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Bürgermeister Weiken sucht das Gespräch

22.10.2009 | 00:53 Uhr
Bürgermeister Weiken sucht das Gespräch

Rüthen. Mit einem „anderen Gefühl im Bauch” betrat Peter Weiken am Mittwoch die Verwaltung — nicht mehr als Bürger, sondern als Bürgermeister. Gleich am ersten Tag suchte er das Gespräch mit den Mitarbeitern.

„Wie sind die Beamten hier?” Rechtsanwalt Peter Weiken ist jetzt selbst einer — mindestens für die nächsten fünf Jahre. Dass es dazu kommen würde, hatte er am Wahlabend selbst nicht so recht geglaubt. „Ich war eigentlich ins Rathaus gekommen, um mich über den 2. Platz zu freuen”, blickt der Rüthener zurück, „damit wäre ich sehr zufrieden gewesen. Ich hatte mir zu keinem Zeitpunkt echte Hoffnung gemacht.”

Doch es sollte anders kommen, wobei Weiken davon überzeugt ist, dass ihm der erste Versuch vor fünf Jahren sehr geholfen hat, „sonst hätte ich erst gar nicht antreten müssen”. Aus dem Stand gegen den Amtsinhaber 40 Prozent, das war eine gute Basis, und die Wahlkampferfahrung kam noch oben drauf.

Dickes Schlüsselbund

Geschichte. Jetzt sitzt Weiken im Bürgermeisterzimmer, muss sich an den neuen Umstand gewöhnen. Etwa, dass sein Schlüsselbund dicker geworden ist — von der Eingangstür bis zum Tresor. Im Büro befindet sich die „Standardliteratur”. „Sogar recht aktuelle Ausgaben”, freut es den Juristen. Ein Regal ist noch frei, da wird Weiken seine eigenen Bücher unterbringen — und auch das Familienfoto soll nicht fehlen.

Zum Start steht ein großer Blumenstrauß auf dem Schreibtisch — der kommt von den Fachbereichsleitern. Die Mitarbeiter der Verwaltung — Weiken führt jetzt ein 106köpfiges Team — haben eine Glückwunschkarte geschrieben, wünschen einen „guten Start” und „gute Zusammenarbeit”.

Entscheidungskompetenz

Weiken kann jetzt das Geschehen im Rathaus und in der Stadt mitgestalten, hat entsprechende Entscheidungskompetenz. Bislang arbeitete der Rüthener als Anwalt in Belecke. In dieser Funktion noch nie für die Stadt — wohl aber schon gegen sie, als Weiken etwa einen Forstmitarbeiter vertrat.

Und während Weiken vor seinem ersten Anlauf „Missstände” entdeckte und um sie beseitigen zu können antrat, hat er nun, fünf Jahre später, „die Möglichkeit, es besser zu machen.” Er hätte gerne seine Erfahrungen und sein Wissen bereits in den vergangenen Wochen eingebracht, etwa als es um das Grundstück für den MSC ging — jetzt ist es (auch) sein Ding. Auch „Haus Buuck muss dringend entschieden werden”.

Die Kreisumlage und die Finanzen der Stadt — unsere Zeitung berichtete gerade, dass im kommenden Jahr 1,2 Millionen Euro mehr an den Kreis abzuführen sind — werden den neuen Bürgermeister ebenfalls zu beschäftigen haben. Weiken: „Es werden schwierige Zeiten auf die Stadt zukommen.” Kämmerer und Beigeordneter Georg Köller kann da nur nicken.

Rüthen voranbringen

Kreativ sein und Rüthen voran bringen, dazu braucht man motivierte Mitarbeiter. Weiken möchte, dass sie alle an einem Strang ziehen, nachdem zuvor noch von „inneren Kündigungen” die Rede war. Aber auch den Rat hofft Weiken hinter sich zu bringen, um sachorientiert zu arbeiten.

Am 5. November ist die konstituierende Sitzung, die Weiken leiten wird. „Üben” will er dafür nicht: „Ich habe zehn Jahre genug geübt”, betont er und verweist darauf, dass er seine praktische Referendariatszeit beim Hochsauerlandkreis verbracht habe. Auch, dass er die „Rüthener Verhältnisse” kenne, sieht er als Vorteil.

Was also muss noch angepackt werden? Als ein „Steckenpferd” nennt Weiken das Bibertal — wo man vielleicht auch einen gastronomischen Betrieb ansiedeln könnte, um den Tourismus voran zu bringen: „Wir müssen aus den vorhandenen Möglichkeiten das Beste herausholen.” Beigeordneter Köller kann dem nur zustimmen: „Was wir haben, müssen wir verbessern”, ein Ansatzpunkt sei dabei die Gastronomie.

Im Forst müssten ebenfalls Defizite abgebaut werden, betont Weiken. Vielleicht ergäben sich Möglichkeiten, Brennholz für die Bürger bereit zu stellen. Aber: „Ich werde das Rad nicht neu erfinden!” — Allein die finanziellen Möglichkeiten schränken ein. Nicht nur in Rüthen, wie der neue Amtsinhaber sicherlich heute erfahren wird, denn dann findet die erste Bürgermeisterkonferenz des Kreises in Werl statt.

Die offizielle Einführung findet übrigens am 4. November statt: Für 18 Uhr ist eine ökumenische Andacht in der Nikolauskirche geplant, danach die Einführung in der Stadthalle. Dazu sind alle Bürger eingeladen.

Manfred Böckmann

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