Die Angst bei den Mitarbeitern ist greifbar

Soest..  Wut, Trauer, Hilflosigkeit. Für die knapp 240 Mitarbeiter am Coca-Cola-Standort in Soest ist Anfang der Woche eine Welt zusammengebrochen. Da wurde zur Gewissheit, dass der weltgrößte Getränkehersteller den Produktionsstandort in Soest und die daran angeschlossene Logistik komplett schließen will.

„Die Angst ist greifbar“, beschreibt Helge Adolphs, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) - Region Südwestfalen -, die Stimmung im Unternehmen. Viele der Mitarbeiter sind seit über dreißig Jahren hier beschäftigt. Dass bereits im nahenden Sommer damit Schluss sein soll, wollen sie nicht wahrhaben.

Im Kongresszentrum von Bad Sassendorf, wo gestern die Betriebsversammlung stattfand, wurden die Mitarbeiter über die Pläne informiert. Gleichzeitig haben Vertreter von Gewerkschaft und Betriebsrat mögliche Alternativen vorgestellt: Versetzung an andere Standorte – der nächste wäre das 80 Kilometer von Soest entfernt liegende Herten – oder Altersteilzeit.

Auch Abfindungszahlungen kamen zur Sprache. Die, so Torsten Biermann, Geschäftsleiter von Coca-Cola Nordwest, sollen deutlich über dem üblichen Maß liegen. Biermann: „Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht.“ Der starke Wettbewerb und das veränderte Konsumverhalten ließen allerdings nur wenig Handlungsspielraum, erklärte der Geschäftsleiter.

„Schließung eher politischer Natur“

Das sieht Wilfried Pälmer naturgemäß ganz anders. Für den Betriebsratsvorsitzenden ist die beabsichtigte Schließung eher politischer Natur. Die Konzernzentrale im amerikanischen Atlanta wolle die Coca-Cola-Erfrischungsgetränke AG (CCE AG) verkaufen: „Deshalb werden Standorte geschlossen. So etwas treibt die Aktienkurse und damit den Verkaufspreis nach oben.“

Die Schließungs-Ankündigung der Deutschlandzentrale in Berlin sei für alle ein „tiefer Schlag“ gewesen: „Viele von uns haben ihr halbes Leben bei Coca-Cola verbracht.“ Kampflos will man die Entscheidung nicht hinnehmen. Pälmer: „Wir werden alles versuchen, um die Entscheidung rückgängig zu machen.“

Zumindest aber sollen so viel Arbeitsplätze wie nur irgendwie möglich erhalten bleiben. Pälmer verspricht: „Wir werden in den kommenden Gesprächsrunden klare Kante zeigen. So leicht werden wir nicht aufgeben.“

Chancen für die Logistik

Gemeinsam mit den Beschäftigten soll ein alternatives Konzept erarbeitet werden, dass Soest zumindest als Teil-Standort erhalten bleibt.

Vor allem für die Logistik sieht Pälmer in dieser Beziehung Chancen: „Es gibt keinen Grund, die zu schließen.“ Das wären dann immerhin 100 Arbeitsplätze.

Auch für Helge Adolphs ist das letzte Wort noch nicht gesprochen: „Die Standortschließung muss noch einmal grundsätzlich diskutiert werden.“ Für Wilfried Pälmer, der seit 39 Jahren zum Unternehmen gehört, beginnen nun „Wochen des Kampfes und der Wahrheit“. Man werde mit konkreten Vorschlägen in die Gespräche gehen: „Wir werden uns operativ ins Geschäft einmischen, wie wir das in der Vergangenheit auch immer schon getan haben. Dabei ist es wichtig, dass wir keine Luftnummern präsentieren, sondern machbare und realistische Konzepte. Nur dann haben wir Aussicht auf Erfolg.“ Es wird ein heißer Sommer für die 240 Mitarbeiter des Getränkeherstellers in Soest.