Diagonalsäge von Kontra in Rüthen geht nach Kanada

Weltmarktführer aus Südwestfalen: Die Firma Anlagenbau Kontra liefert ihre 100. Diagonalsäge aus. Zum Einsatz kommen die Maschinen vor allem bei Herstellern von Spanplatten.
Weltmarktführer aus Südwestfalen: Die Firma Anlagenbau Kontra liefert ihre 100. Diagonalsäge aus. Zum Einsatz kommen die Maschinen vor allem bei Herstellern von Spanplatten.
Foto: Armin Obalski
Was wir bereits wissen
Der Rüthener Anlagenbauer Kontra ist Weltmarktführer. Top-Produkt sind Diagonalsägen für die Spanplattenindustrie. Die 100. wird nach Kanada geliefert.

Rüthen.. Die Hersteller von Spanplatten überall auf der Welt haben ein Problem: Sie brauchen Maschinen, die die Platte, die in einem endlosen Band aus der Produktion kommt, auf gewünschte Länge bringt. Die Lösung findet sie nicht in einer der großen Industrieregionen, sondern in Rüthen, genauer im Gewerbegebiet Hankerfeld und dort bei Kontra Anlagentechnik. Das von Firmengründer Martin Wagner entwickelte und patentierte Top-Produkt heißt Diagonalsäge. Das hundertste Exemplar ist gerade auf dem Weg nach Kanada. Weltmarktführer aus Südwestfalen kann sich das Unternehmen mit berechtigtem Stolz nennen.

Pionier Josef Kellerhoff

Pionier im Bau der Diagonalsägen ist neben Martin Wagner Josef Kellerhoff aus Meiste. An 95 der 100 Anlagen hat der Mechaniker mitgebaut. Auch wenn er inzwischen im Ruhestand ist, kam er selbstverständlich zur Vorstellung der Jubiläumssäge, die sich bereits auf dem Weg zum Spanplattenhersteller Arauco nach Kanada befindet. Neben Egger und Masia ist dieses Unternehmen einer der größten Produzenten weltweit. In St. Stephen ersetzt die 100. Bandsäge einen Vorgänger aus den 1990er Jahren – natürlich mitgebaut von Josef Kellerhoff.

300 000 Euro kostet eine solche Maschine. Im aktuellen Fall handelt es sich um eine Doppelsäge, die alle fünf Sekunden mit einem Schnitt die Spanplatte konfektioniert. Sie hat eine Abmessung von fünf mal acht Metern und wiegt zehn Tonnen. „Keine Diagonalsäge ist wie die andere, jedes Projekt ist individuell“, berichtet Geschäftsführer Jörg Wagner. Auch wenn die Sägeblätter, wie es der Name schon sagt, diagonal zum Plattenstrang verlaufen, sorgen sie dennoch für den gewünschten geraden, rechtwinkligen Schnitt. Sie halten mit ihrem Verlauf nur Schritt mit dem sich endlos fortschiebenden Band der Spanplatte. Andere Hersteller nutzen die Sägen made in Rüthen aber auch um Steinwolle und sogar Betonplatten auf Länge zu bringen.

Doch Kontra liefert je nach Kundenwunsch mehr als nur die Säge, die außerdem das Längsbesäumen übernimmt, die seitlichen Kanten also gerade abschneidet. Maschinenbautechniker Michael Sauerland zeigt in seinem Büro die Pläne für ein Projekt, das gerade bearbeitet wird. 250 Meter in der Länge misst diese Anlage, deren Herzstück zwar die Säge ist, zu deren weiteren Bestandteilen aber auch Vorrichtungen etwa zum Sortieren, Stapeln und Lagern gehören. In Russland wird sie für Egger aufgestellt werden – Auftragswert sechs Millionen Euro.

„Die Konstruktionsunterlagen inklusive Zeichensätzen füllen da schnell zwei dicke Ordner“, sagt Sauerland. Denn von der Konstruktion bis zum Bau und teilweise dem Aufbau am Zielort kommt bei Kontra alles aus einer Hand. Allerdings greift das Unternehmen auf Partner in der Umgebung von Warstein bis Mellrich zurück, die Teile und Maschinen zuliefern. „Was wir zukaufen können, das kaufen wir“, betont Jörg Wagner das Ziel, die „Materialtiefe so gering wie möglich“ zu halten. Davon profitiert auch ein Unternehmen direkt nebenan.

Kontra selbst hat erst im vergangenen Jahr beträchtlich erweitert. Auf 1,5 Millionen Euro beziffert Jörg Wagner die Investition in eine neue Halle, die neben Produktionsflächen auch eine Lackiererei und Schulungsräume beherbergt, inklusive Grunderwerb und Zuwegung. Sein Dank gilt in diesem Zusammenhang der Stadt Rüthen für die reibungslose Erstellung einer rückwärtigen Erschließung. Von dort aus können auch Schwertransporter verladen und die Anlagen für ihre Reise nach Osteuropa, Nord- wie Südamerika und nach Asien. Zu tun hat Kontra reichlich: „Unsere Auslastung liegt an der Kapazitätsgrenze.