Böllerschüsse eröffnen Belecker Sturmtag in aller Frühe

Die Sturmtagskanoniere böllern zum Auftakt des Festtags an Stütings Mühle.
Die Sturmtagskanoniere böllern zum Auftakt des Festtags an Stütings Mühle.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Jeden Mittwoch vor Pfingsten bauen die Belecker Sturmtagskanoniere ihre Drillingskanone auf – und erinnern damit an den gescheiterten Sturmangriff der Soester vor 566 Jahren. Auch an diesem Mittwoch lockten sie frühmorgens viele Gäste auf den Platz bei Stütings Mühle.

Belecke..  Es ist schon nicht mehr ganz dunkel, aber auch noch nicht richtig hell, als die Kanoniere zum ersten Mal zur Tat schreiten. Pünktlich um 5 Uhr donnert der erste Böllerschuss durch Wäster- und Möhnetal, der Qualm der Kanonen mischt sich mit dem Dunst, der noch aus der Nacht über der Wiese liegt. Es ist dieser erste Knall, der den 566. Belecker Sturmtag eröffnet.

Noch bis 8 Uhr werden die Belecker Kanoniere regelmäßig alle 15 Minuten böllern. So sieht es ein Gelöbnis vor, das ihre Vorfahren abgaben, nachdem sie den letzten Sturmangriff der Soester erfolgreich abgewehrt hatten, und das bis heute jeden Mittwoch vor Pfingsten eingehalten wird.

Bürgermeister zu Gast

Seit der damaligen Attacke hält der Frieden zwischen Belecke und Soest. Neben den regelmäßigen Besuchern des Soester Kulturforums war in diesem Jahr sogar der Bürgermeister der heutigen Kreisstadt, Eckhard Ruthemeyer, als Gast beim Böllern dabei. Auch die Raketen weisen längst nicht mehr in Richtung Soest – sondern nach Warstein, wie die Belecker betonen.

Das Herzstück der Sturmtagskanoniere ist die Drillingskanone, die 1988 in Olsberg gegossen wurde. „Mit einem Ladestock füllen wir jeweils 40 Gramm Schwarzpulver in jedes der Kanonenrohre, bevor wir es verdämmen“, erklärt Siegfried Schenuit. Etwas zusätzliches Schwarzpulver im Zündloch verhindert eine Ladehemmung.

Zu laut für Soest

Halten die Kanoniere dann den Zündstab an das hintere Ende des Kanonenrohres, dringt eine Stichflamme aus dem vorderen – und ein ohrenbetäubender Knall erschüttert das gesamte Umfeld. „In der Soester Altstadt durften wir nicht schießen“, erzählt Rudi Bernat. „Dafür ist die Kanone zu laut.“

Neben der großen Kanone standen gestern früh drei kleinere, die Rudi Bernat in mühevoller Handarbeit abgedreht hat. Hier durften auch Besucher, etwa das Fernsehteam des WDR, das über das Böllern berichtete, abdrücken. Um die Drillingskanone zünden zu dürfen, muss man mindestens 18 Jahre alt sein, einen Sprengstoff-Erlaubnisschein erwerben und „klar im Kopf sein“, wie Siegfried Schenuit sagt. 13 Kanoniere gibt es in Belecke derzeit. Der Zusammenhalt und die Faszination an der alten Technik motiviert sie, einmal im Jahr besonders früh aufzustehen – dann, wenn es noch nicht richtig hell ist.