Das Trio für die positive Stimmungspolitik in Warstein

Talk am Turm mit Ann- Christin Fürbach und We love Warstein Tobias Sobkowiak Frederik Cramer Hendrik Hilwerling
Talk am Turm mit Ann- Christin Fürbach und We love Warstein Tobias Sobkowiak Frederik Cramer Hendrik Hilwerling
Foto: Tim Cordes
Was wir bereits wissen
Im September 2013 sorgten sie mit ihrem Frühschoppen nach der Legionellenkrise für Aufsehen: Mittlerweile ist aus "We love Warstein" viel mehr als eine fixe Idee dreier Jungs geworden. Doch was eigentlich genau?

Warstein.. Schnell wird mir klar, „We love Warstein“ ist Programm. Denn genau dafür stehen sie: Frederic Cramer, Tobias Sobkowiak und Hendrik Hilwerling lieben Warstein – und das nicht nur in ihrem Vereinslogo. Und sie verstehen sich darin, für ihre Stadt zu werben. Empfangen werde ich am Parkplatz direkt mit einem Vereins-Souvenir, und bevor ich – die Journalistin – überhaupt die erste Frage stellen kann, wollen sie von mir wissen, wie es mir in Warstein gefalle. „Wir sind ja im Grunde betriebsblind“, räumt Sobkowiak ein. Und deswegen sind sie neugierig, was ein Außenstehender denkt.

So beginnt unser Gang zum Lörmecketurm, und zwar schnellen Schrittes. „Wollen wir mal sprinten?“, schlägt Tobias Sobkowiak vor. „Wir gehen einfach forsch. Ist doch kein Kaffeeklatsch“, entgegnet Frederic Cramer. Stimmt, zum Kaffeeklatsch haben wir uns nicht getroffen. Vielleicht ist es die sonnige Frühlingsluft, vielleicht spiegelt das schnelle Tempo der drei Jungs aber auch die rasanten zehn Tage im September vor zwei Jahren wider, die dafür sorgten, dass sich aus der Idee eines Frühschoppens der Verein „We love Warstein“ entwickelte.

Die jugendliche Idee, entstanden an einem langen Thekenabend – „der Wirt hat nur den Kopf geschüttelt“, schmunzelt Hendrik Hilwerling – gipfelte in einer Trotzreaktion Warsteins als Antwort auf die Legionellenkrise. „Dann waren beim Frühschoppen auf einmal 4000 Leute da“, sagt Tobias Sobkowiak, immer noch begeistert von dieser Zahl. Und diese Wirkung sollte nicht verpuffen. Schon vorher hatten sie darüber nachgedacht, sich als sachkundige Bürger in der Stadt einzubringen. Der Frühschoppen gab ihnen das Startsignal, damit zu beginnen.

Ob er um 11 Uhr wieder zurück in Warstein sein könne, fragt Cramer in die Runde. „Schaffst du nicht“, lautet Sobkowiaks Antwort. Seit anderthalb Jahren haben die drei Jungs ein eng getaktetes Programm: Studium beziehungsweise Ausbildung, Jobs, Sport und eben die Vorstandsarbeit für „We love Warstein“. Aber heute haben sie sich Zeit genommen, um einmal zurück zu blicken, zu sehen, wo der Verein steht, oder genauer gesagt, wie es läuft. Wie es bei ihnen läuft: „Sobald die Leute sagen, das geht nicht, das klappt nicht – genau dann machen wir das Gegenteil, dann klappt das“, erklärt Cramer ihr Vorgehen.

Kernstadt funktioniert nicht allein

Dass das aber nicht immer so reibungslos funktioniert wie beim Frühschoppen, mussten sie zuletzt beim Projekt Hauptstraße 17 realisieren. Damit wollten sie Warsteins Bewohnern zeigen, dass nicht nur geredet, sondern auch gehandelt werden kann. Allerdings: „Wir hatten uns das Ganze ein bisschen einfacher und schneller vorgestellt“, gibt Hendrik Hilwerling zu.

So schnell wie wir laufen, sprechen wir schon über Dinge wie Stadtmarketing und Identität. Die Drei kommen alle aus dem Ortsteil Warstein, haben aber erkannt, dass die Kernstadt nicht allein funktionieren kann. Sie stört, dass oft nur für den eigenen Ortsteil gedacht wird, und Konkurrenz besteht. „Kirchturmdenken“ nennen sie das, und das wollen sie aufbrechen. Nur so könne Warstein attraktiv werden für Unternehmen, Touristen und potenzielle Neubürger, meint Sobkowiak.

