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August-Macke-Förderpreis für Malerin Silke Albrecht

09.11.2012 | 17:03 Uhr
August-Macke-Förderpreis für Malerin Silke Albrecht
Die Künstlerin Silke Albrecht (26) erhält den August Macke Förderpreis 2012. Die gebürtige Soesterin studiert an der Kunstakademie Düsseldorf.Foto: Thomas Nitsche

Schmallenberg.   Die junge Soester Malerin Silke Albrecht erhält den August-Macke-Förderpreis. Am Sonntag wird die 26-Jährige in Schmallenberg geehrt. Ihre Arbeiten sind im dortigen Kunsthaus Alte Mühle zu sehen. Albrecht arbeitet gerne mit Material, das Geschichten erzählt.

Das Stoff-Fragment auf dem psychedelischen 70er-Jahre-Muster entpuppt sich als Teil eines Schützenköniginnen-Kleides. Silke Albrecht arbeitet gerne mit Material, das Geschichten erzählt. Die 26-Jährige wird am Sonntag im Kunsthaus Alte Mühle in Schmallenberg mit dem August-Macke-Förderpreis geehrt. Anschließend sind ihre Arbeiten bis zum 9. Dezember in Schmallenberg zu sehen.

Die Künstlerin liebt große Formate. Bilder, so hoch wie ein menschlicher Körper und so breit, dass zwei ausgestreckte Arme sie gerade umfassen können. Und sie liebt es, wenn ihre Gemälde Schichten bilden, über den Bildrahmen regelrecht hinauswachsen. So näht sie alte T-Shirts auf die bemalte Leinwand. Oder eben ein Oberteil des Königinnen-Kleides ihrer Mutter auf einen alten Vorhang. Oder die Pullover ihrer Oma mit dem typischen Glitzerfaden im durchbrochenen Strickmuster, durch das die Farbe hindurch scheint. Diese textilen Collagen sind verblüffend. Denn sie ermöglichen Durchblicke auf kleinere Bilder im Bild, die wie Fenster in neue Welten wirken.

Material entwickelt Eigenleben

In einer anderen Werkgruppe arbeitet die gebürtige Soesterin mit Lackschüttungen. Das pastose Material entwickelt gleichsam ein Eigenleben. Durch die Trocknungsprozesse bildet es Häute, Buckel, Adern, Narben, so dass das fertige Bild nicht nur dreidimensional wirkt, sondern seltsam pulsierend, organisch.

Starke Farbsetzungen, oft auch Neonakzente, kontrastieren dazu. Ein lachsfarbener Keil bricht sich zum Beispiel Bahn in ein graues Lackmassiv, „wie ein singuläres Ereignis“, erläutert Silke Albrecht. „Diese Fleischfarbe ist eigentlich in der abstrakten Malerei nicht vorhanden, sie wird zur Darstellung von Körperteilen verwendet. Solche Sachen finde ich gut.“ Die Studentin von Andreas Gursky ist die zweite Preisträgerin des August-Macke-Förderpreises, der mit 5000 Euro dotiert ist.

Spiel der Proportionen

„Die Dinge spielen miteinander, Farben und textile Oberflächen bilden Kontrastverhältnisse, ebenso das Spiel mit Proportionen, Bewegungsrichtungen und Farbverhältnissen“, lobt die Jury die innovativen Ansätze der jungen Künstlerin. Bei den Lackschüttungen experimentiert Silke Albrecht mit dem Spannungsverhältnis von Zufall und Kontrolle. Was auf der Leinwand wie das Ergebnis eines spontanen, gestischen, geradezu informellen Umgangs mit dem Material wirkt, ist in einem bewussten Schaffensakt herbeigeführt worden.

Titel gibt Silke Albrecht ihren Bildern mit Absicht nicht, der Betrachter soll sich unbeeinflusst der Arbeit nähern können. Und er soll entdecken, wenn es Brüche gibt. „Ich mag es einfach, wenn man Entscheidungsprozesse sieht.“

Alles auf eine Karte setzen

Die Künstlerin wurde in Soest geboren und wuchs am Möhnesee auf. Nach dem Abitur studierte sie in Münster auf Lehramt, „aber das war überhaupt nichts für mich“. Eine Freundin riet ihr schließlich, eine Mappe nach Düsseldorf zu schicken, als Andreas Gursky 2010 an der Kunstakademie zum Professor berufen wurde. „Alles auf eine Karte zu setzen, mag ich. Ich bin dadurch gezwungen, gut zu sein“, sagt sie.

Der Förderpreis ist Teil des neugeschaffenen August-Macke-Preises, der vom Hochsauerlandkreis sowie mit bedeutendem mäzenatischen Engagement getragen und alle drei Jahre verliehen wird. Damit sollen junge hochbegabte Künstler unterstützt werden, die in Südwestfalen geboren wurden oder dort tätig sind. „Der Kunstverein Siegen hat mich danach angesprochen“, schildert Silke Albrecht, dass die Auszeichnung mit dem „national renommierten Preis“, so Robert Fleck, der frühere Direktor der Bonner Bundeskunsthalle, durchaus die von den Stiftern beabsichtigten Wellen schlägt.

Ausstellung: Silke Albrecht 11. November bis 9. Dezember im Kunsthaus Alte Mühle in Schmallenberg. Preisverleihung Sonntag um 11 Uhr. Internet: www.august-macke-preis.info; www.kunsthaus-alte-muehle.de

Monika Willer


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