Das einfache Volk soll mit ins Boot
09.01.2010 | 08:00 Uhr 2010-01-09T08:00:00+0100Rüthen. Bürgermeister Peter Weiken hat für dieses Jahr den Neujahrsempfang der Stadt Rüthen abgesagt: Ihm gefiel weder das Konzept seines Vorgängers Schieren noch die Höhe der Kosten.
Die Veranstaltung sollte eigentlich am 17. Januar stattfinden. Bereits im Dezember informierte er die Stadtvertretung im nichtöffentlichen Teil der Ratssitzung über seine Absicht, den Empfang abzusagen — und bekam dort eine Mehrheit hinter sich. Weiken hat sich selber den Arbeitsauftrag erteilt, für 2011 ein anderes Konzept für einen Neujahrsempfang zu entwickeln.
Weiken erläuterte jetzt die Hintergründe. Als Gast des Empfangs im Alten Rathaus sei er im letzten Jahr „sehr enttäuscht” von der Veranstaltung gewesen. Das ganze Konzept behagte ihm nicht: Sein Amtsvorgänger Rudolf Schieren habe nur von großen, weltpolitischen Themen geredet, über die man auch überall lesen könne. Verkauft worden sei der Empfang als „Event” für Neubürger und für Menschen, die sich ehrenamtlich engagierten — „aber es waren nur die da, die immer da sind”, nämlich die Vertreter der etablierten Vereine und Parteien. Selbst eine Kindergärtnerin für eine Kinderbetreuung hätte immer abgestellt werden müssen: „Aber da war doch nie ein Kind.”
Auch die Kosten von seinerzeit 2500 Euro für den vornehmen Imbiss scheut Weiken: „Das sehe ich nicht ein. Jeder, der dahin kommt, kann sich auch irgendwo selber ein Schnittchen leisten.” Nach Weikens Worten seien die Ratsmitglieder „verdutzt” gewesen, als er diesen Streichungsplan bekanntgab: „So ganz erfreut waren die nicht.” Ganz abschaffen solle man diesen Empfang nicht, weil er ein Aushängeschild für die Stadt sei, habe es aus Reihen der CDU geheißen. Weiken fand dann aber eine Mehrheit — auch, weil er sich bereit erklärte, für 2011 ein neues Konzept zu entwickeln.
2010 darf sich zunächst einmal der Kinderschutzbund Rüthen über die Absage freuen: Dieser erhält nämlich, zur Unterstützung seiner Arbeit, eine einmalige Spende der Stadt über 1000 Euro. Weiken war kurz vor der Ratssitzung noch bei seinem Antrittsbesuch bei dem Verein gewesen, wo man ihn auf mangelnde Unterstützung aufmerksam gemacht hatte.
Verworfen hat Weiken die Idee, den Neujahrsempfang mit dem am 16. Januar geplanten Neujahrskonzert in Rüthen zusammenzulegen, und dort beispielsweise eine halbe Stunde lang Freibier auszugeben: Das wäre zu kurzfristig gewesen, meint Weiken; es hätte erst abends stattgefunden, außerdem wird für den Konzert ein Eintritt erhoben — „das hätten wir nicht verkaufen können.”
Jetzt sucht Weiken nach einem eigenen Weg für den Januar 2011: Ihm würde zum Beispiel vor dem Empfang eine Messe gefallen, möglicherweise könnten — nach Lippstädter Vorbild — auch ehrenamtlich Aktive, die nicht im Rampenlicht stehen, ausgezeichnet werden. Wichtig für ihn sei: „Das einfache Volk anzusprechen.”
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