Wahlversprechen
Bürgermeister spendet die Hälfte seines Gehalts
22.01.2010 | 18:49 Uhr 2010-01-22T18:49:00+0100
Rüthen. Der Rüthener Bürgermeister Peter Weiken macht jetzt ein Versprechen aus dem Wahlkampf wahr. Er spendet die Hälfte seines Gehaltes für Kinder und Jugendliche. „Wenn man gut verdient und gut da steht, dann sollte man auch abgeben”, findet er.
Versprochen ist versprochen, und wird auch nicht gebrochen. Der Rüthener Bürgermeister Peter Weiken lässt sich ein Handeln nach dieser Lebensweisheit 20.000 Euro kosten. Mit gerade 44 Stimmen Vorsprung ist Weiken im vergangenen Jahr in Rüthen zum neuen Bürgermeister gewählt worden. Dabei war der unabhängige Einzelbewerber gegen die Kandidaten von CDU, SPD und FDP nun wirklich nicht der Favorit. Seine unkonventionelle Art aber überzeugte offenbar. Dazu gehörte auch sein Versprechen im Wahlkampf, im ersten Amtsjahr die Hälfte seines Bürgermeistergehaltes für Kinder und Jugendliche spenden zu wollen.
Nicht leichtfertig
„Nein, leichtfertig war das nicht”, sagt der 38-Jährige, dessen frühere Anwaltstätigkeit jetzt ruht, heute: „Das ist nichts Tragisches.” Nein, er verstehe sich auch nicht als guter Mensch von Rüthen. Für ihn bleibe es eben eine Selbstverständlichkeit: „Wenn man gut verdient und gut da steht, dann sollte man auch abgeben.”
Gerade 5.000 Euro kostete ihn sein Wahlkampf, es gab keine Kugelschreiber umsonst, Weiken schenkte auch kein Freibier aus. Im Grunde gebe er jetzt doch eigentlich nur die eingesparten Wahlkampfkosten weiter, meint er.
60.000 Euro im Jahr
60.000 Euro verdient ein Bürgermeister in einer Kleinstadt wie Rüthen im Jahr. Davon zieht er seine Ausgaben für die private Krankenversicherung, für seine Amtseinführung und die Werbungskosten ab. Übrig bleiben dann respektable 20.000 Euro, die er stiften wird.
Das halbe Bürgermeistergehalt soll vor Ort in die Kinder- und Jugendarbeit fließen: „Auch vor der eigenen Haustür wird schließlich Geld benötigt.” Welche Projekte er im Einzelnen unterstützt, ist noch offen.
Die ersten 500 Euro übergab er schon mal der Rüthener Offenen Ganztagsgrundschule. Da war kurzfristig Not. Dort gibt es ein Kind, dessen Eltern nicht einmal die 10 Euro monatlich für die Verpflegung aufbringen können. Bei diesem Kind, so Grundschulleiterin Annegret Retaiski, hänge der Schulerfolg direkt von der Möglichkeit ab, eben auch betreut zu werden. Als das Kind von der Unterstützung erfuhr, sagt OGGS-Leiterin Birgit Wohlgethan, „ist es uns vor Freude in die Arme gesprungen”.
Zeichen setzen
Mit seinem „Bohei”, wie er die Sache um die 20.000 Euro nennt, will Peter Weiken gleichzeitig etwas anstoßen. Mit seinen 500 Euro für dieses Projekt etwa möchte er gleichzeitig ein Zeichen setzen, um andere Bürger zu ermutigen, ebenfalls Patenschaften zu übernehmen. Was ihm auch gelingt: Noch gestern fragte ihn eine Frau vor dem Rathaus, ob er ihr nicht eben die Bankverbindung noch einmal sagen könne.
Wie seine eigene Frau Anke reagiert habe? „Da reden wir gar nicht drüber. Sie hat das im Wahlkampf mitbekommen und trägt das mit. Die war nicht entsetzt”, sagt Peter Weiken. „Sie ist eher genügsam”, schiebt er hinterher, schmunzelt- und, ja, das dürfe man auch schreiben.
Erfahrung als Kellner
Unkonventionell wird er übrigens bleiben, um sich treu zu bleiben. Man sah ihn auch schon in einer Versammlung des Sozialverbandes VdK, in der eigentlich Ehrengast war, kurzerhand den Grünkohl mitservieren. Schließlich, sagte er, habe er während des Studiums auch gekellnert.
0mitdiskutieren