz Besonderes, da bekommt sie plötzlich ganz strahlende Augen: „Es ist so schön, wenn die Leute versuchen einen auszuquetschen.“ Verraten hat sie natürlich nie etwas. Sie will doch ihren Niederbergheimern nicht die große Überraschung rauben.