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Dem Willen der Leute auch entsprechen

22.11.2010 | 19:00 Uhr
Dem Willen der Leute auch entsprechen
Die Bestattungsformen haben sich geändert: Die Hälfte der Beerdigungen machen Urnenbestattungen aus.

Rüthen. Der Rüthener Friedhof wird grundlegend modernisiert. Ziel ist es, die veränderten Bestattungswünsche künftig stärker beachten zu können: Es wird mehr Flächen für Urnen geben, außerdem sind pflegefreie Gräber möglich.

Rüthens Stadtrat gab, bei einer Enthaltung, schon einmal den ersten Auftrag, um Urnenwahlgräber anzulegen. Hier drängt es: Bis auf sechs Urnengräber sind die Kapazitäten ausgeschöpft. Und: Immer mehr Angehörige fragen nach pflegefreien oder pflegeleichten Grabstätten nach, weiß Bürgermeister Peter Weiken. Pflegeleicht bedeutet übrigens trotzdem, dass auch an Allerheiligen Kerzen oder Lampen auf pflegefreien Gräbern abgelegt werden dürfen – sie werden allerdings dann später vom Bauhof entfernt.

Pfarrer Bernd Götze hatte in einem Gespräch mit Weiken die Stadt darum gebeten, die Sargbestattungen weiter zu unterstützen und Urnenbeisetzungen nicht zu forcieren. Aber, so Weiken im Rat, „es ist der Wille der Menschen“: „Die Urne hat sich durchgesetzt – und wird sich weiter durchsetzen.“ Darauf müsse die Stadt reagieren. Schon die Hälfte der Bestattungen heute seien Urnenbeisetzungen. Diese benötigen natürlich viel weniger an Fläche. Aus heutiger Sicht sei deshalb auch die großzügige Erweiterung des städtischen Friedhofs nicht erforderlich gewesen.

Ausgewiesen werden künftig Urnenreihengräber (die gekauft und nach Ablauf der Ruhezeit dann wieder frei werden) sowie Urnenwahlgräber (die immer wieder gekauft und aufwändiger gestaltet werden können). Pflegefreie Flächen für Urnen sollen in der Mitte des alten Friedhofs zur Verfügung gestellt werden – die Flächen dort sind für Sargbestattungen zu feucht: ­Parkähnlich gestaltet, werden zwar die Angehörigen wissen, wo die Urnen bestattet sind, das Urnengrabfeld selbst wird aber als Rasen angelegt. Blumen oder Kerzen dürfen dort nicht abgelegt werden, dafür sollen Säulen mit Namensschildern daran an die Verstorbenen erinnern. An diesen Säulen dürfen dann auch zentral zum Beispiel Kerzen entzündet werden.

Auf dem neuen Teil des Friedhofs möchte Stadtplaner Joachim Heidrich außerdem 55 „Baumgräber“ anlegen – Urnengräber, um Bäume herum, ebenfalls pflegefrei. Im Boden werden einheitlich gestaltete Granitplatten mit den Namen der Toten versenkt. Für die Herrichtung eines solchen Grabes werden pauschal 300 Euro anfallen. Aus der Ferne wird dieses Grabfeld wie eine Wiese wirken. Bei allen neuen Grabflächen wird darauf geachtet, dass sie auch problemlos mit dem Kinderwagen oder dem Rollator zu umqueren sind.

Nicht verwirklicht wird eine Urnenwand (zu teuer) und auch anonyme Bestattungen wird es in Rüthen nicht geben (diese Möglichkeit besteht zentral fürs Stadtgebiet auf dem Friedhof in Kneblinghausen). Auch bei ablaufenden Gräberfeldern mit Särgen möchte die Stadt pflegeleichte Möglichkeiten schaffen. Joachim Heidrich denkt auch daran, dass sich Familien einen Platz aussuchen können, auf dem sie einen Baum pflanzen können und um den herum dann die Familiengruft möglich sein soll.

Bestatter Frank Föllmer nannte die geplanten Veränderungen „sehr, sehr positiv“: Sie entsprächen den Wünschen. Rüthen folge damit anderen Städten, die auf diese Veränderungen bereits reagiert hätten. Insbesondere ein Detail sei für Ehepartner wichtig, weiß er aus dem Alltag: In Urnenwahlgräbern wird es künftig auch möglich sein, eine zweite Urne beizusetzen – in der Vergangenheit gab es da oft „traurige Augen bei den Leuten“.

Jürgen Kortmann


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