Bei Sonnenschein mit Oma dem Streik getrotzt

Spielplatz mit Oma und Opa statt Kindergarten: Ben (2), Tom (2) und Colin (4) sowie Lennox (3) sind mit ihren Großeltern auf dem Spielplatz an der Höhle.
Spielplatz mit Oma und Opa statt Kindergarten: Ben (2), Tom (2) und Colin (4) sowie Lennox (3) sind mit ihren Großeltern auf dem Spielplatz an der Höhle.
Foto: Manfred Böckmann / WP
Was wir bereits wissen
Auch am Mittwoch streikten die Erzieherinnen in den städtischen Kindertagesstätten. Die Eltern mussten Alternativen suchen. Etwa bei Oma und Opa.

Warstein..  „Großartig – wie immer“ – Jutta Heinert, Leiter des Sachgebiets Jugendhilfe bei der Stadt nimmt es ironisch: In den städtischen Kindertagesstätten wurde auch gestern gestreikt: „Alle städtischen Einrichtungen sind geschlossen“, berichtete Heinert auf Nachfrage der WESTFALENPOST. Wie viele der Kollegen genau gestreikt haben, erfährt sie erst heute.

Entgegen der Hoffnung einiger Eltern gab es auch bei diesem Streiktag, der der nächsten Verhandlungsrunde voranging, keine Notgruppe. „Wir wollen eine Notgruppenvereinbarung mit Verdi schließen“, betont Heinert, dass sie die Sorgen und Nöte der Eltern versteht, die nicht Oma oder Opa bereit stehen haben, um die Kleinen am Streiktag zu betreuen. Das Angebot für diese Vereinbarung sei von der Gewerkschaft gekommen, heißt es aus dem Rathaus.

Einige Eltern hatten sich auch gestern im Rathaus gemeldet und gefragt, welche Betreuungsmöglichkeiten es gibt. Dass diese mit der Auskunft nicht glücklich waren, „ist nachvollziehbar“, so Heinert. „Aber den Streik hat Verdi ausgerufen und nicht die Stadt.“

Sonja Quente ist in der glücklichen Lage, noch in Elternzeit zu sein. So konnte die Tochter problemlos zuhause bleiben anstatt den Kindergarten Lippkamp in Sichtigvor zu besuchen. Grundsätzlich steht sie jedoch hinter den Forderungen der Erzieherinnen: „Die machen so viel für die Kinder.“ So genießt die Tochter das gute Wetter zuhause.

Urlaub im Sauerland

Das gute Wetter genießen auch Ben (2), Tom (2) und Colin (4) – allerdings nicht zuhause, sondern mit Oma Erika und Opa Paul auf dem Waldspielplatz an der Höhle. Auch Lennox (3) hat sich bei Monika Pohl einquartiert – er wohnt normalerweise in Niedersachsen, doch auch da waren Streiks angekündigt, so dass Urlaub im Sauerland angesagt war. Alle sind sich einig: „Das ist so schön mit Oma und Opa“. Und Oma Erika hat keine Probleme damit: „Ob heute bei uns die Fenster geputzt werden, danach fragt in fünf Jahren keiner.“

„Ihr gutes Recht“

Michael Plesser, Vorsitzender des Elternbeirats des Kindergartens Lönsstraße in Suttrop, kann auf der einen Seite die Kindergärtnerinnen verstehen: „Es ist ihr gutes Recht, wenn Sie ihre Forderungen durchsetzen möchten“. Aber zugleich sei es für die Eltern ärgerlich, wenn sie nicht so flexibel reagieren können, wie bei ihm: Die Ehefrau unternahm gestern mit dem Nachwuchs kurzerhand einen Ausflug bei dem schönen Sonnenschein. Das Geld für den Kindergarten sei bezahlt und werde wohl kaum erstattet, wer eine Kinderbetreuung organisieren müsse, habe zudem noch zusätzliche Kosten. Außerdem gebe es noch individuelle Schwierigkeiten: Michael Plesser weiß von einer Familie, die am Vortag aus dem Urlaub kam und ad hoc eine Lösung finden musste. Plesser: „Das ist manchmal sehr knapp.“

Der Suttroper lobt übrigens zugleich die Kindergärtnerinnen, die eines Morgens Eltern und Kinder mit roten Verdi-T-Shirts überraschten. „Wir streiken“, erklärten diese – aber anstatt die Einrichtung an dem Tag geschlossen zu halten, protestierten sie mit den roten Leibchen.