Die Drei sind sich einig, dass Warstein das Potenzial hat, um Menschen von außen zu locken: ob Brauerei, Natur und Wanderwege, Karneval, Schützenfest, Montgolfiade, die rege Vereinskultur. „Das Potenzial zur Vermarktung ist da, aber das muss schön gemacht werden“, findet Cramer. Das Stadtmarketing ist noch im Umbruch, aber die Drei sind überzeugt: Sobald es steht, könnte das angepackt werden. Wo zuerst angesetzt werden müsse? Sie denken da an Webpräsenz und digitale Vermarktungskanäle. „Damit man als Touri einmal aufgezeigt bekommt, was hier noch so möglich ist“, findet Hilwerling.

Vernetzung ist wichtig

Digitalisierung, auch eine Abendkultur seien Dinge, die in Warstein fehlen würden – dass diese Ideen von Mittzwanzigern kommen, verwundert nicht. Die Drei finden es wichtig, dass die Stadt auch jüngere Mitbürger anhört: „Ich denke es geht nur, wenn wir zusammen anpacken und dann darf man auch erwarten, dass die älteren Leute in den entsprechenden Positionen sagen: Kommt wir binden euch ein und wir berücksichtigen auch das, was ihr wollt“, stellt Sobkowiak fest.

Bei ihnen klappt das schon: Sie sind gut vernetzt, gehen zum Beispiel in Ausschüsse und stehen mit Verantwortlichen im Rathaus im regen Austausch. Das sei schon produktiv, aber manchmal hätten sie das Gefühl, „dass sich die Mühlen sehr langsam drehen“, meint Sobkowiak. „Wir sind in einer Kooperation, wir tauschen uns aus, nur irgendwo fehlt es dann…“, überlegt Cramer, und Hilwerling ergänzt: „Der letzte Schritt fehlt.“

Wofür steht „We love Warstein“?

Verein? Marketing? Politik? Wie und was will „We love Warstein“ überhaupt sein, frage ich mich und sie: Schon politisch, meint Cramer und beschreibt es als „positive Stimmungspolitik“. Ihre Ziele: „Nach innen wollen wir eine gute Stimmung verbreiten und Bewusstsein dafür schaffen, dass die Stadt Warstein nur als Zusammenschluss mit den neun Ortsteilen existiert“, fasst Sobkowiak zusammen. Und nach Außen ginge es darum, die Stadt als lebenswert zu verkaufen.

„Dass wir hier ein Klettergebiet haben wusstest du auch oder?“, fragt mich Sobkowiak plötzlich. Da merke ich es schon wieder: Für ihr Warstein werben, das können sie. Als wir bei strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel den Lörmecketurm erreichen, heißt es dann auch: „Hier sind wir an einer unserer Attraktionen.“ Dass wir hochgehen, ist keine Frage, schließlich wollen sie dort einen Aufkleber hinterlassen. „Natürlich hat eine Großstadt die Vorteile, bei denen Warstein nicht mithalten kann“, überlegt Sobkowiak, oben angekommen. „Aber umgekehrt haben wir auch viele Vorzüge, bei denen die Großstadt nicht mithalten kann.“ „Und auf einem stehen wir grad“, fügt Hilwerling hinzu.

Als Student oder Auszubildender hätten sie ja die Chance, auch an einem anderen Ort ihr Leben aufzubauen. Trotzdem hat es sie noch nicht fortgetrieben aus der Heimat. Wie das in zehn Jahren wohl sein wird? Wenn es der Job später zulasse, will Tobias Sobkowiak bleiben. Für Hendrik Hilwerling müsse es nicht zwangsläufig Warstein sein, aber: „Ich habe in sämtlichen Vorstellungsgesprächen gesagt, dass ich das Sauerland als mein Zuhause sehe.“ Nur für Frederic Cramer ist die Zukunft noch völlig offen.

Sicher sind sie sich aber alle: „We love Warstein“ wird weiter bestehen, und deswegen wird das Logo auch mitten auf dem Lörmeckturm platziert. Das Liebesbekenntnis an ihre Stadt machen sie damit einmal mehr für alle sichtbar.