Bei Schnee Hobelspäne gestreut - Gericht verurteilt Mieterin

Streusalz ist auf Gehwegen in der Regel tabu. Aber Hobelspäne sind nicht in allen Formen ein geeigneter Ersatz, hat jetzt das Oberlandesgericht in Hamm entschieden.
Streusalz ist auf Gehwegen in der Regel tabu. Aber Hobelspäne sind nicht in allen Formen ein geeigneter Ersatz, hat jetzt das Oberlandesgericht in Hamm entschieden.
Foto: Joachim Kleine-Büning (Archiv)
Was wir bereits wissen
Hobelspäne aus Holz mögen umweltfreundlich sein: als Streusalz-Ersatz taugen sie aber nicht unbedingt. Das hat jetzt das Oberlandesgericht in Hamm klar gemacht.

Hamm/Möhnesee.. Das Oberlandesgericht Hamm (OLG) hat jetzt einer heute 60-jährigen Frau aus der Gemeinde Möhnesee im Sauerland Recht gegeben, die sich bei einem Glatteisunfall schwer verletzt hatte. Die Frau war im Januar 2011 auf einem Gehweg an ihrem Wohnort ausgerutscht. Der Weg sei zwar geräumt gewesen, aber der dafür verantwortliche Anwohner hatte das falsche Streumittel verwendet: Hobelspäne.

Dazu entschied das OLG nun: "Hobelspäne sind keine geeigneten Streumittel für einen eisglatten Gehweg" - und zwar, wenn diese Späne "ohne abstumpfende Wirkung sind". Ein Gutachter hatte festgestellt, dass die ausgestreuten Hobelspäne die Rutschgefahr noch gesteigert hatten, weil sie sich mit Wasser vollgesogen hatten, was bei den damals anhaltenden Minustemperaturen "einer Art Eisflocken" gleichkam.

Sägespäne zum Streuen müssen "abstumpfend" wirken

Die beklagte Mieterin, die nun die Hälfte der Kosten des erlittenen Schadens der Klägerin zahlen muss, hatte angegeben, dass ihr damals das Streusalz ausgegangen sei, weil Schnee und Glatteis bereits seit Wochen angedauert hätten. Für das Gericht war es jedoch nicht konkret genug begründet, warum die Frau sich keinen Vorrat an geeigneten Streumitteln habe anschaffen können.

Winterdienst Holzspäne sind allerdings nicht grundsätzlich zum Streuen im Winter verboten, heißt es etwa bei der Stadt Essen. Es kommt auf die Beschaffenheit an: "Erlaubt sind abstumpfende Mittel wie Sand, Sägespäne und Granulat, die nach der Schneeschmelze in der Restmülltonne entsorgt werden müssen", heißt es dort. Streusalz indes ist auf Gehwegen Tabu - mit nur kleinen Ausnahmen: wenn es besonders glatt ist und Sand und Co. nicht helfen würden. Oder an besonders heiklen Stellen, etwa an und auf Treppenstufen. (dae/WE)