Bürgermeister verliert Krawatte und Amtsgewalt

Mit spitzer Zugen und scharfer Schere: Die Narren übernehmen beim Rathaussturm durch die Karnevalsgesellschaft Rüthen die Macht von Bürgermeister Peter Weiken.
Mit spitzer Zugen und scharfer Schere: Die Narren übernehmen beim Rathaussturm durch die Karnevalsgesellschaft Rüthen die Macht von Bürgermeister Peter Weiken.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Schnipp, schnapp, Krawatte ab. Bürgermeister Peter Weiken nahm es auch gestern wieder ganz gelassen, einen seiner Schlipse einzubüßen. Immerhin der sechste am sechsten Weiberfastnachtstag, seitdem er im Amt ist.

Rüthen..  Schnipp, schnapp, Krawatte ab. Bürgermeister Peter Weiken nahm es auch gestern wieder ganz gelassen, einen seiner Schlipse einzubüßen. Immerhin der sechste am sechsten Weiberfastnachtstag, seitdem er im Amt ist.

Kennung per Code

Die bürgermeisterliche Gelassenheit versteht besser, wer weiß, dass der karnevalistische Sturm aufs Rathaus alljährlich nicht nur dazu dient, den Vorrat an Halsbindern zu reduzieren, der sich über das Jahr angesammelt hat, sondern dass Weiken für diesen Anlass extra einkauft. „Ich muss mal wieder bei ebay bestellen“, verriet er, nachdem ihm närrische Weiber an den Hals gegangen waren. Allerdings: Der Hals war natürlich seiner, die Krawatte aber überhaupt nicht. Sie war nicht ersteigert, höchstens vielleicht entliehen. „Die ist von deinem Vater“, wussten Experten zu erklären, welche die auf der Innenseite per Edding aufgemalten Hyroglyphen zu deuten wussten.

All dies passte zu dem, was Karnevalspräsident Frank Föllmer nach der Schlüsselübergabe als Parole der folgenden Tage ausgegeben hatte: „Ab jetzt wird es wieder lustig.“ Im munteren Wortgeplänkel wetzten er und Weiken sprachlich die Säbel. „Das Prinzenpaar übernimmt vom Bürgermeister die Gewalt über Rüthen, ohne dass Gewalt angedroht oder angewendet werden muss“, hatte Föllmer zuvor angekündigt – und behielt Recht. Prinz Christian I. aus dem Hause Grobe und Prinzessin Ricarda I. aus dem Hause Kroll bekamen den Stadtschlüssel – allerdings nur nach gewissen Vorüberlegungen des Bürgermeisters.

„Mache ich es, oder mache ich es nicht?“, diese Frage stelle er sich jedes Jahr aufs Neue. Dieses Mal taten sich gewisse Hindernisse auf. Der Prinz kommt aus Kallenhardt, ist aber, wie Frank Föllmer sich beeilte zu versichern, „kein Ziegenbock mehr“. Prinzessin Ricarda ist zwar Ur-Rüthenerin, „sie arbeitet aber bei der Konkurrenz in Warstein“, so Weiken – also der dortigen Stadtverwaltung. Sticheleien waren also vorprogrammiert. „Bei uns läuft es gut und rund, nicht das die sich in Warstein etwas durch die Prinzessin davon abgucken.“ Andererseits: „Vielleicht können die etwas von uns lernen.“ Die Alternative brachte Frank Föllmer ins Spiel: „Wenn unser Rathaus erst renoviert ist, gibt es auch Platz für neue Mitarbeiterinnen. Im Bereich Bauordnung ist doch Bedarf.“

Burgstraße auf und zu

Geregelt ist auf jeden Fall der Verlauf des Rosenmontagszuges auch über die Burgstraße (wir berichteten). „Die Stadt hat keine Kosten und Mühen gescheut“, freute sich der Karnevalspräsident. Für den Umzug wird die Absperrung geöffnet, danach wieder geschlossen.