„Die Bedenken haben sich nicht bewahrheitet“

Luftbild Marienkrankenhaus Wimbern Hospital Asylbewerberunterkunft
Luftbild Marienkrankenhaus Wimbern Hospital Asylbewerberunterkunft
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Vor 15 Monaten wurde eine Flüchtlingsunterkunft in dem 800-Seelen-Dorf Wimbern im Kreis Soest eröffnet. Sorgen und Vorurteile waren groß.

Wickede.. Das Schützenfest in Wimbern ist einige Wochen her. Es war wie immer ein Gradmesser für die Stimmungslage im Dorf. „Es gab kaum noch Diskussionen über die Flüchtlingsunterkunft“, sagt Ortsvorsteher Edmund Schmidt. „Wir haben uns so lange mit dem Thema beschäftigt. Irgendwann ist es gut.“

Flüchtlinge Am 15. April 2014 kamen die ersten Flüchtlinge im ehemaligen Marienkrankenhaus an. „Die Menschen hier hatten gewisse Befürchtungen“, sagt der 62 Jahre alte Ortsvorsteher, „die Bedenken haben sich aber nicht bewahrheitet.“

Schmidt empfängt den Reporter auf seiner Terrasse und bietet ihm Wasser und Kaffee an. Eine gastfreundliche Atmosphäre. War das vor einem Jahr anders, als die Arnsberger Bezirksregierung von heute auf morgen die ehemalige Klinik zur Flüchtlingsunterkunft machte? Als Wimbern bundesweite Bekanntheit erlangte, als überregionale Zeitungen wie die Frankfurter Allgemeine und die Welt am Sonntag titelten: „Widerstand gegen Heim“ oder „Kein Ort für Fremde“.

Treibende Kräfte im Verein „Dorf Wimbern“

Neben Ortsvorsteher Schmidt hat Christian Meier Platz genommen. Die beiden Männer sind treibende Kräfte im Verein „Dorf Wimbern“, der gegründet wurde, um eine Dorfchronik zu erstellen. Der aber alsbald zum Sprachrohr der Sorgen der Wimberner wurde. „Für uns stand nie eine generelle Ablehnung einer Flüchtlingsunterkunft im Raum“, sagt Christian Meier (43). Es sei immer nur um die Frage gegangen, wie ein 800-Einwohner-Dorf mit einer solchen Bevölkerungsexplosion – im Heim können 500 und mehr Menschen untergebracht werden – fertig werden soll. Die Ungewissheit, was auf die Bewohner in dem Ortsteil der Gemeinde Wickede (Kreis Soest) und auf „ihr“ altes Marienkrankenhaus zukommt, das einst 220 Betten hatte.

Als die Klinik Ende 2011 geschlossen wurde, war das ein Schock für die Dorfbewohner. „Sie war hier sehr anerkannt“, sagt Edmund Schmidt, „viele aus Wimbern sind dort geboren.“ Man hört aus seiner Stimme heraus, dass er selbst dreieinhalb Jahre nach dem Aus noch „unserem Krankenhaus“ nachtrauert - wie so viele andere im Ort. Und vor einem Jahr verdauen musste, dass das traditionsreiche Haus per Entscheidung von oben zu einer Flüchtlingsunterkunft umfunktioniert wurde. „Ohne die Wimberner mitzunehmen.“

Fehler bei der Informationspolitik

Die Arnsberger Bezirksregierung habe in den ersten Gesprächen, so Schmidt, „das Blaue vom Himmel versprochen“. Unter anderem die geplanten Aufnahmezahlen niedrig angesetzt. „Wir fühlten uns durch die Schönrederei auf den Arm genommen“, sagt der Ortsvorsteher und ergänzt: Die Verantwortlichen hätten aus den Fehlern bei der Informationspolitik gelernt.

Der alte Ortskern von Wimbern liegt 900 Meter von der - im offiziellen Sprachgebrauch - „Zentralen Unterbringungseinrichtung für die Erstaufnahme von Asylbewerbern des Landes NRW (ZUE)“ - entfernt. „Im Ortsbild sieht man nur ganz wenige Flüchtlinge“, sagt Meier.

Tägliche Polizeistreifen über die Dorfstraßen

Seit dem Start der Unterkunft fahren täglich Polizeistreifen über die Dorfstraßen. Kürzlich hatte Meiers Mutter ein Fenster in ihrem Haus aufgelassen. Morgens um kurz nach 7 Uhr klingelte es an der Tür - die Polizei. „Die Beamten wollten sicher gehen, dass hier nicht eingebrochen worden war.“

Flüchtlingsunterkunft Viel häufiger sehe man Flüchtlinge auf dem Weg nach Wickede. Auf dem Weg zum Einkauf. Es hat Klagen aus der Bevölkerung über arglos weggeworfene Abfälle gegeben. Das Problem ist mittlerweile behoben. Ganz pragmatisch, wie so vieles rund um die Flüchtlingsunterkunft: Die ZUE-Bewohner sorgen für die Sauberkeit der Wege und der Umgebung - und bekommen einen kleinen Obolus dafür.

Vergebliche Versuche ausländerfeindlicher Gruppen

Fast 15 Monate sind vergangen, seit die ersten Flüchtlinge in Wimbern eingezogen sind. „Wir hatten große Befürchtungen, dass wir in die rechte Ecke gestellt werden“, sagt Christian Meier und spricht von vergeblichen Versuchen ausländerfeindlicher Gruppen, die Dorfbewohner für ihre Ziele zu instrumentalisieren. So wollte die rechtsextreme Pro NRW eine Kundgebung vor der Unterkunft abhalten. „Wir haben sie einfach ignoriert“, so Meier, „die haben seitdem nie wieder überlegt, zu uns zu kommen.“

Nach Wimbern sollte auch NRW-Innenminister Jäger kommen. „Wir hatten ihn nach den ersten Meldungen über die geplante Unterkunft eingeladen“, so Edmund Schmidt, „er sollte sich anschauen, dass die Zahl von 500 und mehr Flüchtlingen zu hoch ist.“ Erst als der Vertrag zur Nutzung des ehemaligen Krankenhauses unterschrieben war - mit der Zahl von 500 und mehr Plätzen - wollte er dem Dorf einen Besuch abstatten. Der Ortsvorsteher: „Da haben wir ihn wieder ausgeladen.“