„Das Befinden steht im Fokus“

Warstein..  „Quantified Self“ – diese Bewegung, die mithilfe der Technik zahlreiche Daten über den Körper und das körperliche Befinden sammelt, liegt im Trend. Dabei sind diese Daten meist nicht medizinisch verwendbar, wie auch Dr. Margareta Sprissler bestätigt. „Natürlich kommt es auf die Daten an, die erhoben wurden. Aber in der Medizin ist es generell gefährlich, zu sehr auf Daten und Messungen zu achten. Das Befinden des Menschen steht im Fokus“, erklärt die Medizinerin.

Ängste ernst nehmen

Trotzdem würde sie Patienten ernst nehmen, die mit Messdaten aus Apps und deren Zubehör in der Praxis auftauchen. „Diese Menschen haben dann Angst. Sie haben Daten erhoben, die nicht in der Norm liegen. Das will ich ernst nehmen und dann würde ich auch schauen, ob alles in Ordnung ist“, sagt sie.

Allerdings würde sie Menschen, die sich eigentlich wohl fühlen, die Selbstvermessung nicht empfehlen, das sei manchmal nur Panikmache

Die Gesellschaft sei immer leistungsorientierter, besonders was den Körper oder sportliche Leistungen angehe. Dabei komme es beim Sport auf die Erholung an und nicht darauf, der Beste zu sein.

Darauf würden auch Apps wie Runtastic pochen, die sie selbst schon einmal ausprobiert hat: „Die erinnern einen stündlich, dass man nicht genug gelaufen oder nicht schnell genug gerannt ist. Diese Apps betrachten nur die Leistung, nicht den Erholungsfaktor. Ich habe Runtastic deswegen ganz schnell wieder gelöscht“, gibt sie freimütig zu. Außerdem könne man sich auf die Daten, die die Apps messen, nicht immer zu hundert Prozent verlassen. „Bei Apps die zum Beispiel den Kalorienverbrauch messen, ergeben die Daten eher eine Richtung zur Orientierung anstatt exakte Ergebnisse“, zeigt sich Dr. Margareta Sprissler skeptisch. So gebe man bei diesen Apps nur Größe und Gewicht an, dabei spielten zahlreiche Faktoren des Körpers eine zusätzliche Rolle.