Brauchen Solidarität

Kita-Streik.Warum streiken die Kolleginnen in den Nachbargemeinden nicht? – Diese Frage stellen wir uns auch, denn wir können uns nicht vorstellen, dass die Kolleginnen ihre Arbeit nicht aufgewertet haben möchten.

Es mag vielerlei Gründe geben, sich nicht am momentanen Streik zu beteiligen oder aber auch nur seine Solidarität zu bekunden. Einen Grund halten wir jedoch für unakzeptabel, wenn es da heißt: Das geht uns nichts an. Dabei geht es jeden etwas an, wenn Mitarbeiter/innen im Sozial- und Erziehungsdienst von ihrem demokratischen Grundrecht des Streiks Gebrauch machen, um eine echte und gerechtfertigte Aufwertung ihrer guten Arbeit einzufordern.


Wir Erzieherinnen der Stadt Warstein wissen sehr gut, dass dies zu Lasten der Kinder und deren Eltern geht. Wir haben aber nur dieses Mittel des Streiks, um in der Öffentlichkeit, in der Politik und bei den Arbeitgebern Gehör zu finden.

Unser Streik ist keine Modeerscheinung, sondern ein im deutschen Grundgesetz verankertes Recht, um auf Missstände, hier eine nicht angemessene Bezahlung, aufmerksam zu machen.


Spätestens seit 2009 ist die Aufwertung unserer verantwortungsvollen, gesellschaftlich wichtigen zukunftsorientierten und vielschichtigen Arbeit Thema! (...) Es würde hier den Rahmen sprengen, um hier alle Veränderungen in den Kitas aufzulisten. Beispiele? Hirnforscher, Frühpädagogen, Politiker sind sich einig, wie wichtig Förderung im Kleinkind- und Vorschulalter ist und dass in den Kitas Bildungsarbeit geleistet wird. Ja, die Kitas sind eine Bildungseinrichtung, aber das sind wir eigentlich schon viel, viel länger! Wir möchten jetzt endlich auch danach bezahlt werden!


Da aber fast ausschließlich Frauen diesen Beruf ausüben – der männlicher Anteil pädagogischer Fachkräfte in Kitas liegt bei nicht einmal 2,5 Prozent – findet nach wie vor keine angemessene Anerkennung statt. Dies zeigt sich eben auch in der Bezahlung. Oder warum verdient z.B. ein Facharbeiter in der Autoindustrie fast das doppelt so viel wie eine Kita-Leitung?


Wir appellieren an Politiker, Bürgermeister der Kommunen und an kirchliche Vertreter, dass sie auf die Verhandlungsführer der Arbeitgeber einwirken, dass diese ein verhandlungsfähiges Angebot vorlegen, damit der Streik möglichst bald beendet werden kann. Wir streiken nicht leichtfertig, wir brauchen Unterstützung und Solidarität, von den Eltern, von Kolleginnen der Nachbargemeinden und aus den kirchlichen Einrichtungen.