Der Glanz der Marke Warsteiner verblasst

Warsteiner Brauerei Abfüllung
Warsteiner Brauerei Abfüllung
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache, und das nicht erst in jüngster Zeit: Der Stern der Warsteiner Brauerei strahlt nicht mehr, der einstige Glanz ist längst verblasst. 1995 mit stolzen 6,3 Millionen Hektoliter Ausstoß noch stolzer Marktführer, vermeldet das Traditionshaus seit einiger Zeit reichlich rückläufige Zahlen und erreichte 2014 mit einem Minus von 9 Prozent beim Pils und 8,4 Prozent insgesamt nur noch 2,5 Millionen Hektoliter.

Warstein.. Aber das ist nicht alles: Brancheninformationen zufolge soll das ohnehin von den Folgen der Legionellen-Krise gebeutelte Unternehmen auch in ernsten finanziellen Schwierigkeiten stecken. Eine Anleihe von 100 Millionen Euro, die der damalige Generalbevollmächtigte Gustavo Möller-Hergt 2003 bei privaten US-Investoren eingesammelt haben soll und die 2013 um zwei Jahre verlängert wurde, werde jetzt fällig: Wegen der Wechselkursvorteile 80 Millionen Euro. Und die müssen aus den Erträgen bezahlt oder von Banken finanziert werden.

Branchenkreise bezweifeln, ob dafür aus Erträgen ausreichend Rücklagen gebildet worden sind und, im anderen Fall, ob die auf saubere Kennzahlen bedachte Banken eine solche Summe verleihen. Schon 2003 soll Warsteiner aus diesem Grund zur Finanzierung von Investitionen neben der Anleihe auf eine 100-Millionen-Euro-Geldspritze des damaligen Inhabers Albert Cramer angewiesen gewesen sein. Und auch die Kartellstrafe Anfang 2014 wollte bezahlt sein: 27 Millionen Euro.

Beginnende Marktoffensive

Zudem reißen die Spekulation über Unruhe im Betrieb wegen zahlreicher Fälle von Freisetzungen nicht ab. Gerüchte sprechen von 20 Mitarbeitern im Frühsommer und rund 30 in der zweiten Jahreshälfte, denen Auflösungsverträge angeboten worden sein sollen - eine relativ geräuschlose Möglichkeit, Personal abzubauen und eine Sozialauswahl zu umgehen. Begründet werde dies mit einer beginnenden Marktoffensive und Effizienzsteigerung. Schon 2002 (150 Beschäftigte) und 2009 gab es bei Warsteiner Freisetzungen.

Das Arbeitsgericht Hamm befasst sich derzeit mit mehreren Kündigungsschutzklagen von ehemaligen Brauerei-Mitarbeitern, die im Zuge dieser neuen Strategie gekündigt worden sein sollen. Dies bestätigte die Behörde auf Anfrage dieser Zeitung. Unter den Gekündigten befinden sich teilweise auch langjährige Mitarbeiter, deren Betriebszugehörigkeit bis an die zwei Jahrzehnte zählt. Viele wurden von der Kündigung überrascht, fühlten sich „vor den Kopf gestoßen“. Zwar habe es bereits seit dem Sommer vergangenen Jahres in einzelnen Bereichen des Unternehmens Kündigungen und Umsetzungen gegeben; die plötzliche Kündigungen im Herbst trafen die Mitarbeiter dennoch unvorbereitet. „Das war nicht zu erwarten“, so ein Betroffener gegenüber dieser Zeitung.

Keine Angaben der Brauerei

Die Kündigungen, zu deren genau Zahl das Unternehmen keine Angaben machen will, nennt Warsteiner-Sprecherin Jana Meißner eine „ganz normale Fluktuation. Es gab immer Mitarbeiter, von denen wir uns getrennt haben.“ Zusammenhänge mit den Absatzzahlen gebe es nicht. Insgesamt ist die Beschäftigtenzahl in den letzten Jahren stets gesunken: Im Jahr 2008 arbeiteten 862 Mitarbeiter in Warstein, 2012 waren es noch 801. Diese Zahlen nennt die Brauerei in ihrem Nachhaltigkeitsbericht.

Verweis auf Tochtergesellschaften

Wie die Brauerei die Kartellstrafe verarbeitet hat und wie sie eine Anleihe in hoher, zweistelliger Millionenhöhe zurückzahlen will – zu all dem hüllt sich das Unternehmen auch auf Nachfrage in Schweigen. Über die Halbjahresbilanz im Sommer und das Jahresergebnis im Januar (wir berichteten) hinaus gebe es keine Informationen für die Öffentlichkeit. Einen Absturz des Unternehmens in die Bedeutung und den Rang einer Regionalbrauerei bezeichnet Jana Meißner indes als „abwegig“. Warsteiner sei „eine der größten, familiengeführten, deutschen Brauerein, die auch im Ausland aktiv ist“.

Außerdem verweist Meißner auf die 120 Tochtergesellschaften im Unternehmensverbund: „Warsteiner ist nur der bekannteste Teil der Holding.“