Bei Wallfahrt nach Werl wird Gemeinschaft gelebt

Werl-Wallfahrt, Pastoralverbund Warstein, Pfarrgemeinde
Werl-Wallfahrt, Pastoralverbund Warstein, Pfarrgemeinde
Foto: Gabi Alz
Was wir bereits wissen
99 Pilger machen sich bei der religiösen Fußreise von Warstein nach Werl auf den Weg. Aber Wetter schlägt ungewöhnliche Kapriolen.

Warstein..  Solch ein Wetter wie am Sonntag beim Anstieg im Wald in Sichtigvor, dieses Wechselbad aus unglaublicher Hitze und Starkregen haben selbst die erfahrensten Wallfahrer noch nicht erlebt.

Nach der langen „Durst- und Hitzestrecke“ über die Haar wurden die Wallfahrer mit einem Getränkestand vor dem Anstieg in Wald, der organisiert wurde von Erna Süggeler, überrascht. Die Freude war riesen groß, da das schwül-warme Wetter und das Wissen, dass das drohende Gewitter ihnen im Nacken saß, dem einen oder anderen Pilger etwas zusetzte. „Den Teufel im Nacken, das Gebetbuch in der Hand“ ging es Richtung Heimat.

Starkregen durchnässt Pilger

Was erst langsam mit ein paar Tropfen Regen anfing und so für eine willkommene Abkühlung sorgte, verwandelte sich dann innerhalb kürzester Zeit in einen starken Dauerregen, der jeden Pilger nass werden ließ bis auf die Haut. Sinnflutartig floss die braune Brühe, die einem Cappuccino glich, nicht nur den Berg herunter, sondern auch in die Schuhe der Pilger. Das Gewitter und die Blitze kamen immer näher.

Martin Steils als Wallfahrtsleiter strahlte trotz innerlicher Angespanntheit eine Ruhe aus, die sich auf alle übertrug und so zogen die Pilger mit Gesang, angestimmt und motiviert durch Eva Schulte durch den Wald. Kurz vor der geplanten Pause im Wald, hörte der Regen auf und das Gewitter zog in weite Ferne. Martin Hötte erwartete die Pilger mit kühlen Bier und Wasser, völlig durchnässt machten die Pilger eine kleine „Stehpause“ und weiter zog der Tross Richtung Petruskirche.

Je weiter es auf Warstein zuging, um so mehr ließ sich auch wieder die Sonne blicken. In der Romecke hielten die Pilger unter dem Glockengeläut der Petruskirche zum letzten Mal inne und sangen gemeinsam, bevor es hinauf zur letzten Station der diesjährigen Wallfahrt ging.

Den steilen Anstieg hinter sich gebracht wurden die Wallfahrer von Dechant Thomas Wulf erfreut empfangen und gemeinsam zog er mit den Pilgern, mit denen er und Vikar Klashörster am Samstag selbst mit nach Werl gepilgert waren, in die Petruskirche ein.

„Ich habe heute Morgen schon beim Hochamt verkündet, dass die Wallfahrer bei Regen aus der Basilika gezogen sind. Ich freue mich, dass alle heil wieder im Heimathafen angekommen sind“, betonte Wulf.

Martin Steils war es in diesem Jahr ein Anliegen, dass aus den Reihen der Wallfahrer einmal Gedanken, Erfahrungen und Empfindungen vorgetragen wurden. „Am Ende des Tages erinnern wir uns an Begegnungen und Gespräche, Zeiten des Schweigens, des Gehens, an die Natur, unsere Füße. Wir erinnern uns an das, was uns bewegte, störte, uns nachdenklich oder traurig machte, was in uns nachklingt, uns freut und ermutigt. Aber vor allem an die vielen Helfer, die im Hintergrund alles so perfekt machen.“

Zeit gab er, die Wallfahrt noch einmal zu rekapitulieren. Trotz mörderischer Hitze hatten sich Samstag in der Frühe 99 Pilger auf den Weg zur Gottesmutter Maria nach Werl aufgemacht. „Wir können stolz auf unser Verrücktsein sein“, so Vikar Manuel Klashörster in der Messe in der Alten Kirche um 2 Uhr. „Wir Pilger kommen in den Tritt, so bewegt sich was. Eine Wallfahrt ist nicht nur beten, es die die gelebte Gemeinschaft.“ Der Pilgercharakter nehme deutlich zu, das Bewusstsein, dass es sich lohnt, sich auf den Weg zu machen und zu sich selbst zu kommen.

Beten und Begegnungen

Diese Form der spirituellen Motivation hat sich im Laufe der Jahre geändert. Sportliche Betätigung sowie intensiver Kontakt mit Gleichgesinnten aus verschiedenen Altersgruppen gehört genauso dazu wie das gemeinsame Beten. Abends geht man gemeinsam oder in Kleingruppen essen und erfreut sich beim kühlen Bier. Auch wenn es für die Warsteiner nicht ihre Hausmarke ist, man rückt zusammen mit anderen Pilgergruppen.

Mit Ehrfurcht werden von der Pilgergruppe die Pilger aus Much um 18 Uhr vor der Basilika erwartet, die eine Strecke von 130 Kilometern hinter sich gebracht hatte, wie alle Pilger an diesem Wochenende bei mörderischen Temperaturen knapp unter 40 Grad. Der Suttroper Norbert Becker geht seit mehreren Jahren mit den Mucher Pilgern und wurde begeistert von den Warsteinern empfangen.

Viele neue Gesichter waren bei der diesjährigen Wallfahrt wieder mit dabei und sind am Ende völlig erschöpft, aber glücklich, diese Erfahrung erlebt zu haben, in Warstein angekommen.

Nach dem religiösen Abschluss in der Kirche gaben die Brüder Bernd und Klaus Schrewe den weltlichen Abschluss in diesem Jahr vor der Petruskirche, der in diesem Jahr bedingt durch das Wetter etwas kürzer ausfiel – ein ironischer Rückblick auf eine wieder einmal einmalige Wallfahrt.