Das Haus der weißen Männer

Warstein..  Das waren noch Zeiten. Damals - also vor weit über siebzig Jahren - konnte sich die Stadt Warstein noch einen eigenen Ziegen- und einen Kuhhirten leisten. Beide waren Angestellte der Stadt Warstein.

Ziegenhirte Anton Mühlenhoff war im gesamten Stadtgebiet bekannt. Jeden Morgen hat er dort, wo heute der Parkplatz der Sparkasse ist, kräftig in sein Horn geblasen. Das war dann das Zeichen für die Warsteiner, ihre Schafe und Ziegen zu ihm zu bringen. Von der Innenstadt aus wurde die Herde dann zum Grasen auf den Piusberg getrieben, und zwar bei Wind und Wetter. Dort blieb sie dann bis zum Abend, ehe zurück in die Stadt ging.

An den treuen Ziegenhirten Mühlenhoff erinnert heute noch die schöne Bronzeskulptur vor der Sparkasse, die vor einigen Jahren aufgestellt worden ist.

„Ziegen galten damals als die ,Kuh des kleinen Mannes´“; weiß Bürgermeister Manfred Gödde. Jeder, der es sich nur irgendwie leisten konnte, hatte in Warstein eine Hitte oder einen Bock im Stall stehen. Allein in der Kernstadt wurden nach dem Krieg 640 Milchziegen gezählt. Heute gibt es vermutlich keine einzige mehr.

Es gab sogar zwei Bockstationen in der Stadt - eine unterhalb der alten Kirche und eine dort, wo sich heute die Feuerwache befindet. Im Volksmund wurde die Bockstation „Haus des weißen Mannes“ genannt, weil die Böcke in der Regel ein helles Fell hatten. Hier konnten die Warsteiner ihre weiblichen Ziegen kostenlos decken lassen. Lang, lang ist’s her.