Ausbildungsabgabe Bestrafung statt Förderung

Ausbildungsbetriebe sollen eine Abgabe zahlen, sofern sie vorsätzlich keine Lehrlinge einstellen. Das geht laut Kreishandwerkerschaft am Problem vorbei, denn Azubis sind rar geworden.
Ausbildungsbetriebe sollen eine Abgabe zahlen, sofern sie vorsätzlich keine Lehrlinge einstellen. Das geht laut Kreishandwerkerschaft am Problem vorbei, denn Azubis sind rar geworden.
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Was wir bereits wissen
Handwerkerbetriebe suchen nach Lehrlingen. Zahl der Azubis sinkt. Abgabe geht am Problem vorbei

Warstein..  „Vorsichtig gesagt: Ich halte nichts von der Ausbildungsabgabe“, sagt Alfons Belda. Er ist Obermeister der KFZ-Innung Warstein und Inhaber des Autohauses Belda. Die Ausbildungsabgabe sei für ihn mehr Bestrafung als Förderung.

Doch was bedeutet diese Abgabe überhaupt und wer muss sie bezahlen? Und ist sie überhaupt sinnvoll? Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) fordert Ausbildungsbetriebe auf, eine Abgabe zu bezahlen, sofern sie keine Jugendlichen zur Ausbildung in ihrem Betrieb aufnehmen. Das Geld soll in einen Topf geworfen werden, aus dem dann diejenigen Betriebe gefördert werden, die Auszubildende beschäftigen. So soll gewährleistet werden, dass sich Unternehmen nicht ihrer gesellschaftlichen Verpflichtung entziehen und die Ausbildungssituation verbessert wird.

Klaus Bourdick von der IHK Arnsberg sieht allerdings keinen Verbesserungsbedarf. „Wir konnten im letzten Jahr einen Anstieg der neuen Ausbildungsverträge von 7,5 Prozent im Kreis Soest verzeichnen. Anders als auf Landesebene sieht es hier sehr gut aus.“ Eine langfristige Tradition der Unternehmen in der Region würde dafür sorgen, dass den Auszubildenden die Möglichkeiten immer präsent seien.

Die Industriebetriebe vor Ort würden sich auf dem Ausbildungsmarkt stark engagieren, die Dichte der Industrie sei sehr hoch in der Region, so Klaus Bourdick. Deswegen sehe er keine Probleme auf dem Markt.

Situation im Handwerk anders

Bettina Otte von der Kreishandwerkerschaft lacht, als man sie mit diesen Zahlen konfrontiert. „Ja, bei der IHK mag das der Fall sein, im Handwerk sieht die Ausbildungssituation aber anders aus“, sagt sie und kann ebenfalls mit Zahlenmaterial dienen. So sei die Zahl der neuen Ausbildungsverträge im Handwerk im Kreis Soest von 1053 im Jahr 2013 auf 982 im letzten Jahr gesunken. Das erste mal seit 20 Jahren sei diese Zahl unter der Tausendergrenze, sagt Bettina Otte. Meist seien es um die 1100 oder 1200 Auszubildende gewesen. 2013 sei man nur auf die Zahl gekommen, da man Lehrlinge aus dem Nichts akquiriert hätte. „Wir haben gezielt Studenten angesprochen und ihnen Angebote gemacht. Sonst wären wir schon 2013 bei unter 1000 neuen Azubis gewesen“, schildert sie.

Aber liegt das an der mangelnden Bereitschaft der Betriebe? Und kann eine Abgabe die Situation entschärfen? Bettina Otte sieht den Grund für diese Entwicklung im demografischen Wandel und nicht in mangelnder Bereitschaft von Betrieben oder Azubis. Es würden einfach zu wenig Lehrlinge nachrücken. Kein Imageproblem sei das, sondern ein Problem, dass sich quer durch alle Gewerbe ziehe. Deswegen würde die Ausbildungsabgabe am Problem vorbeigehen, sagt Bettina Otte bestimmt. In der Familienpolitik müsse erst einmal die Grundlage geschaffen werden, dem demografischen Wandel entgegenzutreten, sonst spitze sich die Lage noch zu. Eine Abgabe sei keine Lösung des Problems.

Franz-Josef Köhne ist Obermeister der Dachdeckerinnung. Die Abgabe ist auch für ihn ein falscher Gedanke: „Wenn die demografische Entwicklung dafür sorgt, dass es weniger junge Menschen gibt, dann werden wir irgendwann auch nicht mehr soviel Bedarf an Dachdeckern haben und brauchen dann nicht mehr viele Auszubildende. Das gleicht sich doch aus.“ Er sehe keine großen Probleme. Die Ausbildungssituation in seinem Unternehmen sei relativ stabil, auch wenn er damit rechne, dass es in den nächsten Jahren weniger Bewerber gebe.

„Zusätzlich muss man aber auch sagen, dass die Schulbildungen nachgelassen haben. Wir haben sonst Schüler mit dem Realschulabschluss eingestellt. Mittlerweile müssen wir da höher greifen. Auch das beeinträchtigt die Situation.“ Trotzdem beschäftigt er zwei Auszubildende im Handwerk. Die Betriebe seien immer offen für neue Auszubildende, würden aber nicht immer jemanden finden. Deswegen dürften die Betriebe aber nicht bestraft werden, so Franz-Josef Köhne.

Attraktiver werden

Alfons Belda wieder, der ebenfalls von einer Bestrafung redet, wenn die Sprache auf die Ausbildungsplatzabgabe kommt. „Die Bewerber sind eben nicht mehr so da wie früher. Junge fähige Menschen entscheiden sich oft für ein Studium oder die weiterführende Schule“, analysiert er das Problem der mangelnden Bewerber. Um attraktiver für die potentiellen Lehrlinge zu werden, würde man sich schon jetzt in den 8. Klassen der Hauptschule vorstellen. Am fehlenden Engagement der Ausbildungsbetriebe mangele es also nicht. „Wer ausbildet, tut das mit Herzblut. Das Ziel ist es, den Nachwuchs für die Zukunft zu fördern. Eine Ausbildungsplatzabgabe halte ich nicht für fördernd, da die Betriebe nach Lehrlingen suchen und sie nicht abweisen.“