Chaotische Seite kreativ ausleben

Malschule Warstein von Ute Pluntke
Malschule Warstein von Ute Pluntke
Foto: Tanja Frohne
Was wir bereits wissen
Malen? Davor habe ich mich bisher mit Händen und Füßen gewehrt. Die Angst vor der weißen leinwand will mir Ute Pluntke von der Malschule Warstein nehmen.

Warstein.. Malen? Mit Händen und Füßen habe ich mich bisher gewehrt, mit Pinsel und Spachtel kreativ zu werden. Vielleicht, weil ich viel zu selbstkritisch bin. Vielleicht aber auch aus Angst vor der großen, weißen Leinwand. Die will mir Ute Pluntke von der Warsteiner Malschule an diesem Abend nehmen. Trotzdem wähle ich, nachdem ich den Malerkittel angezogen habe, eine relativ kleine, quadratische Leinwand — sicher ist schließlich sicher.

Intuitives Malen steht an diesem Abend auf dem Programm. „Chaos schaffen“, nennt Ute Pluntke als erste Aufgabe. „So kann man die Angst vor der weißen leinwand nehmen und zugleich kann man einen Zugang zur Malerei finden – dafür gibt es mehrere Möglichkeiten, Chaos ist eine davon.“ Das Schöne dabei sei, dass man sofort verschiedene Techniken ausprobieren könne. Die Abklatschtechnik, Linien regnen lassen und mit Folien Strukturen erzeugen nennt die Diplom-Grafikdesignerin als Beispiele.

Anhand eines Bildes erläutert sie, wie dieses Chaos in einem zweiten Schritt immer mehr zurückgenommen und mit Formen, Blüten oder anderen Motiven gefüllt wird. So weit die Theorie – doch nun geht es an die Praxis. Und da ist er auch schon, der Blackout vor der weißen Leinwand. Doch aus diesem kreativen Loch werde ich schnell heraus geholt.

Buchstaben aus Ölpastellkreide soll ich als erstes plakativ und malerisch auf der Leinwand verteilen. „Und immer die Leinwand drehen, das ist ganz wichtig“, ermahnt mich meine Dozentin. Das geht schnell und schon hat die Leinwand erste Farbe angenommen. Transparente Ebenen, lautet mein nächster Auftrag, das bedeutet, mit wässriger Acrylfarbe zu tupfen und mit einem Strohhalm Pfützen zu verblasen. „Intuitives Malen ist nicht immer so“, betont Ute Pluntke. Genaue Vorgaben, in welcher Reihenfolge gearbeitet wird und welche Techniken verwandt werden, gibt es nicht – ist eben intuitiv.

Regen bringt Spannung ins Bild

Aber eine erste Lektion bekomme ich: „Bilder leben von Kontrasten – bei den Tonwerten, bei der Kombination von Flächen und Linien. Kontrast ist das Zauberwort bei jedem Bild.“ Nachdem ich mehr flächig gearbeitet habe, heißt es nun also, Linien zu intensivieren. Ich soll es regnen lassen. Ein knallpinkes Gewitter ergießt sich über die orangefarbenen und gelben Flächen. Und da das solchen Spaß macht, kommt sofort ein Sommergewitter in anderen warmen Farbtönen hinterher. Ein hübscher Effekt. „Das bringt Spannung ins Bild. Bei mir findet man das in allen Bildern, das ist mein Markenzeichen“, erklärt Ute Pluntke – und schickt mich zum Föhnen der Leinwand. „Manche nennen diese Malkurse auch Föhnkurse“, schmunzelt sie.

So richtig chaotisch sieht es auf der Leinwand jedoch noch immer nicht aus. Also soll ich mit Kugelschreiber und Kohlestift Kreise malen. Eine CD und Schablonen habe ich als Hilfsmittel. Und schon werden munter Kreise verschiedener Größe über die Leinwand verteilt – das wirkt schon recht verspielt. Ebenso spielerisch ist die Abklatschtechnik, wobei ein mit Farbe betupftes Papier auf die Leinwand geklatscht und abgezogen wird. So entstehen interessante Strukturen. Nun noch einige Rosen mit der Schablone auftragen – „früher habe ich gedacht, Schablonen sind gegen den Stolz, aber das ist totaler Quatsch. Das ist toll für den Hintergrund“, meint Ute Pluntke – und etwas wässrige Farbe in größere Weißflächen, dann ist das Chaos perfekt und die erste Phase beendet.

Dann wird es schwierig. Ich soll Formen erkennen und herausarbeiten – ich aber sehe nur Chaos. Hier zeigt sich eben, wer Anfänger und wer Künstler ist, obwohl es mir an Phantasie eigentlich nie gemangelt hat. Aber da ich gerne Blätter male, gibt es erst einmal einen Zweig, der zunächst mit Aquarellfarbe vorgemalt wird. Dann soll ich diesen mit dunkelblauer Farbe umranden. Und, oh Wunder, es wirkt. Ich habe meinen ersten Aha-Effekt.

Ein wenig Schalk im Ohr

Nun geht es darum, das Bild zu beruhigen. Weiße und blaue Farbtuben drückt mir Ute Pluntke in die Hand. Schließlich gibt es nichts Beruhigenderes als diesen Farbton. Aber mein ganzes Chaos wieder übermalen? „Nicht zu viel und die Farbe nicht zu stark auftragen“, rät die Dozentin. Geht es doch etwas schief, kann man immer noch mit Wasser ausbessern – und es wieder etwas regnen lassen.

Dann ist es nach zwei Stunden fertig – mein erstes selbst gemaltes Bild seit Schulzeiten. Schön bunt ist es geworden. „Mein Herz schlägt dafür, Bilder zu malen, bei denen man immer wieder etwas neues entdeckt. Ich will die Leute einladen, in einem Bild zu versinken – immer mit Schalk im Ohr“, sagt Ute Pluntke – und schickt mich wieder zum Föhnen meines Bildes.