„Bildung ist öffentlicher Auftrag“

Landtagsabgeordnete Marlies Stotz zu Gast beim Kinderschutzbund in Rüthen.
Landtagsabgeordnete Marlies Stotz zu Gast beim Kinderschutzbund in Rüthen.
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Was wir bereits wissen
Rüthen hat eine, Erndtebrück beispielsweise will aktuell eine – die private Sekundarschule. Marlies Stotz als stellvertretende Sprecherin der SPD-Fraktion im Ausschuss für Schule und Weiterbildung des Landtages sieht dies kritisch bis ablehnend.

Rüthen..  Der Staatssekretär steckte im Stau. Auch nach eineinhalb Stunden saß Thorsten Klute immer noch auf der A 46 in Wuppertal fest. Keine Chance auf einen für den frühen Nachmittag geplanten Besuch des Staatssekretärs für Integration des Landes Nordrhein-Westfalen beim Kinderschutzbund in Rüthen. Vor Ort war dagegen die heimische SPD-Landtagsabgeordnete Marlies Stotz. Sie ist regelmäßiger Gast beim Kinderschutzbund in Rüthen und hatte Klute eingeladen. Weil der nicht kam, blieb Zeit für ein Gespräch über private Sekundarschulen. Rüthen hat eine, Erndtebrück beispielsweise will aktuell eine. Marlies Stotz als stellvertretende Sprecherin der SPD-Fraktion im Ausschuss für Schule und Weiterbildung des Landtages sieht dies kritisch bis ablehnend.

Ausnahme statt Regelfall

Zum Hintergrund: In der Gemeinde Erndtebrück sind die Chancen auf Gründung einer öffentlichen Sekundarschule gering. Es gibt zu wenig Schüler, die dafür infrage kämen. Nicht anders stellte sich die Situation vor zwei Jahren in Rüthen dar. Der Ausweg, der im örtlichen Fall zu einer gelungenen, allseits akzeptierten Lösung führte: Die Gründung der privaten Sekundarschule. Diese muss, anders als eine öffentliche, nicht drei- sondern nur zweizügig sein. 50 Schüler pro Jahrgang reichen aus. Aktuell hat man sich in Erndtebrück in Rüthen schlau gemacht, wo die private Sekundarschule Vorreiter ist – und nach Meinung von Marlies Stotz weit mehr Ausnahme als Regel bleiben soll und muss.

Warum, das erklärte sie auf Nachfrage beim Besuch in Rüthen. Und das just am Tag vor der heutigen Anhörung im Landtag zum Thema Privatschulen. „Für die Kommunen ist es eine Pflichtaufgabe, ein öffentliches Schulangebot zu machen, das allen Kindern zugänglich ist.“ Ein privater Schulträger hingegen müsse nicht jedes Kind aufnehmen – was in Rüthen anders geregelt ist. „Es kann nicht sein, dass sich eine Kommune dieser Pflichtaufgabe entzieht und lässt das Land die Chose bezahlen“, betonte die Landtagsabgeordnete. Bis zu 94 Prozent seien dies.

Doch es gehe weniger um das Geld: „Bildung ist in öffentlicher Verantwortung zu organisieren“, sagte Marlies Stotz – ohne kritische Worte in Richtung Stadt Rüthen zu schicken. Hier sei der Fall auch anders gelagert, als in Erndtebrück, weil es in Rüthen durch das Gymnasium ein öffentliches Bildungsangebot gebe. In der Gemeinde im Siegerland dagegen wäre eine private Sekundarschule das einzige weiterführende Bildungsangebot. „Es wurden schon private Schulen vor die Wand gefahren“, erinnerte sie an die vormalige Schule für Hochbegabte in Eringerfeld. „Es kann die Situation eintreten, dass ein Trägerverein kopflos ist, eine Situation, die bei einer öffentlichen Schule nie eintreten kann.“

Besuch wird nachgeholt

Der Besuch des Staatssekretärs soll nun baldmöglichst nachgeholt werden. Dies versprach Thorsten Klute der Vorsitzenden des Kinderschutzbundes in Rüthen, Gisela Erdmann, via Handy. „Wir können es uns auch so gemütlich machen“, nahm diese die staubedingte Absage gelassen. Vorstandsmitglieder, Mitarbeiterinnen, Mütter und Kinder sowie Marlies Stotz ließen sich jedenfalls Tee, Kaffee, Limo und orientalisches Gebäck schmecken.