Betrug mit BVB- und Bayern-Karten: Tickethändler vor Gericht

Als Robbie Williams 2013 auf Europa-Tournee war, bot der Soester Tickethändler Eintrittskarten für die Konzerte in Hannover, München und Stuttgart an. In 72 Fällen wurden keine Tickets geliefert.
Als Robbie Williams 2013 auf Europa-Tournee war, bot der Soester Tickethändler Eintrittskarten für die Konzerte in Hannover, München und Stuttgart an. In 72 Fällen wurden keine Tickets geliefert.
Foto: picture alliance / dpa
Was wir bereits wissen
Ein Tickel-Händler aus Soest muss sich vor dem Landgericht Arnsberg unter anderem wegen Betruges verantworten. Der 46-Jährige soll Eintrittskarten für Konzerte und Fußballspiele verkauft und die Ware nicht geliefert haben.

Arnsberg/Soest.. Ein 46 Jahre Tickethändler aus Soest, der sich seit Mittwoch vor dem Arnsberger Landgericht unter anderem wegen Betruges verantworten muss, soll der Anklage zufolge per Vorkasse Geld kassiert, aber nicht die Ware: sprich: Karten, geliefert haben.

Der „unkomplizierte Anbieter“ von Eintrittskarten für Spitzenereignisse und von Eventreisen versprach auf seiner Internetseite „sichere Arrangements“ mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis. Die Träume, die der „kundenfreundliche“ Verkäufer von Robbie-Williams-Konzertkarten, Fußball-Tickets und „Rundum-Sorglos-Oktoberfest-Paketen“ wahr machen wollte, entpuppten sich - so die Staatsanwaltschaft Arnsberg - in 104 Fällen als reine Luftnummern.

Gericht Bevor der Prozess eröffnet wird, muss der Mann mit dem Vollbart ärztlich untersucht werden, ob er verhandlungsfähig ist. „Gut ist anders“, sagt er über sein Befinden.

Auch die Mutter (72) steht vor Gericht

Seit er Mitte 2013 mit seiner Ticket-Firma pleite gegangen ist, liege er nur noch auf der Couch. Und hadert offenbar. Zum Beispiel mit der Arbeit der Steuerberatung - er ist nämlich auch wegen Steuerhinterziehung (sowie Insolvenzverschleppung und Bankrott) angeklagt. Zusammen mit seiner Mutter (72), die nur ihren Namen für seine GmbH hergegeben habe. „Es ist wahrscheinlich Mutter-Sohn-Liebe, dass sie das gemacht hat.“

BVB Der Angeklagte hat viele Jahre im Ticketgeschäft gewirkt. Er begann damit, als noch Karten-Anzeigen im Fußballmagazin „Kicker“ geschaltet wurden. „Heute läuft alles bei Google.“ Am ersten Prozesstag fällt der Begriff „grauer Markt“, offenbar eine treffende Umschreibung für einen Handel in oder haarscharf an einer rechtlichen Grauzone.

Tickets für Pokalfinale in Berlin angeboten

Der Soester plaudert aus dem Nähkästchen, über das Geschäftsmodell anhand eines aktuellen Beispiels: Nach Borussia Dortmunds DFB-Pokal-Triumph in München hätte er am nächsten Morgen Karten für das Pokalfinale in Berlin angeboten. Ohne zu wissen, gegen wen der BVB spielt und ohne bereits im ­Besitz der Karten zu sein. „Das ist in der Branche so üblich“, sagt er. Dann hätte er sich um die Be­schaffung der Tickets gekümmert: „Ich weiß, von wem ich wie was kriege.“

„Der Schwager von Herrn Blatter verkauft auch seine Tickets.“

Der Westfale spricht von Bezugsquellen, teilweise vor den Stadiontoren: Ex-Fußballer, Berater, Fanclubs, Sponsoren, „Menschen aus dem Untergrund“ (sprich: Schwarzhändler) und Dauerkarteninhaber. „Sie können sich nicht vorstellen, wer mich alles beliefert hat“, sagt er zum Vorsitzenden Richter Markus Jäger und setzt noch einen drauf: „Der Schwager von Herrn Blatter verkauft auch seine Tickets.“

Fußball-Tickets Wie viele Karten er jeweils anbot, habe sich aus „Erfahrungswerten“ ergeben. Sein Bauchgefühl habe ihn nie in Stich gelassen. Ausnahme: das Champions-League-Halbfinale FC Bayern gegen Barcelona im April 2013. „Ich dachte, ich bekomme mehr Karten“, sagt er, „eine komplette Fehleinschätzung.“ Der Händler kassierte zwischen 288 (für 1 Ticket) und 2445 Euro (für 5 Stück) und lieferte nicht.

Ebenso im selben Jahr beim Bundesliga-Hit BVB gegen Bayern und beim Champions-League-Finale der beiden Teams - dort kaufte ein Kunde gleich 42 Karten, für 40 000 Euro. Man ließ sich auf Vorkasse ein, so Staatsanwalt Henning Michels, „wenn keine realistische Chance bestand, auf dem freien Markt noch Karten zu bekommen“.

Seit der Insolvenz Mitte 2013 sei er zwecks Ticket-An- und Verkaufs „ab und zu noch an Fußballstadien gewesen“, so der nach eigenen Angaben Tickethändler a.d. „Ich bin dafür zu alt, kann mit den Jungen nicht mehr mithalten.“